Ferienprogrammkinder besuchen Zentrale der Seenotretter Erlebnistour auf einem Schiff

Neustadt. Was rund 40 Besucher im "kleinsten Kino Bremens" an der Werderstraße 2 erlebten, war eine kleine Premiere. Nicht "Harry Potter" oder ein Hollywoodstreifen standen auf dem Spielplan, sondern "Die Seenotretter": Ein neuer 17-minütiger Informationsfilm, der über die Arbeit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) berichtet. Darin stellt Botschafterin und Fernsehmoderatorin Bettina Tietjen vier ehrenamtliche Retter vor, die auf hoher See Menschen in gefährlichen Situationen vor dem Tod bewahren.
25.07.2011, 05:00
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Von VOLKER ALTHOFF

Neustadt. Was rund 40 Besucher im "kleinsten Kino Bremens" an der Werderstraße 2 erlebten, war eine kleine Premiere. Nicht "Harry Potter" oder ein Hollywoodstreifen standen auf dem Spielplan, sondern "Die Seenotretter": Ein neuer 17-minütiger Informationsfilm, der über die Arbeit der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) berichtet. Darin stellt Botschafterin und Fernsehmoderatorin Bettina Tietjen vier ehrenamtliche Retter vor, die auf hoher See Menschen in gefährlichen Situationen vor dem Tod bewahren.

Wie die Einsatzkräfte am Standort Bremen dazu beitragen, konnten Kinder und ihre Eltern in der Zentrale erfahren. Christian Stipeldey, Pressesprecher der DGzRS und Wilhelm Essmann, ehrenamtlicher Mitarbeiter, hatten zu einem "Blick hinter die Kulissen" eingeladen. Organisiert hatte die Besichtigung der Kreissportbund Bremen-Stadt (KSB), der bereits zum 36. Mal ein Ferienprogramm für die Mädchen und Jungen zusammengestellt hat. "Wir wollen den Daheimgebliebenen, die in der Urlaubszeit nicht oder nur kurze Zeit verreisen können, eine erlebnisreiche Zeit anbieten", erklärt Sabine Lohbeck, Jugendwartin vom KSB.

Die Erlebnistour durch die Seenotretterstation begann für die Teilnehmer in der Eingangshalle. Dort präsentierte Christian Stipeldey der Gruppe zunächst einen Raketenapparat und erklärte anhand des Modells, wie Rettungskräfte vor rund 150 Jahren damit arbeiteten. Das Prinzip: "Von Land aus versuchte man über eine 400 bis 500 Meter dünne Leine eine Verbindung zum Schiffbrüchigen herzustellen und ihn damit zu retten. Dieses Seil wurde von einer Rakete abgefeuert, die auf einem Bock steht." Anfangs waren die Helfer auf offener See mit Ruderbooten unterwegs. Heute fahren die insgesamt 1000 Rettungsmänner und -frauen zu den Einsatzorten mit modernen Seenotkreuzern, die mit einer auffälligen orange-weißen Tagesleuchtfarbe versehen sind. "So weiß jeder Laie, dass es ein besonderes Schiff ist", bemerkte Stipdeldey. Dazu gehört unter anderem die 46 Meter lange "Hermann Marwede", die auf der Station Helgoland im Einsatz ist und als Modell in einer Glasvitrine im Gebäude in der Neustadt steht.

Auf dem Gelände ist auch das "kleinste Kino Bremens", so Stipeldey. "Ein kleiner Raum, der sehr maritim eingerichtet ist." Dort stellte er der Gruppe den neuen Informationsfilm "Die Seenotretter" vor.

"Der Film war ein bisschen gruselig"

"Der war gut, aber ein bisschen gruselig", meinte Tim-Ole (6) aus Arsten, der sich den Film mit seiner Mutter Marina Müller-Alberring anschaute. Besonders die Szene, wo ein Seemann in eine sieben Meter tiefe Ladeluke gestürzt ist und sich dabei verletzt hat, habe ihn ein bisschen schockiert, sagte er. Entspannter dagegen fühlte er sich bei der Besichtigung des Museumsseenotkreuzers "H. J. Kratschke", der auf dem Gelände der DGzRS-Station steht. "Am besten fand ich das Sofa, das unten in der Kajüte steht. Dort war es richtig gemütlich, da wäre ich am liebsten geblieben", so Tim-Ole ganz vergnügt. Bei Marie Mahnken (6) aus Arsten hinterließ die Kombüse einen bleibenden Eindruck, "weil die so klein ist".

Jan Peters (10) aus Schwachhausen entdeckte im unteren Teil noch eine Kajüte mit drei kleinen, engen Betten für die Besatzung und auch noch den Maschinenraum. Besonders interessierte er sich jedoch für die vielen technischen Geräte wie GPS-Navi oder Radargerät, die sich im unteren Fahrstand befinden. Insgesamt war er beeindruckt von dem Schiff: "Es ist ziemlich alt, so etwas habe ich noch nie gesehen." Auch sein Vater Jens staunte: "Ich bin überrascht, dass es so eng ist auf dem Schiff." In der Werfthalle konnten die Gäste noch das Tochterboot "TB35" bestaunen, das für den neuen Seenotkreuzer "SK32" bestimmt ist und das 15 Techniker, Funkelektroniker und Maschinenbauer zurzeit fit machen. "Es ist ein sehr robustes Schiff, das den Kenterversuch bereits erfolgreich überstanden hat. Und für die Werftarbeiter ist es eine Premiere, an dieser Neuentwicklung zu bauen", erklärte Stipeldey. Eine Besonderheit, auf die er hinwies: Der Jet-Antrieb. "Dieses Boot hat keinen Propeller."

Ein älteres Reserveboot, an dem die Arbeiter derzeit herumschrauben, ist die "Franz Stapelfeldt". Sie hat schon mehrere Einsätze auf der Ostsee hinter sich und wird gerade gewartet. Für Katrin Mahnken, Mutter von Marie, war es ein sehr informativer Einblick in die Arbeit der DGzRS, die sich hauptsächlich durch Spendengelder finanziert.

Wer mehr über die Arbeit der Seenotretter erfahren möchte, kann sich beim "Tag der Seenotretter" am 31. Juli 2011 von 10 bis 16 Uhr informieren. Am Standort in der Werderstraße 2 gibt es ein vielseitiges Programm mit Vorträgen, Kinderanimationen, maritime Kunst sowie Getränken und Essen. Zwischen 11.30 und 13.30 Uhr spielt außerdem die Beat- und Rockband "Fast Lane" und bietet einen musikalischen Streifzug durch 50 Jahren Rockgeschichte an. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.seenotretter.de.

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