Geänderter Fahrplan der BSAG Baustelle an Wilhelm-Kaisen-Brücke sorgt für Staus und Umwege

Am Einfallstor zur Bremer Neustadt am Fuße der Wilhelm-Kaisen-Brücke behindert eine Gleisbaustelle den Verkehr. Das sorgt für Staus und Irritationen.
19.03.2021, 13:37
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel

Der hydraulische Stemmhammer gräbt sich mit Getöse zwischen den glatten Asphalt und Beton, bis davon nur noch lose Brocken auf der Kreuzung liegen. Das Hämmern übertönt den Verkehrslärm um ein Vielfaches, der am Fuße der Wilhelm-Kaisen-Brücke üblicherweise den Ton angibt. Seit Montag laufen am Eingangstor zur Neustadt auf der Kreuzung Osterstraße/Friedrich-Ebert-Straße Gleisbauarbeiten der Bremer Straßenbahn AG (BSAG).

Die abgenutzten Gleise sind mehr als 20 Jahre alt und müssen durch neue ersetzt werden. Das bedeutet für die Menschen drumherum bis zum 25. April sechs Wochen Umwege und Lärm. Danach soll es dafür umso leiser werden: Denn die neuen Schienen sind mit einer speziellen Schalldämmung unterlegt.

Bis zum Wochenende müssen die Schienen freigelegt sein, daher sind mehrere Stemmhammer und Bagger parallel im Einsatz, um Asphalt und Beton zwischen den Gleisen aus dem Weg zu schaffen. Was die Schaufeln der Bagger nicht aufnehmen können, räumen Bauarbeiter per Hand mit Schaufel und Besen weg. Immer wieder kommen Laster mit leeren Schuttcontainern angefahren und machen sich nach einiger Zeit mit voll beladenen Behältern wieder davon.

BSAG kündigt Power-Wochenende an

Das emsige Treiben ist nur die Vorbereitung für das, was ab Freitagabend 18 Uhr im Terminkalender der Baufirma steht: der Austausch der Gleise bis Montagmorgen um 6 Uhr. Zumindest das Stück auf der Friedrich-Ebert-Straße. Um das zu schaffen, müssen etwa 75 Arbeiter im Schichtbetrieb rund um die Uhr ranklotzen. Ihr Ziel: Die Linie 4 soll danach wieder das linke mit dem rechten Weserufer verbinden. Es ist die einzige Straßenbahn, die ihren regulären Betrieb nur für diese zweieinhalb Tage der sogenannten Power-Baustelle unterbrechen muss. ( Die Änderungen im Verkehr finden Sie am Ende des Artikels)

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Aber noch ist es nicht so weit: An diesem kalten Morgen kann die Straßenbahn noch langsam zwischen den Arbeitern hindurch fahren. Für diese Minute steht die Baustelle still. Ein Warnsignal hat zuvor angekündigt, dass die Gleise geräumt werden müssen. „Bauarbeiten mit ständigen Unterbrechungen sind eine Herausforderung, aber es geht nicht anders“, sagt Ingo Schnieders, Projektleiter der BSAG. Auch die Baggerführer müssen aufpassen: Die Oberleitungen dürfen nicht beschädigt werden und stehen für die Linie 4 auch weiterhin unter Strom. Daher heißt es Abstand halten, sonst könnte es gefährlich und teuer werden.

„Die 4 ist unsere zweitstärkste Linie der Stadt, die konnten wir nicht dauerhaft unterbrechen, auch weil wir die Neustadt nicht von der Reststadt abhängen wollen“, erklärt BSAG-Sprecher Andreas Holling. Bei den Linien 6 und 8 sieht das anders aus. Um die Unterbrechungen der Bauarbeiten zu minimieren, werden die Straßenbahnen umgeleitet. Die Linie 8 über den Brill und die Domsheide, der Bus 24 fährt über den Brill und die Haltestelle Am Wall bis zum Hauptbahnhof.

Für die Linie 6 fährt auf der rechten Weserseite eine Art Ringverkehr von der Universität über Radio Bremen und die Domsheide und zurück. Am linken Weserufer wird ein Ersatzbusverkehr seine Kreise drehen zwischen Flughafen, Richard-Dunkel-Straße, Langemarckstraße und Gastfeldstraße.

Ärger über Lücke im Liniennetz

Dass durch diese Planung eine Lücke zwischen den Haltestellen Gastfeldstraße und Leibnizplatz entsteht, die weder von Bussen noch Bahnen abgedeckt wird, ärgert Leserin Brigitte Kalkwarf. „Wir sind vom direkten Weg in die Innenstadt abgeschnitten“, beklagt die Neustädterin, die üblicherweise die Haltestelle Schleiermacherstraße der Linie 6 benutzt. Für Berufstätige mit Arbeitsstelle in der Innenstadt und Schüler, die die Privatschule St. Johann besuchen, bedeute die Unterbrechung einen mindestens 30-minütigen Umweg bis zur Domsheide mit Umstiegen in andere Busse und Bahnen. Wer also das Stück zwischen den Haltestellen nicht laufen könne, habe das Nachsehen, so ihre Kritik.

„Wir sind uns bewusst, dass die Lösung nicht optimal ist, aber es geht leider nicht anders“, sagt BSAG-Sprecher Holling dazu. Ein Grund für die Lücke sei, dass Busse in der Gegend um den Leibnizplatz nicht genug Platz zum Drehen vorfinden, um den Kreisverkehr zum Flughafen sinnvoll fortführen zu können. Und auch ein von Kalkwarf vorgeschlagener Ersatzbus, der zwischen Flughafen und Hauptbahnhof über die Domsheide pendelt, sei keine Option. Denn Autos und Busse können während der Bauphase nur in Richtung Innenstadt auf einer Spur durchfahren. Stadtauswärts müssen sie von der Brücke kommend in die Osterstraße einbiegen.

„Wir bitten um Verständnis, dass es zu Behinderungen kommt“, so Holling. Autofahrern rät er, die Baustelle weiträumig zu umfahren.

Wenn die Arbeiten beendet sind, können sich die Neustädter gleich auf die nächste Baustelle einstimmen: Für Ende Mai plant die BSAG, an der Kreuzung Langemarckstraße/Westerstraße die Gleise zu tauschen.

Info

Zur Sache

Die Umleitungen der BSAG im Überblick:

Die Linien 4 und 4N werden zweigeteilt und fahren auf zwei getrennten Streckenabschnitten. Die Linie 4 pendelt ab Lilienthal über Hauptbahnhof und Domsheide als Linie 6 weiter über Radio Bremen, Hauptbahnhof und Universität-Nord. Links der Weser pendelt die Linie 4 ab Arsten zum Theater am Leibnizplatz und von dort als 6E zum BSAG-Zentrum.

Die Linie 6 fährt ab Universität-Nord über Hauptbahnhof, Radio Bremen zur Domsheide und von dort weiter als Linie 4 nach Lilienthal.

Die Verbindung zum Flughafen wird über den Ersatzverkehr der Linie 6E gewährleistet. Die Busse werden durch die Baustelle geschleust und fahren ab Domsheide über die Wilhelm-Kaisen-Brücke und der Friedrich-Ebert-Straße zum Flughafen-Süd.

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