Die „Bremer Comic-Mafia"

Die etwas andere Mafia

Der Name erinnert an den streng hierarchischen Geheimbund Siziliens. Doch hinter der „Bremer Comic Mafia“ steckt eben keine furchteinflößende Verbrecherorganisation. Vielmehr ist der Name ein Synonym für Spaß und gute Laune.
28.10.2016, 12:27
Lesedauer: 4 Min
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Von Lisa Schwarz

Der Name erinnert an den streng hierarchischen Geheimbund Siziliens und an Marlon Brando, der ein Angebot macht, das man nicht ablehnen kann. Doch was hinter dem Namen „Bremer Comic Mafia“ steckt, ist keineswegs so furchteinflößend wie die besagte Verbrecherorganisation, sondern vielmehr ein Synonym für Spaß und gute Laune.

Einer der drei Gründer der Comic Mafia ist Marco Heuberg. Seine Liebe für Comics entdeckte er im Alter von 15 Jahren, als er über Flohmärkte schlenderte und zunächst Hefte für die eigene Sammlung kaufte. Nach und nach ersetzte er beschädigte Hefte durch neue, womit er unbemerkt den Anstoß für das Unternehmen gab. „Erst war es eine Kiste mit doppelten Comics, dann waren es 20 und irgendwann gab es dann 50 Kisten mit doppelten Heften“, erinnert er sich. Seine beiden Kollegen teilten dasselbe Schicksal und so beschlossen die drei am Anfang der 1990er-Jahre, ihr Hobby zum Beruf zu machen.

LKW-Garagen dienten als Lager

Nach und nach brachten sie ihre Sammlungen zu Papier, damals noch mithilfe einer Schreibmaschine. Die so entstandene 32-seitige Liste schickten die drei an 200 Haushalte in Bremen und der damals klassische Versandhandel nahm seinen Lauf. Als Lager dienten anfangs LKW-Garagen in der Kornstraße. Als diese jedoch jedoch nicht mehr reichten, musste eine Immobilie gefunden werden, in der es genug Platz für die wertvollen Sammlerstücke gab. Schnell war klar, dass die Neustadt auch weiterhin als Zentrale des Unternehmens dienen sollte. „Damals haben wir alle drei in der Neustadt gewohnt und wir waren alle Freunde von kurzen Wegen. Und da Zeit ein kostbares Gut ist, entschieden wir uns schnell für die Neustadt“, berichtet Heuberg, der im Stadtteil aufgewachsen ist.

Er selbst zieht sich – wann immer er kann – aus dem Tagesgeschäft zurück, um neue Projekte anzukurbeln. So war er es, der vor knapp 20 Jahren den Internetshop online stellte. Zu dem Zeitpunkt glaubte noch keiner daran, dass das Internet zur wichtigsten Anlaufstelle des Versandhandels werden würde. „Karstadt hatte noch keinen Onlineshop, Quelle und Otto hatte damals noch keinen, genauso wenig wie Neckermann und TUI. Man muss manchmal der Zukunft einen Schritt voraus sein“, sagt Heuberg. Neben dem gut ausgebauten Onlineshop verfügt die Website auch über ein Comic-Lexikon, in dem Fans von Comics, Romanheften und Büchern viele Informationen rund um berühmte Comiczeichner oder Fachbegriffe finden können.

Die Comic-Szene ist größer als jemals zuvor

Aus der 32-seitigem Liste ist schnell ein 200 Seiten dicker Katalog geworden, der mittlerweile 4000 Haushalte in ganz Deutschland erreicht. Das Unternehmen hat sich über die Jahre das Vertrauen der Sammler erarbeitet und ist auch über die regulären Öffnungszeiten hinaus für seine Kunden da. Viele Interessenten aus der großen Comic-Szene haben eine weite Anreise und bestehen aus diesem Grund vor dem Kauf auf eine Begutachtung der wertvollen Hefte. In solchen Fällen schließen Heuberg und seine Kollegen den Laden auch gerne einmal am Wochenende auf, um den Kunden diesen Service zu bieten.

Die Comic-Szene ist größer als jemals zuvor. Abertausende der berühmten Hefte befinden sich allein in Deutschland im Umlauf. Gerade bei wertvollen Stücken ist vor allem bei der Preissetzung viel Feingefühl gefragt. Aus diesem Grund gründete sich vor einigen Jahren der von Heuberg selbst benannte „Rat der Comic-Weisen“, der die Entwicklungen in der Szene genau im Auge behält. In diesem Rat – bestehend aus Händlern und Sammlern – werden jährlich Preise für Sammlerstücke festgelegt, um zu vermeiden, dass seltene Stücke unter Wert verkauft werden oder plötzlich aufgetauchte große Mengen eines Comics zu hochpreisig angeboten werden. Gerade der Privatverkauf über das Internet gestaltet sich schwierig. Oftmals ist vielen nicht bewusst, wie wertvoll ein gut erhaltenes Heft ist.

Der Zustand des Heftes ist entscheidend

Die Bremer Comic Mafia und der „Rat der Comic-Weisen“ sorgt dafür, dass Käufer den realen Marktwert bezahlen und dabei die Gewissheit haben, dass sie auch wirklich das erhalten, wofür sie bezahlen. Wichtig ist dabei immer der Zustand der Hefte. „Was bei der Immobilie die Lage ist, ist beim Comicheft der Zustand“, sagt Heuberg. So kommt es auch einmal vor, dass sehr gut erhaltene und seltene Ausgaben bis zu 30 000 Euro auf dem deutschen Markt erzielen.

Neben den Sammlerstücken gibt es nur wenig, was das Unternehmen nicht verkauft. Von Comics, Romanheften und Zeitschriften über alte Reklameschilder und Hörspielkassetten bis hin zu originalverpackten Actionfiguren, Quartettspielen oder altem Blechspielzeug – die Bremer Comic Mafia bietet so gut wie alles mit dem Hang zum Kultigen. Wichtig ist dabei der Blick in die Zukunft. Statt sich zu vergrößern, will die Comic Mafia darauf achten, ihre Bestände überschaubar und unter Kontrolle zu halten. Es gilt, zu erkennen, was das Potenzial zum Kult hat und sich rechtzeitig von nicht allzu begehrten Dingen zu trennen.

Marco Heuberg und seine Kollegen achten beim Ankauf ihres Sortiments darauf, dass die Dinge ein gewisses Trend-Potenzial haben und sich auch in Zukunft noch gut verkaufen. Das ist das Erfolgsrezept des Unternehmens, das fest im Stadtteil verwurzelt ist. Dabei blicken die Inhaber aber auch über den Tellerrand hinaus. Auch auf großen Online-Plattformen ist das Unternehmen präsent, wobei der Fokus auch künftig auf dem eigenen Onlineshop liegen soll. So wollen die drei eine wichtige Anlaufstelle für Sammler und Comic-Verrückte aus ganz Deutschland schaffen und trotzdem ein echter Geheimtipp bleiben, wenn es um die kultigen Hefte geht.

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