Interview mit Crossfit-Sportlerin

„Ich sehe mich als Botschafterin“

Teresa Meyer brennt für Crossfit. Das ist eine Sportart, die alle Muskelgruppen aufs Extremste beansprucht. Außerdem pflegt sie einen Fitness-Kanal auf Instagram, um den Sport noch populärer zu machen.
02.08.2020, 05:00
Lesedauer: 6 Min
Zur Merkliste
„Ich sehe mich als Botschafterin“
Von Rebecca Sawicki
„Ich sehe mich als Botschafterin“

Ob Klettern am Seil oder Klimmzüge, bei Crossfit werden alle Muskeln beansprucht.

Christina Kuhaupt

Frau Meyer, Sie machen Crossfit, eine Sportart, die alle Muskelgruppen aufs Extremste beansprucht. Was fasziniert Sie daran?

Teresa Meyer: Crossfit ist sehr intensiv. Man geht im Training bis zum Äußersten, verausgabt sich. Für mich ist das der perfekte Ausgleich zum Alltag. Außerdem ist die Crossfit-Community großartig. Hier bei Nordlicht ist es egal, wer du bist, was du machst oder wie du aussiehst. Alle halten zusammen. Als ich das erste Mal zum Training kam, wurde ich direkt an die Hand genommen und unterstützt.

Bei Ihnen und Crossfit war es also Liebe auf den ersten Blick.

Ja. Ab der ersten Einheit war mir klar, dass ich für diesen Sport brenne.

Sie klettern an Seilen hoch, machen Klimmzüge und Liegestütze im Handstand. Ich kann mir vorstellen, dass das Training gerade am Anfang sehr deprimierend sein kann. Sieht man schnell Erfolge?

Wenn man sich dahinter klemmt, schon. Viele Bewegungsabläufe muss man erst einmal richtig verstehen, um sie umsetzen zu können. Aber man kann sehr schnell besser werden.

Sie sind mittlerweile recht erfolgreich, sowohl in sportlicher Hinsicht als auch auf Instagram. Wie oft in der Woche trainieren Sie?

Ich bin an fünf Tagen in der Woche hier. Meistens absolviere ich zwei Trainingseinheiten am Tag. Ich habe in den vergangenen Jahren studiert und wollte in dieser Zeit einfach sehen, was ich alles schaffen kann, wenn ich Zeit habe, richtig zu trainieren. Ab Herbst werde ich dann in Vollzeit arbeiten und dementsprechend einen Schritt zurücktreten müssen.

Das klingt sehr intensiv für ein Hobby.

Das ist es auf jeden Fall! Es ist nicht nur die Zeit, die man in der Box verbringt. Der Körper braucht viel Schlaf, um sich zu regenerieren, und auch die richtige Ernährung kostet Zeit.

Das heißt, Sie haben Ihr Leben in den vier Jahren, die Sie Ihren Sport nun ausüben, komplett danach ausgerichtet?

Das kann man schon so sagen. Noch dazu habe ich in den vergangenen eineinhalb Jahren eine Fernbeziehung geführt. Auch die war sehr zeitintensiv. Gott sei Dank ist mein Freund aber auch aus der Crossfit-Szene, sodass es wegen des Trainings und Ähnlichem keinen Stress gab.

Haben Sie sich in einer Crossfit-Box kennengelernt?

Ja und Nein. Wir sind beide auf Instagram aktiv und hatten darüber schon vorher Kontakt. Das erste Mal gesehen haben wir uns allerdings auf einem Wettkampf.

Und dann hat es direkt gefunkt?

Ja!

Vergangene Woche sind Sie gemeinsam in eine Wohnung in der Überseestadt gezogen. Wie ist es, nach eineinhalb Jahren Fernbeziehung zusammen zu wohnen?

