Freiwillige haben die Neustädter Stolpersteine zum Glänzen gebracht Eine Rose für die Opfer

Immer am 9. November – der Reichspogromnacht – schnappen sich Freiwillige Putzlappen und bringen die Stolpersteine in ihrem Stadtteil wieder zum Glänzen. In der Neustadt war eine kleine Gruppe unterwegs, um mit dieser Aktion an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.
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Von Sascha Rühl

Immer am 9. November – der Reichspogromnacht – schnappen sich Freiwillige Putzlappen und bringen die Stolpersteine in ihrem Stadtteil wieder zum Glänzen. In der Neustadt war eine kleine Gruppe unterwegs, um mit dieser Aktion an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.

Neustadt. Nur selten hat eine Straßenreinigung Symbolkraft. Mit dem Putzen der Stolpersteine in der Neustadt wurde allerdings ein Zeichen gegen das Vergessen gesetzt.

Zum 74. Jahrestag der Reichspogromnacht traf sich eine kleine Gruppe in den Straßen, wo die Gedenksteine an die Opfer der Nazi-Zeit erinnern sollen. "Die Tafeln sind aus Messing und werden leider mit der Zeit schwarz. Nun haben wir sie geputzt und poliert und mit Teelichtern und Rosen geschmückt, so waren sie zumindest für einen Tag deutlich sichtbar", erklärte Pastorin Frauke Lieberum von der Zion-Gemeinde. Mit der rund zweieinhalb Stunden andauernden Aktion sollte an die Opfer des 9. November aus dem Stadtteil gedacht werden. Die Aktion startete in der Thedinghauser Straße, dort lebte einst der Jude Heinrich Rosenblum. Am 10. November 1938 wurde er in seiner Wohnung von SA-Leuten erschossen. Daran erinnert heute der Stolperstein.

Leider hätten nur sieben bis zehn Leute zwischen 20 und 80 Jahren am gemeinschaftlichen Säubern und Gedenken teilgenommen, so konnte nur die Hälfte der 64 Stolpersteine geschafft werden. Außerdem liegen die Steine zum Teil sehr weit auseinander, sodass große Strecken zu Fuß zurückgelegt werden mussten. "Ich hätte mir mehr erhofft, aber interessant ist für mich, wie gemischt die Teilnehmer waren, das zeigt wie groß die Spannbreite der Menschen ist, die das Thema bewegt", fand die Pastorin.

Man habe das erste Mal an der Aktion teilgenommen, sagte Lieberum, nun wolle man jährlich mitmachen und ein Stück weit Verantwortung übernehmen: "Diese Tafeln sind eine lebendige Erinnerung, die uns bewusst macht, dass es Leute aus unserer Mitte, unserer Nachbarschaft waren, die umgekommen sind. Daraus müssen wir auch Konsequenzen ziehen für unser heutiges Handeln und Tun, zum Beispiel, wenn wir an unsere Flüchtlingspolitik denken."

Mehr Infos auf www.stolpersteine-bremen.de.

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