Auf Augenhöhe

Jugendinitiative trifft auf Zustimmung

Der Beirat Neustadt unterstützt das langfristige Projekt der Jugendlichen. Einigkeit herrscht auch über die Fahrradroute Wallring. Das Amt für Straßen und Verkehr stellte das Projekt vor.
23.11.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Chantal Moll

Jugendliche zu Wort kommen lassen und auf Augenhöhe kommunizieren – das will der Neustädter Beirat. In der jüngsten Beiratssitzung stellte sich die Jugendinitiative Neustadt den Mitgliedern vor – und stieß auf Zustimmung. Der vorherige Neustädter Jugendbeirat hatte sich 2017 aufgelöst, danach gab es keine Vertretung der Jugendlichen mehr. Die Jugendinitiative Neustadt hat bereits im Januar finanzielle Unterstützung vom Beirat für einen vorbereitenden Workshop bekommen. Dort legten die Jugendlichen Ziele und Wünsche für einen Jugendbeirat fest. Nun präsentierten sie ihre Ergebnisse.

Sprachrohr der Jugendlichen soll ein gewählter Jugendbeirat werden. „Augenhöhe ist das wichtigste Wort“, sagt Meret Göhring, Mitgründerin der Jugendinitiative. Die Jugendbeteiligung werde oft übersehen, gerade in Zeiten der Pandemie wollen die Jugendlichen aber gehört werden. Göhring wünscht sich einen regelmäßigen und dauerhaften Austausch mit dem Beirat. Außerdem wolle sie die Kontakte und Verbindungen des Beirates mitnutzen. Zentrale Themen sind Bildung, Soziales und Umwelt. Ramona Seeger (Die Linke) will die Jugendbeteiligung als festen Tagesordnungspunkt direkt zu Anfang auf die Liste des Fachausschusses für Bildung, Soziales und Jugend nehmen. „Der Platz ist dann für die Jugendlichen reserviert“, stellt die Ausschusssprecherin klar. Doch die Wahl zum Jugendbeirat ist aufwendig und nimmt Zeit und Geld in Anspruch. Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon zeigt sich jedoch zuversichtlich: „Wir werden die Wahl gut und gründlich vorbereiten.“ Sie wolle lieber mehr Zeit investieren und eine Diskussion mehr als zu wenige führen. Nur ein Vorbereitungsworkshop wie bei dem vorherigen Jugendbeirat, der sich aufgelöst habe, reiche nicht aus. Czichon sieht in der Jugendinitiative dieses Mal ein langfristiges Projekt. Finanzielle Unterstützung sei auch gegeben. „Es gibt stadtweit Mittel für die Jugendbeteiligung, die der Beirat zur Verfügung stellen kann“, so die Ortsamtsleiterin.

„Es ist derzeit nicht der beste Zeitpunkt, um so eine Initiative zu gründen, dafür braucht man einen langen Atem und den habt ihr bewiesen“, sagt Johannes Osterkamp (Grüne). Als Beirat seien sie nicht schnell genug gewesen und deshalb sei er dankbar für die Arbeit der Jugendinitiative Neustadt. „Ihr habt das allein gemacht, danke für eurer Engagement.“ Der gesamte Beirat steht hinter der Jugendinitiative.

Generell einig ist sich der Beirat in Sachen Fahrradroute Wallring. Das Projekt im Rahmen des Masterplans Green City greift einen Teil der Premiumrouten aus dem Verkehrsentwicklungsplan Bremen 2025 auf. Wie der Fahrradweg in der Neustadt aussehen soll, stellte Mara Hartwig vom Amt für Straßen und Verkehr (ASV) vor. Der Wallring schließt die Neustadt und Teile der Innenstadt ein: vom Leibnizplatz zum Bahnhof Neustadt, über die Stephani-Brücke bis hin zum Doventor, außen am Wall entlang zum Osterdeich und über die Wilhelm-Kaisen-Brücke wieder zum Leibnizplatz. Dabei handelt es sich um einen Zweirichtungsverkehr, sodass die Radfahrer den Weg in beide Richtungen nutzen können. Die Fahrbahn auf dem Neustadtswall soll dafür asphaltiert werden und ein zwei Meter breiter Parkstreifen aus Kopfsteinpflaster soll, angelehnt an das Fahrradmodellquartier in der Neustadt, die Abgrenzung von Fahrbahn und Parkplatz sichtbar machen. Den Knotenpunkt zur Hohentorsstraße sichert die Planung mit einer Mittelinsel für ein fahrradfreundliches Überqueren.

Für den Radweg durch den Hohentorspark ist ein 2,50 Meter breiter Asphaltstreifen als Zweirichtungsweg geplant. Das Konzept des Zweirichtungsverkehrs müsse jedoch nochmal genauer geprüft werden, beschließt der Beirat. Grund sei die knappe Breite von 2,50 Meter. Man wolle sichergehen, dass es nicht zu Unfällen aufgrund der Wegesbreite komme, heißt es. Da die Wegführung sich am Bestand orientiere, müsse ein Baum am Friesenwerder gefällt werden, berichtet Hartwig. Dafür werde aber ein neuer Baum gepflanzt. Ein Fakt, der sowohl bei den Beiratsmitgliedern als auch bei den Zuhörern auf Widerstand stößt. Der Baum müsse unbedingt erhalten bleiben, sind sich Gäste und Beiratsmitglieder einig.

Das Parken am Wendehammer des Neustadtwalls strukturiert das ASV ebenfalls um. Derzeit zählt es 47 ordnungsgemäße Stellplätze. Außerdem gebe es 48 ordnungswidrige Stellplätze, die die Autofahrer derzeit nutzten, beispielsweise auf den Geh- und Radwegen. Diese Beobachtung habe das ASV in Zeiten vor der Pandemie und zu Vorlesungszeiten der Bremer Hochschule gemacht. Rund 53 neue Stellplätze sind geplant, ordnungswidrig soll dann keiner mehr parken können. Diese Stellplätze fallen also weg. Bewohner Ronald Kurmis sieht das kritisch: „Dass noch mehr Parkplätze wegfallen ist für diejenigen doof, die das Auto brauchen.“ Beiratssprecher Ingo Mose (Grüne) ist da anderer Meinung und hat die Verkehrswende im Blick. „Wenn wir im Innenstadtbereich und in der Neustadt Radfahrern mehr Raum geben wollen, dann muss es im Zweifel auch möglich sein, Parkplätze zu opfern.“ Außerdem handele es sich um ordnungswidrige Stellplätze, die derzeit geduldet würden, aber nicht erlaubt seien.

„Ich bin begeistert, dass wir den Ringanschluss bekommen“, sagt der stellvertretende Beiratssprecher Wolfgang Schnecking (SPD). Der Beirat stimmt den Plänen zu, besteht jedoch darauf, dass der Baum am Friesenwerder erhalten bleibt. Außerdem soll sichergestellt werden, dass das Geradeausfahren der Autofahrer am Knotenpunkt an der Hohentorsstraße verhindert wird. Wo genau das ASV Fahrradbügel aufstellt, will der Beirat ebenfalls noch besprechen. „Der Wallring ist ein Gewinn für den Stadtteil“, so Mose.

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