Ich kann mir gut vorstellen, dass es am Anfang ungewohnt sein wird. Aktuell haben wir noch sehr viel zu tun. Ich bin aber sehr glücklich, dass das jetzt geklappt hat. Mein Freund ist aus Berlin und hat sich sehr schwer getan, der Stadt den Rücken zu kehren. Da er aber selbstständig ist, war es so herum einfacher, als wenn ich versucht hätte, nach Berlin zu ziehen.

Dann haben Sie sich ja schon einen großen Traum erfüllt. Was wünschen Sie sich für Ihre sportliche Zukunft?

Ich möchte mal bei einem großem Wettkampf auf dem Treppchen stehen.

Wie weit sind Sie von der Erfüllung dieses Wunsches noch entfernt?

Ich glaube, auf kleineren Wettkämpfen ist dieses Ziel schon greifbar. Auf den großen, bei denen die Athleten nicht nur aus Deutschland kommen, bin ich froh, wenn ich mich qualifizieren kann. Im vergangenen Jahr bin ich zum Beispiel bei einem großen Wettkampf angetreten. Das war definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

Lesen Sie auch

Wie läuft so eine Qualifikation ab?

Nach der Anmeldung zu einem Wettkampf werden verschiedene Workouts bekannt gegeben, die in einer gewissen Zeit, meistens circa vier Wochen, absolviert werden müssen. Die Ergebnisse werden online eingetragen. Aus den Daten wird dann von den Organisatoren ein Ranking erstellt, und die besten Zwanzig dürfen am Wettkampftag gegeneinander antreten.

Crossfit ist ein sehr vielseitiger Sport. Es werden Kraft und Ausdauer trainiert, ebenso die Beweglichkeit und Balance. Gibt es eine Übung, die Sie besonders gerne mögen?

Alles Turnerische. Da ist mir auch egal, ob Ringe oder Seil oder die Stange. Mir liegt das einfach.

Haben Sie als Kind geturnt?

Nein. Ich bin zwölf Jahre lang geritten, hatte auch ein eigenes Pferd. Dementsprechend ist es nicht neu für mich, meinen Alltag nach meinem Hobby auszurichten. Während des Abiturs habe ich aber festgestellt, dass ich der Verantwortung für ein Pferd nicht mehr gerecht werden kann. Ich habe dann angefangen, mich im Fitnessstudio auszupowern, bevor ich zu Nordlicht kam. Wenn es irgendwann mal vorbei sein sollte mit Crossfit und mir, könnte ich mir aber gut vorstellen, dass Turnen etwas für mich wäre.

Sie haben vorhin gesagt, dass auch die richtige Ernährung Zeit kostet. Leben Sie nach einem bestimmten Plan?

Ich ernähre mich sehr gesund. Ich wiege mein Essen zeitweise ab, achte auf Proteine und Kohlenhydrate. Es gibt aber natürlich auch Tage, an denen ich mir eine Pizza bestelle, ein Stück Schokolade genieße oder mir mit meinen Freunden einen Döner gönne.

Ein bisschen Sünde gehört ja auch zur ausgewogenen Ernährung dazu.

Genau. 100 Prozent diszipliniert kann und möchte ich auch gar nicht sein. Wenn ich mit meinen Mädels einen Wein trinke, will ich mich nicht schlecht fühlen.

Was darf für ein gelungenes Training nicht fehlen?

Ein Proteinshake nach dem Training ist schon wichtig, um das Eiweiß zu sichern. Seit ich außerdem eine Fitness-Uhr habe, möchte ich nicht mehr ohne sie trainieren. So kann ich am einfachsten überprüfen, wie das Training lief.

Kohlenhydrate, Proteine, Pulskontrolle und Trainingspläne: Das alles klingt fast nach einer Wissenschaft. Beschäftigen Sie sich viel mit Fachliteratur?

Nein. Dafür fehlt mir einfach die Zeit. Mir ist es wichtiger, das Training in der Praxis durchzuziehen, als mich theoretisch darauf vorzubereiten. Bisher hatte ich ja auch einen Coach, der für mich auf alles geachtet hat. Von ihm habe ich viel gelernt.

