Draußen feiern in Bremen Beirat gibt Weg für "Irgendwo"-Festival frei

Die Chancen stehen gut, dass das Sommer-Festival „Irgendwo“ zum dritten Mal in Bremen stattfinden wird. Dafür hat der Neustädter Beirat nun sein OK. gegeben. Die Anwohner wollen gegen eine Genehmigung klagen.
22.03.2019, 19:52
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel

Dass Entscheidungen eines Beirates mit Jubel und lang anhaltendem Klatschen begrüßt werden, kommt nicht allzu oft vor. Am Dienstagabend haben die Stadtteilpolitiker der Neustadt diese Reaktion für ihr mehrheitliches Votum für eine dritte Auflage des Sommer-Festivals „Irgendwo“ in Flughafennähe erhalten.

Damit hat der Verein Kulturbeutel auf seinem Weg zur Genehmigung die wohl wichtigste Hürde genommen. Amélie Rösel freute sich stellvertretend für die Vereinsmitglieder nach der Sitzung über das Ergebnis: „Es ist supercool, dass wir jetzt ein positives Statement vom Beirat bekommen haben.“ Sie hoffe nun, dass die Baugenehmigung schnell erteilt werde und die Festivalvorbereitungen wie geplant im April auf dem Gelände an der Amelie-Beese-Straße beginnen können. Ab Mitte Mai sind erste kleinere Veranstaltungen geplant.

Zuvor traf die Gegenrede anwesender Anwohnerinnen, die erneut ihr Ruhebedürfnis aufgrund der langen Dauer des Open-Air-Festivals von Mai bis September gefährdet sehen, nicht bei allen Stadtteilpolitikern auf Verständnis. „Wer am Flughafen im Sommer nicht vier nächtliche Partys ertragen kann, weiß nicht, was eine moderne Großstadt ist“, sagte der parteilose Wolfgang Meyer für die Linksfraktion zu den Einwänden. Von Sozialdemokratin Conny Rohbeck wurde dies als „kenntnisfreie Polemik“ kritisiert, die völlig die Tatsache ignoriere, dass die Nachbarschaft des Festivals bereits den dritten Sommer in Folge einer erheblichen Lärmbelastung ausgesetzt werde – auch abseits der nächtlichen Partys.

SPD will Anwohner schützen

„Natürlich begrüßen auch wir das Kulturkonzept des Vereins und das Engagement der jungen Leute, aber ein drittes Mal müssen wir das den Anwohnern einfach nicht zumuten“, so Jens Oppermann (SPD). Sehr bedauerlich sei, dass kein anderer Ort für das Festival gefunden worden sei. Aus der SPD-Fraktion gab es daher zwei Gegenstimmen zu dem ansonsten positiven Votum des Beirates.

Aus Sicht von Johannes Osterkamp (Grüne) sei das Ruhebedürfnis der Anwohnerinnen zwar nachvollziehbar, „aber ich kann keine extrem offene Ablehnung erkennen, sondern gehe eher von einer großen stillen Akzeptanz der Anwohner aus, die heute nicht hier sind.“ Er bescheinigte den jungen Menschen, die die Veranstaltung durchführen wollen, dass sie sich äußerst kompromissbereit gezeigt und die Interessen der Nachbarschaft ernst genommen hätten. „Wir sollten diesem Engagement Rechnung tragen und diesen Kultur-Leuchtturm für die ganze Stadt erneut unterstützen“, so Osterkamp.

Tatsächlich hat der Verein Kulturbeutel die Dauer des Festivals reduziert und will anstatt sechs lärmintensiver Elektropartys bis in die frühen Morgenstunden nur noch vier über den Sommer verteilt steigen lassen. Das Konzept sieht darüber hinaus vor, maximal vier Veranstaltungen die Woche wie beispielsweise Open-Air-Kino, Konzerte oder Barabende stattfinden zu lassen.

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Montags und dienstags finden keine Aktionen auf dem Gelände statt, ebenso wie jeweils die Woche vor den Elektropartys und zehn Tage ab dem 23. Juni. „Wir bieten auf Anregung der Baubehörde den zwölf Anwohnern aus der Iserlohner Straße an, sich für die vier Partytermine ein Hotel zu nehmen, das wir vom Verein bezahlen“, erklärte zudem Felix Graßhoff vom Verein Kulturbeutel.

Wie bereits im vergangenen Jahr sollen fest installierte Schallpegler an der Musikanlage technisch unmöglich machen, dass die Musik lauter aufgedreht werden kann als genehmigt. An den Party-Terminen kann sich die Behörde als Belastungsgrenze vorstellen, maximal bis 1 Uhr Geräusche zu erlauben, die so laut wie Tagesgrenzwerte sind.

„Diese Werte werden jedoch nicht ausgereizt, vergangenes Jahr haben wir an den Gebäuden der Beschwerdeführer maximal 40 Dezibel gemessen, das ist vertretbar“, sagte Michael Bürger von der Baubehörde, der die Einhaltung der Lärmschutzauflagen 2018 überwacht hatte. Nach 1 Uhr müssten die Kulturschaffenden die Lautstärke dann auf die regulär nächtlich zugelassenen Grenzwerte reduzieren.

Klage angedroht

Die Anwohnerinnen kündigten ungeachtet dessen den Klageweg an, sollte die Baubehörde eine Genehmigung für das Festival erteilen. „Keiner kann sich vorstellen, wie das ist, wenn man nach der Arbeit nach Hause kommt und entspannen möchte, aber dann fängt der Stress erst so richtig an“, verteidigte eine Bewohnerin aus der Iserlohner Straße ihr kategorisches Nein zu den Festivalplänen. Janne Müller (Grüne) kritisierte diese kompromisslose Haltung „weil es dadurch unmöglich ist, eine Lösung zu finden – egal wie weit die jungen Leute Ihnen entgegenkommen.“

Als Fürsprecherin des Festivals meldete sich außerdem auch die Vorsitzende der Kulturdeputation, Miriam Strunge (Linke), zu Wort. Das Bürgerschaftsmitglied verwies auf „die Ausstrahlungskraft des Projektes weit über die Stadtgrenzen hinaus.“ Aus Sicht der Kulturdeputation, die den Verein unterstütze, habe der Verein „in den vergangenen Jahren viel dazugelernt und maximale Zugeständnisse gemacht“, so Strunge.

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Mit dem mehrheitlichen Beiratsbeschluss wird eine Genehmigung nun sehr wahrscheinlich, machte Behördenvertreter Bürger während der Sitzung deutlich. Insbesondere, weil auch Feuerwehr, Polizei und andere Stellen, die zu dem Vorhaben Stellung beziehen müssen, bislang keine oder nur geringe Vorbehalte gegen das Festival geäußert hätten.

„Wir freuen uns, dass der Beirat nun grünes Licht für das Festival gegeben hat, das ist die Voraussetzung für eine Genehmigung gewesen“, sagt Baubehördensprecher Jens Tittmann. Wenn der Verein alle Auflagen – insbesondere die zum Lärmschutz – erfülle, sei eine Genehmigung innerhalb der kommenden drei Wochen das Ziel.

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