Beirat verlangt Überarbeitung des Entwurfs Mehr Klimaschutz beim Erweiterungsbau der Hochschule gefordert

Eine Fassade aus Aluminium entspricht nicht den Vorstellungen des Neustädter Beirates, wenn es um klimafreundliches Bauen geht. Die Hochschule muss deshalb Kritik einstecken.
18.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel

Aus Sicht des Beirates Neustadt entsprechen die vorgestellten Entwürfe der Hochschule für einen Erweiterungsbau an der Große Johannisstraße „nicht in hinreichendem Maß den Erwartungen an ein nachhaltiges und vor allem klimafreundliches Bauen.“ So steht es in der offiziellen Stellungnahme zu dem Bauprojekt, das der Beirat nun einstimmig verabschiedet hat. Wie berichtet, soll entlang der Straße ein dreiteiliger Bau mit drei bis vier Geschossen entstehen, der auch das schadstoffsanierte FS-Gebäude miteinbezieht.

In dem Papier kritisiert das Stadtteilparlament nun „insbesondere die Tatsache, dass offenbar keine Überlegungen zur Verwendung nachwachsender Rohstoffe für die Erstellung des Gebäudes angestellt wurden.“

Holzbau statt Aluminiumfassade

Um klimaschädliches Kohlenstoffdioxid einzusparen, schlägt der Beirat beispielsweise einen Holzbau vor. Zusätzlich solle über Alternativen zu der geplanten Aluminiumfassade nachgedacht werden, da die Herstellung von Aluminium äußerst energieintensiv sei.

Die vorgesehene dunkle Farbe der Fassade lasse zudem „eine unnötige Aufheizung einer städtischen Wärmeinsel“ erwarten, schreibt der Beirat. Auch in gestalterischer Hinsicht wünsche er sich daher eine „hellere und lebendigere Farbgebung des Neubaus.“

Als Hintergrund seiner Kritik verweist der Beirat auf die von der Landesregierung im Januar 2020 erklärte Klimanotlage Bremens. Ebenso prüft der Beirat Neustadt neuerdings von sich aus sämtliche Bauvorhaben im Stadtteil, inwieweit sie den Erfordernissen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung gerecht werden.

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Die von der Hochschule vorgestellten Pläne zur energetischen Optimierung, zur Dachbegrünung, zum Regenwassermanagement und zur Straßenbegrünung begrüßt der Beirat daher in seiner Stellungnahme ebenso wie den Umstand, dass die vorhandene Bausubstanz des FS-Gebäudes berücksichtigt wird. Gleichwohl bliebe das Vorhaben nach Auffassung des Beirats hinter den Erwartungen an ein klimagerechtes Bauen deutlich zurück.

„Das Bauprojekt passt nicht zum öffentlichen Selbstverständnis der Hochschule, die sich als Vorreiterin einer nachhaltigen Entwicklung im Stadtteil präsentiert“, sagt Beiratssprecher Ingo Mose (Grüne). Bei der Entwicklung des Fahrradmodellquartiers und in den Lehrinhalten zu den Prinzipien des ökologischen und nachhaltigen Bauens sei dies bisher deutlich erkennbar gewesen.

Architekten sollen Entwurf überarbeiten

Der Beirat fordert daher nun sowohl die Hochschule als auch das Architekturbüro Haslob, Kruse und Partner dazu auf, ihren Entwurf für den geplanten Neubau zu überarbeiten.

Die HSB versichert indes, sowohl ihre selbst gesetzten Klima- und Nachhaltigkeitsziele in Lehre und Forschung als auch die genannten Beschlüsse des Bremer Senats umzusetzen. Die Hochschule verfolge „eine intensive Flächennutzung für Lehre und Forschung und eine einfache und effiziente Bauweise, die sich bezogen auf klimarelevante Umweltwirkungen an den Nachhaltigkeitskriterien im Bereich des öffentlichen Bauens orientieren“, teilt Hochschulsprecher Ulrich Berlin mit.

Dies sei erkennbar an den bereits vom Beirat lobend erwähnten Planungsaspekten, wie der Wiederverwendung vorhandener Bausubstanz. Auch in den neu errichteten Gebäudeteilen sei auf Klimafreundlichkeit wie durch einen „sehr sparsamen und nachhaltigen Materialeinsatz und eine ressourceneffiziente Bauweise“ geachtet worden.

Nachwachsende Rohstoffe für Innenausbau

Ein Holzbau sei geprüft worden, man habe sich jedoch aufgrund von mehreren Hindernis-Faktoren dagegen entschieden. Nachwachsende Rohstoffe wie Holz seien jedoch im Innenausbau vorgesehen.

Zugeständnisse an den Beirat macht die Hochschule im Hinblick auf die Nachhaltigkeit der Fassade, die durch einen geringeren Materialeinsatz und eine optimierte Farbgebung verbessert werden soll.

Ziel der Hochschule Bremen sei es, nach dem laufenden Planungsprozess „dem Anspruch an Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Land Bremen in einem noch höheren Maße gerecht zu werden.“

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