Capstan-Chor zieht Bilanz Shantys gehen vor Anker

Der Capstan Shanty-Chor holt vorerst die Segel ein. Nach einem enttäuschenden Jahr 2020 ist noch völlig ungewiss, was das nächste Jahr unter Corona-Bedingungen bringen wird.
26.11.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Shantys gehen vor Anker
Von Sigrid Schuer

Es sind schlechte Zeiten für Chöre. Denn sogar Profis kämpfen wegen der Corona-Pandemie ums Überleben. Das Jahr 2020 sei denn auch für den Capstan Shanty-Chor Bremen eine große Enttäuschung gewesen, sagt Mitglied Jörn Oeßelmann. Von 40 seien aktuell gerade mal 15 Mitglieder übrig.

Damit hat der Chor ähnliche Probleme wie andere Vereine auch, es gilt den Mitgliederschwund zu stoppen. Nun gehen die Shantys erst einmal auf Reede und holen die Segel ein. Denn auch eines der Highlights des Chor-Jahres 2021 wird im Frühjahr ausfallen, die Schaffermahlzeit. Normalerweise begrüßen die Shantys vor dem Rathaus die eintreffende Festgesellschaft der Schaffer.

Eine Zwangspause voller Ungewissheit

2002 wurde der Capstan Shanty-Chor gegründet. Sein Ziel ist die Pflege des maritimen Liedgutes. Er wird von der Dirigentin Anna Koch geleitet. Unterstützt wird sie von Gitarristen, Akkordeon- und Mundharmonika-Spielern. Normalerweise sind die Bremer Shantys gern gesehene Gäste bei den großen Shanty-Chor-Treffen wie in Rotterdam oder auf der Sail Bremerhaven. Wann solche Treffen allerdings wieder veranstaltet werden können, steht noch in den Sternen. Auch an Auftritte auf Hafenfesten oder an der Nord- und Ostsee ist vorerst nicht zu denken.

Da auch die Weihnachtsmärkte abgesagt worden sind, wird der Chor in den letzten Wochen dieses Jahres nun keine weiteren Konzerte mehr geben können. Mit den entsprechenden, finanziellen Folgen.

Der August: ein Lichtblick von nur kurzer Dauer

Rund fünf Monate ohne Konzerttätigkeit seit dem ersten Lockdown hätten im Sommer hinter dem Chor gelegen, berichtet Oeßelmann. Sämtliche Konzerte hätten abgesagt werden müssen. Ab August konnte dann endlich wieder unter freiem Himmel geprobt werden, in kleinen Gruppen. Und da galt es schon einiges Vergessene aufzuarbeiten.

„Unser erstes Konzert nach langer Pause gaben wir in einer Seniorenwohnanlage in Kirchweyhe. Es folgten zwei weitere Auftritte im Garten von Senioren-Residenzen, die auf eine ähnlich gute Resonanz stießen. Die Seniorinnen und Senioren waren begeistert. Das hat alles sehr gut geklappt und wir haben uns gefreut, dass es wieder losging“, berichtet das Mitglied des Shanty-Chores.

Wie den Verein zusammenhalten?

Doch dann kam der Herbst und es wurde zu kalt für Freiluft-Konzerte. Wie schon in der Zeit während des ersten Lockdowns versucht die Chorleiterin nun ihre Shantys wieder via sozialer Medien bei der Stange und den Verein zusammenzuhalten. Erschwerend käme hinzu, dass sich der Probenraum nur schlecht lüften ließe. Die Shantys seien von Wehmut erfüllt, so Jörn Oeßelmann. Denn soziale Medien könnten nun mal kein Ersatz für das gemeinsame Singen sein. Da geht es ihnen wie vielen anderen derzeit.

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