Straßen in der Neustadt

Car-Sharing soll Parkplatzprobleme lösen

Bremen-Neustadt. Die Parkplatznot ist immer wieder ein großes Ärgernis in der Neustadt. Damit die parkenden Autos nicht die Straßen und Gehwege verstopfen, will die Stadt Bremen das Angebot von Car-Sharing weiter ausbauen.
26.11.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel

Bremen-Neustadt. Die Parkplatznot ist immer wieder ein großes Ärgernis in der Neustadt. Damit die parkenden Autos nicht die Straßen und Gehwege verstopfen, will die Stadt Bremen das Angebot von Car-Sharing, dem gemeinsamen Nutzen von Autos, im Stadtteil weiter ausbauen. Lokalpolitiker geben dem Verkehrssenator grünes Licht für ein entsprechendes Pilotprojekt. Es sollen künftig so genannte "Mobilpünktchen" in den Problemzonen der Quartiere eingerichtet werden. Nun geht die Suche nach Standorten für diese Stationenlos.

Neustadt. Die Gehwege sind zugeparkt, die Straßen eng. Viele Anwohner finden erst nach langem Suchen einen Parkplatz in ihrem Quartier. Müllabfuhr und Feuerwehr haben massive Probleme durchzukommen. Diese Situation kennen viele Neustädter aus eigener Erfahrung. Und damit sind sie in Bremen nicht allein. Auch in der Östlichen Vorstadt, in Schwachhausen und Findorff haben Feuerwehr, Polizei und Müllabfuhr mit Experten des Verkehrssenators Konflikte durch den Parkplatzmangel festgestellt.

"In diesen Problem-Stadtteilen wollen wir nun durch unser Pilotprojekt für eine Entlastung durch eine Ausweitung des Car-Sharing-Angebotes sorgen", sagt Marcel Kreykenbohm. Als Referent für nachhaltige Mobilität bei der Verkehrsbehörde hat er am Donnerstag das geplante Projekt dem Verkehrsausschuss des Neustädter Beirates vorgestellt und um Vorschläge für geeignete Standorte gebeten. Dort stießen die Pläne auf große Begeisterung.

Konkret geht es den Planern darum, neben den bereits existierenden Car-Sharing-Stationen stadtweit insgesamt 20 weitere möglichst wohnortnah in den genannten Gebieten einzurichten. Finanzielle Unterstützung erhält die Stadt Bremen dabei vom Bund. "Entscheidend ist, dass es sich um kleinere Stationen mit nur zwei Fahrzeugen handelt, die wir direkt in den engen Straßen der Problemquartiere platzieren können", erklärt Kreykenbohm. Mobilpünktchen sollen sie heißen.

Insgesamt gibt es in der Neustadt sechs Stationen auf privaten und öffentlichen Flächen. An den bereits bestehenden Mobilpunkten wie etwa am Leibnizplatz und an der Thedinghauser Straße stehen zwischen fünf und zwölf Autos für die Nutzer bereit. Zu viele für die dicht besiedelten Quartiere. Feuerwehr und Müllabfuhr haben bereits die Vordere Neustadt und das Flüsseviertel als besonders problematisch bezeichnet.

Suche nach geeigneten Standorten

Von den Mini-Stationen erhoffen sich die Verkehrsexperten gleich mehrere positive Effekte für das Quartier: "Wir können gleichzeitig den Stadtraum durch weniger Fahrzeuge entlasten, die Umwelt schonen und den öffentlichen Raum umgestalten", sagt Kreykenbohm. Denn die Mobilpünktchen bekommen nicht nur Fahrradbügel an die Seite, sondern die Verkehrsplaner verschaffen Fußgängern und Feuerwehr auch gleichzeitig mehr Platz. Das kann in Form neuer Pfosten passieren, die illegale Parker von Gehwegen fernhalten oder sogenannten "Nasen" aus Beton, die die neuralgischen Kurvenbereiche frei halten sollen.

Besonders dieser gestalterische Aspekt stieß bei Irmtraud Konrad (SPD) auf Interesse. "Da ist eine gute Chance für heruntergekommene Orte, die aufgewertet werden sollten", meint die Sozialdemokratin. Sie plädierte dafür, besonders nach diesem Gesichtspunkt die Standorte auszusuchen. Janne Müller (Grüne) schlug vor, möglichst mehr als fünf Standorte zu sammeln und nach Priorität zu sortieren. "Ich hoffe, dass wir dann in der Neustadt möglichst viele Pünktchen bekommen." Sie könne sich vorstellen, dass auch einige Bürger hilfreiche Vorschläge für mögliche Standorte hätten.

Besonders überzeugend fanden die Lokalpolitiker die positiven Effekte, die sich aus dem Konzept des geteilten Autos ergeben: Ein Car-Sharing-Auto ersetzt erfahrungsgemäß zehn Privatautos, rechnete Kreykenbohm vor. "Viele Nutzer schaffen ihr Auto ab und benutzen auch häufiger öffentliche Verkehrsmittel." Dies habe eine Umfrage unter Kunden der Firma Cambio ergeben, die in Bremen bislang als einziger Anbieter die Kriterien der Behörde für eine Teilnahme an dem Pilotprojekt erfüllt. Die Firma kann eine Verkehrsentlastung nachweisen und trägt zeitgleich den "blauen Engel Car-Sharing". 7600 Kunden kann Cambio mittlerweile in der Hansestadt vorweisen. Bis 2020 will die Stadt Bremen erreichen, das 20000 Menschen Car-Sharing nutzen.

Bis Januar wartet Kreykenbohm nun auf Vorschläge vom Beirat Neustadt. Danach müssen diese Standorte mit Feuerwehr, Polizei und Müllabfuhr abgeklärt werden. "Auch der Car-Sharing-Anbieter hat ein Mitspracherecht", so der Verkehrsexperte. Läuft alles glatt, könnte noch 2013 mit der konkreten Ausarbeitung der beschlossenen Standorte begonnen werden.

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