Bremer Sternwarte

Einfach mal nach oben schauen

Der Nachthimmel fasziniert Michaela Glimbotzki schon seit Kindheitstagen. Regelmäßig lädt sie mit anderen Freunden der Bremer Sternwarte zu Perseiden-Party ein. Die ist nun im August.
05.08.2019, 10:56
Lesedauer: 2 Min
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Einfach mal nach oben schauen
Von Stefan Lakeband
Einfach mal nach oben schauen

Feiern unterm Himmelszelt: Michaela Glimbotzki und ­Mitglieder der ­Olbers-Gesellschaft kommen am Sonnabend zur Perseiden-Party zusammen – ausgerüstet mit Schlafsack und Isomatte.

Frank Thomas Koch

Die nächste Party von Michaela Glimbotzki hat besondere Gäste. Wie viele kommen, weiß sie noch nicht. Vielleicht zehn, vielleicht 20, rein theoretisch sogar Hunderte – oder gar keiner. Glimbotzki kennt das: Es ist jedes Jahr das Gleiche.

Denn die Perseiden, Sternschnuppen, die nur in Augustnächten zu sehen sind, zeigen sich nicht immer. Besonders dann nicht, wenn sie von dicken Wolken verdeckt werden. Für die Mitglieder der Olbers-Gesellschaft ist die Perseiden-Party Mitte August dennoch ein fester Termin im Kalender – so auch an diesem Sonnabend.

„Wir sind alle Hobbyastronomen“, sagt Glimbotzki. Zusammen mit anderen Freunden der Bremer Sternwarte organisiert sie das kleine Sommerfest. Nicht in der Sternwarte selbst, sondern etwas weiter draußen, in Borgfeld. Hier ist es ruhig und dunkel – ein guter Ort, um einfach mal in den Nachthimmel zu schauen. Denn darum geht es bei der Perseiden-Party. „Jeder bring etwas zu essen mit, irgendwann werden Isomatten und Schlafsäcke ausgepackt“, sagt die 56-Jährige. Und dann schauen alle nach oben – manchmal sogar die ganze Nacht lang.

Schon als Sechsjährige hat Glimbotzki der Blick in den Nachthimmel fasziniert. Sie schaut sich die Milchstraße an, versucht Sternenbilder zu entdecken, leiht sich in der Schulbibliothek Bücher über Astronomie aus. „Ich habe mich einfach gefragt: Was ist da oben?“, sagt sie. Irgendwann rückten die Sterne dann doch in den Hintergrund; Glimbotzki macht eine Ausbildung, wird Mutter, hat weniger Zeit, den Himmel zu betrachten. Heute arbeitet sie als Groß- und Außenhandelskauffrau.

Weil sie die Sterne aber nie ganz losgelassen haben, kommt Glimbotzki vor 31 Jahren zur Olbers-Gesellschaft, die die Sternwarte in der Hochschule Bremen betreibt. Sie hört sich regelmäßig die Vorträge an, liest viel und schaut noch immer in den Sternenhimmel. Mittlerweile ist sie stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft – und hilft, die jährliche Perseiden-Party zu organisieren.

Dass dabei nicht immer alles läuft wie geplant, kennt Glimbotzki mittlerweile und nimmt es mit Humor. Vor Jahren, erzählt sie, hätten sich die Sternenfreunde auf einer Wiese getroffen. „Wir waren gerade mit dem Essen fertig, da hat es angefangen zu schütten.“ Alle hätten sich dann unter die Regenschirme gekauert. „Was für ein bekloppter Anblick das gewesen sein muss.“ Immerhin: Später klarte es dann doch noch auf, die Perseiden waren zu sehen.

Für Glimbotzki und viele andere Mitglieder der Olbers-Gesellschaft ist die Astronomie ein Hobby. Was sie über die Sterne weiß, das hat sie sich selbst beigebracht. Auch das Fernsehen hat ihr dabei geholfen. Glimbotzki erinnert sich noch an die Sendungen von Heinz Haber, dem Fernsehprofessor für Weltraumthemen, oder an Erich Übelacker, der in der ARD regelmäßig den aktuellen Sternenhimmel erklärt hat. Alles versteht die 56-Jährige trotzdem nicht, „wahnsinnig theoretische Astrophysik“ sei nicht ihr Thema. „Wenn man aber durch das Teleskop den Saturn mit seinen Ringen oder die Krater auf dem Mond sieht, ist das schon sehr eindrucksvoll“, sagt Glimbotzki. Sie wisse, es klinge pathetisch, aber: „Ich fühle mich mit dem Universum verbunden.“

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