Mutter klagt über "Chaos"

Kritik am Corona-Testcenter Bremen Airport

Eine Mutter klagt über „totales Chaos“ und zu lange Wartezeiten am Covid 19-Testcenter Bremen Airport. Der Betreiber weist die Vorwürfe zurück.
05.04.2021, 21:53
Lesedauer: 4 Min
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Kritik am Corona-Testcenter Bremen Airport
Von Frank Hethey

Als Querulantin will Inga Frickenschmidt nicht gelten. „Ich bin als Juristin durchaus in der Lage, die Sachverhalte sachlich zu schildern und nicht unnötig zu dramatisieren“, sagt die 40-Jährige. Doch was sie am Montag voriger Woche am Covid-19 Testcenter Bremen Airport erlebte, bedarf in ihren Augen der Aufarbeitung.

Mit ihrem dreijährigen Sohn hatte sich Frickenschmidt auf Empfehlung des Gesundheitsamts zum Testcenter im Flughafen begeben. Und dort das „totale Chaos“ vorgefunden, wie sie sagt. Es habe ein ungeheurer Andrang geherrscht, ohne Abstand und ohne Maske hätten die Menschen dicht gedrängt nebeneinander gestanden. Eine koordinierte Warteschlange sei nicht zu erkennen gewesen, wie in einem Schneckenhaus habe sich die Schlange zusammengedreht.

Mutter beklagt lange Wartezeit im Corona-Testcenter Airport

Anderthalb Stunden mussten Mutter und Kind vor dem Testcenter im Terminal 1 ausharren. „Mein Sohn hat natürlich unheimlich viel gequengelt“, sagt Frickenschmidt. Wegen einer Infektion mit dem Coronavirus in seinem Kindergarten hatte sich der Junge zwei Wochen in Quarantäne befunden. Die Chance, die Isolierung durch einen negativen Test um eine Woche abzukürzen, nahm Frickenschmidt gern wahr. Mit einem solchen „Durcheinander“ habe sie aber nicht gerechnet. „Immer wieder musste ich Leute auffordern, doch bitte Abstand zu halten.“ Von Absperrbändern sei nichts zu sehen gewesen, ebenso wenig von Personal, das ordnend eingegriffen hätte.

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Das wäre laut Frickenschmidt aber dringend nötig gewesen: Wand sich die Schneckenhaus-Schlange der PCR-Tester doch um einen SB-Terminal in der Mitte der Schalterhalle herum und vermischte sich teilweise mit der Nachbarschlange der Schnelltester, während gleichzeitig die regulären Reisenden durch die Halle strömten. „Es war furchtbar schlecht organisiert“, sagt die Mutter. „Ganz hinten liefen die beiden Schlangen wie ein Reißverschluss zusammen.“ Darüber müsse geredet werden, um Prozesse zu verbessern und letztlich auch Menschenleben zu schützen.

Der Betreiber des Testcenters, Jan Wolters, sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Zumal das Konzept noch einmal umgestellt worden sei. „Es kann immer mal sein, dass es ein bisschen hakt, wenn auf einmal ein Schwall von 200 Leuten eintrifft“, sagt er. Grundsätzlich werde aber natürlich auf die Einhaltung der obligatorischen Abstände geachtet. Seit Eröffnung des Testcenters am 13. Januar gebe es auch einen Securitydienst, der die Schlangenbildung im Blick habe. „Höchstens beim Schichtwechsel kann es manchmal etwas später werden“, so Wolters.