Auf der Plattform Instagram können Menschen Sie bei Ihren Trainings, Wettkämpfen und im Alltag begleiten. 13.000 Follower haben Sie bereits. Wann ging das alles los?

Ich denke, ich habe mit Instagram angefangen, als ich begann, intensiv Crossfit zu trainieren. Seit gut eineinhalb Jahren bin ich recht erfolgreich in meiner Nische und habe auch Kooperationen mit verschiedenen Firmen. Es ist wie ein Nebenjob. Mittlerweile habe ich sogar ein Kleinunternehmen angemeldet.

Was machen Sie, wenn Sie in eine Kooperation rutschen, hinter welcher Sie nicht zu hundert Prozent stehen?

Ich versuche das zu vermeiden, indem ich mir vor der Kooperation Testpakete zuschicken lasse. Sollte ich trotzdem unzufrieden sein, kann ich natürlich nicht sagen, dass das Produkt der letzte Schrott ist. Ist es vielleicht auch nicht, Geschmäcker sind ja sehr verschieden. Ich bin dann trotzdem so ehrlich zuzugeben, dass es einfach nicht meins ist.

War es am Anfang seltsam, Ihr Leben mit fremden Menschen zu teilen?

Es ging. Ich bin ganz klar auf den Sport fokussiert: Ich sehe mich als Botschafterin. Ehrlicherweise muss ich aber auch zugeben, dass ich mir die Storys nicht noch einmal ansehe, bevor ich sie veröffentliche.

Wie haben Ihre Freunde darauf reagiert?

Total entspannt. Da ich meine Leidenschaft präsentiere, ist das normal für sie. Ich glaube, es würde seltsam werden, wenn ich plötzlich Schmink-Tutorials abfilmen würde.

Und wie findet es Ihr Freund, gemeinsam mit Ihnen in der Öffentlichkeit zu stehen?

Am Anfang unserer Beziehung haben wir darüber gesprochen, wie viel Raum wir Instagram geben. Da er dort ebenfalls aktiv ist, war das nie ein Problem. Für uns ist auch klar, dass wir nicht unser ganzes Leben online stellen möchten.

Wo ziehen Sie die Grenze?

Bei meiner Familie. Wenn ich zu Hause bin, bleibt Instagram zu.

Das Gespräch führte Rebecca Sawicki

Info

Zur Person

Teresa Meyer (26) stammt aus Hamburg. Nach ihrer Ausbildung zur Schifffahrtskauffrau zog sie 2017 nach Bremen. Bereits seit 2016 trainiert sie in der Crossfit-Box „Nordlicht“ im Industriegebiet südlich der Neustadt. Seither pflegt sie außerdem den Instagram-Kanal
cf_terri, auf welchem sie die Sportart und ihr Training präsentiert.

Seit gut eineinhalb Jahren führt sie ein Kleinunternehmen, da ihr Kanal stetig wächst und sie immer mehr Kooperationsanfragen bekommt. Ab Herbst will sie arbeitsbedingt beim Training einen Schritt zurücktreten.

Info

Zur Sache

Was ist eigentlich Crossfit?

Crossfit ist eine Fitnesssportart, die Gewichtheben, Ausdauer und Turnen miteinander verbindet. Crossfit ist körperliches und mentales Training. So geht es während des Trainings darum, an seine Grenzen zu gehen und durchzuhalten. Trainiert wird in Boxen, statt in Studios. Entwickelt wurde Crossfit in den 1980er-Jahren in Amerika und kam Anfang der 2000er auch nach Deutschland.

Seit Mitte der 2010er-Jahre erlebte Crossfit hierzulande einen Boom, seit 2019 gibt es sogar eine Fitness-Bundesliga. International gibt es jährlich die Crossfit-Games, eine Art Olympiade, bei der die besten Athleten der Welt antreten. Crossfit wird außerdem von Feuerwehr, Polizei und dem Militär als Training genutzt.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+