Stockkampf-Projekt für Kinder an der Grundschule Karl-Lerbs-Straße sucht nach Sponsoren

Ein Schlag gegen Gewalt

Auge um Auge, Stock um Stock: In der Grundschule Karl-Lerbs-Straße sollen Kinder ab September die Kunst des Stockkampfes lernen. Der Übungsleiter Steffen Naumann verspricht: "Die Kinder werden vor allem Aggressionen abbauen." Fehlen nur noch Sponsoren, die das Projekt unterstützen.
04.07.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Ein Schlag gegen Gewalt
Von Alexander Tietz
Ein Schlag gegen Gewalt

Jesse und Justin, Justine und Felice Hinten stehend: Lehrerin Helke Lütjen, Steffen Naumann (Trainer) und SL Manfred Fuhrmann

Walter Gerbracht

Auge um Auge, Stock um Stock: In der Grundschule Karl-Lerbs-Straße sollen Kinder ab September die Kunst des Stockkampfes lernen. Der Übungsleiter Steffen Naumann verspricht: "Die Kinder werden vor allem Aggressionen abbauen." Fehlen nur noch Sponsoren, die das Projekt unterstützen.

Neustadt. Wenn es nach Steffen Naumann geht, werden die Kinder der Grundschule Karl-Lerbs-Straße bald mit Stöckern aufeinander losgehen. Der Diplompsychologe ist Lehrer für Stockkampfkunst, eine philippinische Kampfsportart, bei der zwei Kontrahenten mit Stöckern aus Rattan gegeneinander kämpfen. "Das Material ist robust und härter als Bambus", sagt Naumann.

Der 50-Jährige ist selbstständig und trainiert seit 20 Jahren Manager, Lehrer, Künstler und Jugendliche aller Schulformen. Ab September will Naumann mit der Theaterpädagogin Diana Hanopulos an die Grundschule Karl-Lerbs-Straße kommen und einen Nachmittags-Kurs anbieten.

Unter dem Motto "Kinder stark machen" wollen sich Naumann und Hanopulos einmal in der Woche mit Schülern der dritten und vierten Klasse treffen und ihnen Stockkampf beibringen. Das Projekt ist eine Kooperation der Grundschule Karl-Lerbs-Straße und dem Jugendfreizeitheim Neustadt. Es soll ein Jahr dauern. Vier Gruppen mit 120 Kindern sind geplant.

Form der Kommunikation

Auch wenn die Legende erzählt, dass spanische Besatzer im Jahr 1521 von philippinischen Stockkämpfern blutig in die Flucht geschlagen wurden: Stockkampf ist weniger eine Form des Kampfes, als mehr eine Form der Kommunikation. "Es geht nicht darum, den anderen zu verletzen. Es geht darum, mit dem Gegenüber Kontakt aufzunehmen", sagt Steffen Naumann. Deshalb müssen Eltern auch nicht fürchten, dass ihre Kinder zu Schaden kommen. Naumann erklärt: "Im Fußball gibt es mehr Unfälle."

Stockkampf ist deshalb so harmlos, weil der Sinn nicht darin besteht, sein Gegenüber außer Gefecht zu setzen. "Wir hauen nur auf die Stöcker, nicht auf den Kopf oder auf andere Körperteile." Die Kunst habe eher etwas mit Tanz zu tun. "Wir entwickeln eine Choreografie. Wir zeigen, wie geschlagen wird. Und die Kinder machen das nach."

Dem zehnjährigen Jesse hat Naumann bereits etwas beigebracht. Der 50-Jährige kam vor wenigen Tagen in die Karl-Lerbs-Straße und stellte das Projekt der Klasse 4b vor. Jesse hält zwei Stöcker in der Hand. Sein Gegenüber auch. Dann gibt Naumann das Kommando: "Los." Jesse schlägt mit dem linken Stock auf den rechten Stock des Partners. Es knallt. Dann wechseln sie. Der rechte Stock kracht auf Jesses linken Stock. Dann wird wieder gewechselt. Es geht im Gleichtakt weiter. Jesse sagt, dass es ihm Spaß mache. "Ich bin sowieso einer, der sich schnell aufbringen lässt."

Jesse ist sehr reflektiert. Und vermutlich einer derjenigen, die Naumann mit dem Stockkampf-Training auffangen will. "Bei uns können die Kinder ihre Aggression freilassen. Auch wenn man betonen muss, dass alles nach Regeln abläuft." Naumann will nicht leugnen, dass der Reiz des Stockkampfes im Schlagen und Hauen liegt. "Es ist ein archaisches Bedürfnis, dass vor allem Kinder spüren." Andererseits lernen sie beim Training etwas, das wichtig für ihre Persönlichkeitsentwicklung ist: "Sie lernen Grenzen kennen – ihre eigenen und die des anderen. Sie fragen sich: Wie doll kann ich zuhauen, ohne dass der andere Angst kriegt?"

Naumanns Hoffnung ist, dass die Energie der Kinder sich nicht mehr unkontrolliert auf dem Schulhof entlädt. Es ist ein Ansatz zur Gewaltprävention, der auch Schulleiter Manfred Fuhrmann gefällt: "Dadurch wird das soziale Lernen gefördert. Die Kinder nehmen sich selbst wahr." Ohnehin setze die Schule auf viel Bewegung. Sie ist eine der ersten Ganztagsschulen in der Neustadt und bietet den Kindern ein breites Angebot: Von kreativem Kindertanz über Theater bis zur Artistik. "Das Projekt würde sehr gut zu uns passen", sagt Fuhrmann.

Noch ist nicht sicher, ob Jesse und die anderen Schüler der dritten und vierten Klassen eine Stockkampfschulung bekommen. Vor zehn Jahren war Steffen Naumann an dem gleichen Punkt. Er bot das Training in der selben Schule an, nur endete das Projekt vorzeitig, weil die finanziellen Mittel fehlten. In diesem Jahr hofft der 50-Jährige auf Unterstützung von Unternehmen aus der Neustadt.

Wer Interesse hat, die Initiative "Stockkampfkunst – Kinder stark machen" zu fördern, meldet sich bei Steffen Naumann unter 3478946 oder steffennau@aol.com.

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