Personenleitsystem und Aufsteller sollen im Corona-Testcenter helfen

Von Anfang an ist seinen Angaben zufolge auch ein Personenleitsystem mit Absperrbändern für Schnell- und PCR-Tester in Gebrauch gewesen. Gern hätte Wolters noch zusätzlich Leithinweise auf dem Boden gehabt. „Wir dürfen aber nichts auf den Fußboden aufkleben.“ Stattdessen behelfe man sich jetzt mit Aufstellern. Nach seiner Schätzung haben bislang bis zu 20.000 Personen das Testcenter Airport durchlaufen. Dutzende von ihnen hätten sich in E-Mails positiv geäußert. Oder konstruktive Kritik geübt wie gerade erst am Sonntag eine Schwangere, die um Sitzgelegenheiten für werdende Mütter gebeten habe. „Das nehmen wir gerne auf, müssen uns aber mit der Flughafenleitung abstimmen.“

Inga Frickenschmidt hat den Ort des Geschehens am Sonnabend noch einmal aufgesucht. Im Gegensatz zu Montag seien die Schlangen geordnet verlaufen, sagt sie. „Die Menschen konnten den Abstand so einigermaßen einhalten.“ Absperrbänder gebe es aber nur unmittelbar vor den Eingängen. Weiter hinten müsse man sich auf die Vernunft und die Fähigkeit der Wartenden verlassen, eine vernünftige Schlange zu bilden. „Das hat heute geklappt. Am Montag nicht.“ Diesmal habe sie auch zwei Security-Mitarbeiter gesehen. „Immerhin etwas.“

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Drei weitere Testcenter

Wolters betreibt nicht nur das Testcenter im Flughafen, sondern auch noch drei weitere, an der Berliner Freiheit in der Vahr, im Weserpark und in Vegesack. An diesem Freitag soll noch ein fünftes Testcenter im Walle-Center hinzukommen. „Damit sind wir in Bremen dann etwas breiter aufgestellt“, sagt er. Lieber hätte er die Einrichtung für den Bremer Westen im Einkaufszentrum Waterfront eröffnet. „Aber die Geschäftsführung wollte nicht.“

Im Flughafen bietet Wolters PCR- oder Schnelltests ohne Terminvereinbarung an. Dafür stehen drei Testkabinen zur Verfügung. „Ganze drei“, sagt Frickenschmidt. Auch darin sieht sie einen Grund für unliebsame Wartezeiten. Inzwischen kann sie einen Vergleich ziehen – mit der Corona-Ambulanz Bremen-Stadt der Kassenärztlichen Vereinigung in der Vahr. Ihr Urteil: „Megagute Organisation. Hier geht es nur mit Termin. Es hat 20 Minuten gedauert von der Ankunft bis zum Verlassen, inklusive Testergebnis.“

Keine Bedenken der Gesundheitsbehörde

Die Gesundheitsbehörde hat keinerlei Bedenken gegen den Betriebsablauf im Flughafen. „Vor der Beauftragung werden alle Testzentren durch das Gesundheitsamt begangen“, sagt Ressortsprecher Lukas Fuhrmann. Bei Beschwerden könne man sich jederzeit an „unsere Bürgerbeauftragte“ wenden. Inga Frickenschmidt hat in Anbetracht des Reiseverkehrs allerdings prinzipielle Bedenken gegen den Flughafen als Teststandort. „Vielleicht sollte man sich mal die Frage stellen, ob dieser Ort der richtige für ein Testcenter ist. Ich bezweifle das.“

Info

Zur Sache

Der Betreiber des Testcenters

Eigentlich kommt Jan Wolters aus einer anderen Branche - er ist der Inhaber des Bayernzelts auf dem Freimarkt. Weil das Volksfest coronabedingt aber nicht zum Zuge gekommen ist, hat er sich zumindest für die Dauer der Pandemie umorientiert. „Irgendwas muss man ja machen“, sagt er, wenigstens solange mit dem normalen Geschäft nichts anzufangen sei. So kann er sein Personal weiterhin in Lohn und Brot halten. Insgesamt beschäftigt er bis zu 60 Personen, darunter 14 im Testcenter Airport. Zwölf Neulinge habe er erst kürzlich eingestellt und jetzt schon wieder zwei Bewerbungen vorliegen. „Das muss man vielleicht auch mal berücksichtigen.“

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