Neustädter Weserdeich

Diskussion um Platanen geht weiter

Die Bürgerinitiative „Platanen am Deich“ hatte Vertreter verschiedener Parteien eingeladen, um über die Platanen am Neustädter Weserdeich in Bremen zu diskutieren.
31.03.2019, 19:38
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus
Diskussion um Platanen geht weiter

„Hochwasserschutz ist mit den Platanen machbar“, sagt Reinhard Lippelt von „Platanen am Deich“.

Christina Kuhaupt

Ein sonniger Frühlingstag lädt zu einer kleinen Radtour am Deich unter Bäumen ein, die Sonne scheint durchs grüne Blätterdach, dazu ertönt melancholische Musik: Zu Beginn des Abends gibt es erst einmal einen Film mit den 136 Platanen, die nach Ansicht der Bürgerinitiative „Platanen am Deich“ nicht nur das Fahrradfahren erst lebenswert machen.

Anschließend kommen die Vertreter verschiedener Parteien im Bürgerhaus Weserterrassen zu Wort, um ihre Sicht zur Zukunft der gefährdeten Bäume zu äußern. Ist Hochwasserschutz mit oder nur ohne Platanen am Neustädter Weserdeich möglich?

„Hochwasserschutz ist mit den Platanen machbar“, sagt Reinhard Lippelt von „Platanen am Deich“, der die Veranstaltung in dem weniger gut besuchten Bürgerhaus moderiert. Und fragt: „Sind Sie nach der Wahl dafür, dass die Bäume gefällt werden oder dass sie er­halten bleiben und gehegt und gepflegt werden?“

"Vielleicht kann man gemeinsam weiterkommen"

Arno Gottschalk von der SPD sagt dazu: „Für uns ist die Sicherheit des Deiches und der Schutz der dahinterliegenden Stadtteile von Bedeutung.“ Wenn es zu einem Abwägen zwischen Bäumen und Menschen käme, hieße es für die SPD ganz klar: Menschen. Wobei er die Überlebenschancen für die Platanen auch bei der Anbringung einer Spundwand eher so einschätzen würde, dass die Bäume dies nicht lange überlebten. Und: „Das ist eine Maßnahme für die nächsten 100 Jahre. Denen, die nach uns kommen, sollten wir kein Bild hinterlassen, dass immer wieder Bäume gefällt werden müssten.“

Jan Saffe (Grüne) meint: „Das tut zwar sehr weh, diese Bäume eventuell wegholzen zu müssen, aber ich habe einen großen Respekt vor dem Hochwasserschutz.“ Der Senator würde sich aber freuen, die Bürgerinitiative mal außerhalb öffentlicher Veranstaltungen zu treffen, sagt er und erinnert an den erfolgreichen Runden Tisch zum Thema Straßenbelag: „Vielleicht kann man gemeinsam weiterkommen.“

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Bevor solch ein Gespräch in Erwägung gezogen werden kann, müsse erst einmal noch eine jüngst erhaltene Machbarkeitsstudie ausgewertet werden, sagt Reinhard Lippelt daraufhin. Christoph Spehr (Linke) sieht derzeit keine Grundlage, dass die Bäume gefällt werden müssten. „Beim Runden Tisch ging das auch anders. Das ginge bei den Platanen auch, wurde jedoch noch nicht erörtert und das stört mich.“

Gunnar Christiansen von der Piratenpartei sagt: „Wir wissen inzwischen, dass mit Halbwahrheiten und Täuschungen gearbeitet wird.“ Die Bürgerinitiative habe nun neue Gutachten erhalten. Es gebe die Möglichkeit, die Spundwand hinter den Bäumen zu errichten. „Man soll sagen: Will man das mit den Bäumen oder nicht?“ Zudem gehe es auch um Gentrifizierung und darum, dass einige Leute Geschäfte machen und es sei sehr zweifelhaft von den Grünen und der SPD, dass sie diese Entwicklung vorantreiben. Seine Meinung: „Sicherer Hochwasserschutz mit Bäumen ist möglich.“

Oftmals zitierte Machbarkeitsstudie

Olaf Dinné von den Freien Wählern meint: „Deichschutz geht vor Baumschutz ist 19. Jahrhundert.“ Die Deiche könnten gar nicht mehr so hoch gebaut werden, weil dann auch die Füße breiter werden müssten. Daher präferiert er die Lösung mit den Spundwänden: „Eine Spundwand hinter den Bäumen ist möglich.“

Magnus Buhlert (FDP) sagt, Bäume fällen mache keinen Spaß und müsste begründet werden. „Man müsste sich gegebenenfalls über die Gestaltung der Spundwände Gedanken machen. Wenn man aber die Wurzeln trifft, muss man sich fragen, ob die Bäume das überleben würden. Wir müssen die Frage stellen, wie viele Platanen wir am Wurzelwerk gefährden und man sollte sich das genau Meter für Meter ansehen.“ Er sage zwar weder ja noch nein. „Doch mein Gefühl sagt mir, dass man mehr Bäume durch die Spundwand kaputtmacht als stehen lässt.“

Die von der Initiative oftmals zitierte Machbarkeitsstudie aus dem Jahre 2010 sei nach Kenntnis von Arno Gottschalk eine Vorstudie eines Experten, der mittlerweile diese Positionen nicht mehr vertrete. Gottschalks Frage: „Gibt es diesen Menschen, hat irgendwer mit ihm geredet?“

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Für Wolfgang Meyer von den Linken ist „Bäume auf dem Deich, das geht nicht“ Panikmache: „Dann müssten sie hier auf dem ­Osterdeich alle Bäume fällen. Die Grünen sollen vielmehr den Senator auffordern, ein hydrometrisches Gutachten zu erstellen.“

Jan Saffe sagt, ob die Platanen dort noch in 100 Jahren stehen würden, wisse man nicht. „Und wir wissen nicht, wie es in der Zukunft ist und wie sich das Wasser verhält. Man muss das abwägen.“ Doch niemand wolle diese Bäume abholzen, wenn eine andere Möglichkeit besteht.

Für Christoph Spehr steht abschließend fest: „Es muss ein neuer Prozess stattfinden, um zu einem Ergebnis zu kommen. Den Prozess stoppen und neu aufrollen – und ich sehe keine Grundlage, dass die Bäume wegkommen.“

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