Bremer Kultursommer Summarum

Die Kunst geht an die frische Luft

Nur zögerlich kehren die Besucher nach dem Corona-Lockdown zu Kulturveranstaltungen zurück. Das muss nicht sein, sagt das Team des Bremer Kultursommers Summarum. Denn der findet unter freiem Himmel statt.
06.07.2020, 06:06
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Die Kunst geht an die frische Luft

Nicht im Konzertsaal, sondern auf dem Quartiersplatz der Schule am Leibnizplatz wird die Gruppe Gorason fürs Publikum spielen.

Gorason

Endlich wieder gemeinsam mit anderen Menschen Kunst erleben nach der recht einsamen Digital-Diät – das ist das Ziel der Veranstalterinnen des Bremer Kultursommers Summarum. Aus 140 Darbietungen können die Besucher seit dem Start der Gemeinschaftsaktion der Bremer Kulturszene auswählen. Im Bremer Süden gibt es für Kinder und Erwachsene noch bis in den August hinein Musik, Theater, Tanz, Varieté, Lesungen und Akrobatik an zum Teil ungewöhnlichen Orten zu sehen.

Denn wer verbindet schon die Fußballtribüne des ATS Buntentor auf dem Stadtwerder oder den Schulhof der Oberschule am Leibnizplatz mit Kunst? Doch genau darin liegt aus Sicht der beteiligten Kulturschaffenden auch der Charme des Programms. Wegen der besseren Hygienebedingungen treten sie ausschließlich unter freiem Himmel auf – sei es in der Natur oder auf Plätzen mitten in der Stadt. Damit keiner Angst vor Gedrängel haben muss, werden die Eintrittskarten ausschließlich im Vorverkauf herausgegeben.

„So können die Menschen trotz Corona sicher Kunst genießen und lernen vielleicht sogar noch einen Ort in ihrer Nachbarschaft von einer völlig neuen Seite kennen“, sagt Astrid-Verena Dietze. Sei es das Licht-Luft-Bad Prießnitz auf dem Stadtwerder oder der Vorplatz des neuen Zirkuszelts von Jokes in Huckelriede. Besonders häufig wird es auf dem Quartiersplatz Neustadt lebendig werden in den kommenden Wochen. Der Schulhof der Oberschule am Leibnizplatz sollte auf Wunsch der Stadtteilpolitik aber ohnehin für die Gemeinschaft offenstehen und nach seiner Umgestaltung rege genutzt werden.

Die Fußballtribüne des ATS Buntentor wird ebenfalls ein ungewohntes Bild abgeben: Lesungen, Theater und Musik wird es von dort oben zu hören und zu sehen geben. Das Publikum kann sich auf selbst mitgebrachten Stühlen und Picknickdecken davor auf dem Rasen ausbreiten. Töne genießen, statt Tore schießen. „Wir sind froh, dass der Sportverein sich auf das Experiment eingelassen hat“, sagt Dietze. Zugleich hofft sie, dass das Publikum so fair ist, hinterher seinen Müll wieder mitzunehmen – aus Rücksicht gegenüber der Natur und der Sportler, die den Platz nutzen.

„Insgesamt könnten sich noch deutlich mehr Menschen trauen, wieder draußen statt alleine zu Hause Kunst zu genießen“, bilanziert Astrid-Verena Dietze die ersten Wochen der spontan aufgelegten Veranstaltungsreihe. Die Stadtteilmanagerin der Neustadt hat sich nach Initiative der Bremer Shakespeare Company als Mitveranstalterin zur Verfügung gestellt. „Unsere bisherige Erfahrung zeigt: Die bekannten Einrichtungen haben es leichter, unbekanntere Künstler deutlich schwerer, ausreichend Zuschauer zu mobilisieren“, so Dietze.

Es sei zwar erwartbar gewesen, dass durch das Coronavirus weniger Menschen zu Aufführungen kommen würden. „Aber dieser Sommer ist schon sehr anders, daher wollen wir den Interessierten Mut machen, sich zu trauen“, sagt Dietze. Sicherheit biete nicht nur ein Hygienekonzept, „sondern wir haben ausschließlich einen Ticketvorverkauf, sodass wir garantieren können, dass nur so viele Besucher kommen, wie der Ort unter Einhaltung der Abstandsregeln aufnehmen kann“, so die Stadtteilmanagerin. In der Regel seien das 80 Personen, in Ausnahmefällen etwas mehr.

Für die Kulturschaffenden ist es das erste Mal seit dem Lockdown, dass sie vor Publikum auftreten dürfen. „Und wir bekommen die Rückmeldung, wie wichtig das für die Künstlerinnen und Künstler ist – für manche wird es der einzige Auftritt in diesem Sommer vor Menschen sein“, sagt Dietze. Deshalb sei das Ziel, so viele Tickets wie möglich zu verkaufen. Denn eine kleine Gage sei das Mindeste, was die Veranstalter allen an den Aufführungen Beteiligten wünschen. „Aus meiner Sicht ist ein Ticketkauf gleichzeitig auch ein Akt der Solidarität für die Kulturszene, falls die Menschen wollen, dass diese auch nach Corona noch weiter existiert“, sagt die Mitveranstalterin des Sommer-Summarum-Programms.

Fast täglich werden neue Darbietungen auf der Internetseite des Bremer Kultursommers Summarum veröffentlicht. „Wir kommen kaum hinterher bei dieser Fülle, daher lohnt es sich, immer mal wieder reinzuschauen, was es Neues gibt“, rät Dietze. Und nebenbei tüftelt sie auch noch an zwei besonderen Terminen: Denn am 14. und 15. August hätte eigentlich das Summersounds Festival stattgefunden. „Das können wir nicht ersetzen, aber es wird eine kleine Reminiszenz an diesen Tagen geben“, stellt sie in Aussicht.

Info

Zur Sache

Terminauswahl im Bremer Süden:

Eine Tanzperformance vom Tanzkollektiv Bremen gibt es am Freitag, 10. Juli, ab 20 Uhr an der Tribüne des ATS Buntentor, Weg zum Krähenberg 1, zu sehen. „2D-real dimensions“ ist von der Kunsthallen-Ausstellung „Ikonen“inspiriert.

Klezmer und Balkanmusik spielt die Gruppe Gorason am Sonntag, 12. Juli, ab 19 Uhr auf dem Quartiersplatz Neustadt bei der Oberschule am Leibnizplatz.

Artistik bietet die Gruppe Stelzenart mit ihrer Show „Le voyage magique“ im Licht-Luft-Bad Prießnitz täglich von Freitag, 24. bis Sonntag, 26. Juli, je um 21.15 Uhr.

Varieté von den Straßenkünstlern "Digger & Dig" ist vor dem neuen Zirkuszelt von Jokes, Kornstraße 315a am Sonntag, 2. August ab 18 Uhr zu erleben.

Eintritt nur über Ticketvorverkauf (Nordwestticket, Telefon 36 36 36). Weitere Infos mit stets aktualisiertem Veranstaltungskalender unter www.sommer-summarum.de.

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