Schüler drängen an Wilhelm-Kaisen-Oberschule

Eltern befürchten Raumnot

Nach den Sommerferien soll die Wilhelm-Kaisen-Oberschule deutlich mehr Fünftklässler aufnehmen. Doch bisher stehen dafür nicht genug Klassenräume zur Verfügung. Nun schlagen Eltern und Stadtteilpolitiker Alarm.
03.04.2019, 17:50
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Karin Mörtel
Eltern befürchten Raumnot

Das ehemalige Brennpunkt-Image hat die Wilhelm-Kaisen-Oberschule längst abgeschüttelt. Doch nun fürchten Eltern um die Unterrichtsqualität, sollten zum kommenden Schuljahr keine zusätzlichen Klassenzimmer bereitstehen.

Koch

SPätestens seit Herbst ist klar, dass die bereits voll belegte Wilhelm-Kaisen-Oberschule nach den Sommerferien deutlich mehr Fünftklässler als bisher aufnehmen wird. Doch die benötigten Mobilbauten für zusätzliche Schulräume werden bis dahin voraussichtlich nicht aufgestellt sein. Darüber ärgern sich nicht nur die Elternvertreter der Schule, sondern auch die Bildungspolitiker im Neustädter Beirat. Nun haben die Stadtteilpolitiker einen umfassenden Forderungskatalog an die Bildungsbehörde geschickt und setzten Senatorin Claudia Bogedan (SPD) für die Lösung des Problems ein Ultimatum bis Mitte April.

Sechs fünfte Klassen ab Sommer

Im kommenden Schuljahr wird Schulleiter Oliver Seipke erstmals sechs fünfte Klassen zu ihrem ersten Schultag an der Valckenburghstraße begrüßen. So ist es im Oktober von der Bildungsdeputation der Bürgerschaft beschlossen worden. Nachdem aber nur vier zehnte Klassen die Schule zuvor verlassen haben, sind das zwei Räume mehr, die er für die Kleinsten in seiner Schule finden muss. Zusätzlich hat sich die Schulgemeinschaft bereit erklärt, künftig auch Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf aufzunehmen. Aber auch der inklusive Unterricht braucht Platz. „Ich freue mich, dass sich immer mehr Eltern und Schüler für unsere Schule entscheiden“, sagt Seipke zu dem Aufwärtstrend seiner Schülerzahlen. Wo er die Kinder unterbringen wird, ist allerdings noch unklar.

Spanischunterricht in der Mensa und Musik wird auf dem Schulflur gelehrt – diese Beobachtungen machen Schulelternsprecher Oliver Steffens ärgerlich: „Die Schule musste schon zu viele Fachräume auflösen, um Platz für neue Klassen zu schaffen, da sind wir jetzt wirklich am Limit.“ Eigentlich ist die Schule für maximal vier Klassen pro Jahrgang ausgelegt. Seit zwei Jahren werden aber bereits fünf neue Klassenverbände aufgenommen. Aus Sicht des engagierten Vaters hat die Bildungsbehörde das Problem zu lange vor sich hergeschoben. „Es war bekannt, dass die Schule dringend mehr Platz braucht, aber passiert ist in der Zwischenzeit nichts“, so Steffens. Die Eltern seien bereit, zur Not auch mit Aktionen dafür kämpfen, dass der seit Jahren spürbare Aufschwung an der Schule nicht durch die Raumnot in Gefahr gerät.

Beirat setzt Ultimatum

Auch der Bildungsausschusssprecher des Neustädter Beirates ist mit seiner Geduld am Ende. „Wir haben seit über einem Jahr einen Zeit- und Maßnahmenplan für die Lösung der bekannten Platzprobleme gefordert, doch den gibt es bis heute immer noch nicht“, kritisiert Rainer Müller (SPD). Daher habe der Sozialausschuss kürzlich mehrere Forderungen an die Bildungsbehörde gerichtet: Zum einen solle der Neubau zur bereits beschlossenen Erweiterung der Wilhelm-Kaisen-Oberschule „unverzüglich“ begonnen werden, heißt es in dem einstimmig verabschiedeten Beschluss. Zum anderen müsse für die Übergangszeit bis zur Fertigstellung des Neubaus „rechtzeitig“, also bis zum diesjährigen Sommer, geeignete Mobilbauten aufgestellt werden. Die Beiratsmitglieder gehen von einem Zeitraum von mindestens vier bis fünf Jahren aus, bis der Anbau und die größere Mensa stehen.

Schon für das nächste Schuljahr 2019/20 seien drei zusätzliche Räume erforderlich, die zwei weitere Klassen und den neu geplanten „W+E-Standort“ aufnehmen müssen. Bei Letzterem handelt es sich um ein Angebot für Kinder, die aufgrund ihrer Wahrnehmung und Entwicklung Lernschwierigkeiten haben. „Besonders die Eltern, die ihre Kinder aus dem W+E-Bereich an unserer Oberschule in guten Händen wissen wollen, reagieren sehr besorgt auf die Raumsituation“, berichtet Elternsprecher Steffens.

Um sicherzustellen, dass rechtzeitig vor den Sommerferien Lösungen gefunden werden, erwartet das Stadtteilparlament von der senatorischen Behörde eine Entscheidung bis zum 15. April. Ob aufgrund dieses Ultimatums oder nicht: In der Bildungsbehörde ist man sich offenbar bewusst, dass es nun schnell gehen muss. „Ende der Woche finden Gespräche darüber statt, wie eine kurzfristige Lösung aussehen kann“, gibt Sprecherin Annette Kemp Auskunft.

Idee einer „Wanderklasse“

Zur Zeit würden unterschiedliche Wege diskutiert. Unter anderem eine so genannte „Wanderklasse“, die ohne festes Klassenzimmer immer dort Unterricht hat, wo gerade ein Raum frei ist. „Das würden dann aber Neuntklässler und keine Fünftklässler sein“, betont Kemp. Außerdem werde geprüft, wie viele Räume die benachbarte Berufsschule an die Oberschule vorübergehend abtreten könne. „Das wollen wir aber nicht ohne Beteiligung der beiden Schulleitungen entscheiden“, so die Behördenvertreterin. Und zuletzt sei auch eine Option, in einem beschleunigten Verfahren doch noch Mobilbauten aufstellen zu lassen. Ob das klappen kann, hängt von Immobilien Bremen (IB) und der Bauordnung ab, die am Freitag darüber sprechen, heißt es von IB-Sprecher Peter Schulz.

Dass die Mobilbauten nach aktuellem Stand erst ein halbes Jahr zu spät an der Schule aufgebaut werden können, begründet Kemp mit der Planungsdauer von einem Jahr, die IB dafür benötige. „Beauftragt haben wir das im November.“ Von IB ist anderes zu hören. Erst Mitte Dezember sei der Auftrag dort eingegangen „und bis heute wird der Bedarf immer wieder seitens des Bildungsressorts angepasst, da ist es für uns schwierig, etwas in die Wege zu leiten“, so Schulz.

Trotz der angespannten Raumsituation halten die Fachleute im Bildungsressort es für vertretbar, bereits zum kommenden Schuljahr Kinder mit Förderbedarf an der Oberschule aufzunehmen. In einer schriftlichen Antwort auf diese Frage heißt es jedoch: „Wir müssen bei den Planungen aber besser und schneller werden.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+