Ernst Dünnbier feiert morgen 90. Geburtstag

Neustadt. Überall hat Ernst Dünnbier sein Schreibzeug deponiert - im Wohnzimmer liegen Zettel und Kugelschreiber parat, in der Küche sowieso und auch im Bad kann er schnell zu Stift und Papier greifen, wenn ihm eine flotte Zeile in den Sinn kommt. Vor allem morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Einschlafen hat er die besten Ideen, sagt der Neustädter. (Nicht nur) durch seine Gedichte ist er bekannt wie ein bunter Hund. Morgen feiert er seinen 90. Geburtstag.
07.03.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Klay

Neustadt. Überall hat Ernst Dünnbier sein Schreibzeug deponiert - im Wohnzimmer liegen Zettel und Kugelschreiber parat, in der Küche sowieso und auch im Bad kann er schnell zu Stift und Papier greifen, wenn ihm eine flotte Zeile in den Sinn kommt. Vor allem morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Einschlafen hat er die besten Ideen, sagt der Neustädter. (Nicht nur) durch seine Gedichte ist er bekannt wie ein bunter Hund. Morgen feiert er seinen 90. Geburtstag.

Über die Pappelstraße bummeln, ohne dabei angesprochen zu werden, das gibt es für Ernst Dünnbier und seine Frau Hannelore schon seit langem nicht mehr. "Ein Spießrutenlauf", schmunzelt er. Dabei kommt er eigentlich gar nicht aus der Neustadt, er ist quasi ein Zugezogener. Für Dünnbier, der an den Wallanlagen aufgewachsen ist, war die andere Weserseite zunächst fremdes Gebiet. Heute fühlt er sich in der Neustadt pudelwohl und findet immer wieder neue Ideen für Gedichte und Geschichten.

Was er über die Jahre hinweg schon alles geschrieben hat? Um gar nicht groß ins Grübeln zu kommen, schiebt Dünnbier ein mit Schreibmaschine vollgetipptes Blatt Papier über den Tisch: "Bremen Best", "Bremische und maritime Gabelbissen", "Auf gut Bremisch", "Bremer Schnack" und "Von Bremer Jantjes, Fastmokers und Poppedeideis" lauten die Titel einiger seiner Bücher. Bremen spielt dabei immer eine große Rolle, denn wenn es um seine Heimatstadt geht, kann der 89-Jährige aus dem Vollen schöpfen. Nach seiner Lehre als Feinkosthändler und den Kriegsjahren arbeitete er als Koch, Buchhalter, Lagermeister und Büroangestellter, insgesamt 34 Jahre lang als Reedereikaufmann, etwa bei der Atlas Levante Linie und der Neptun Stauerei. Dort fand er nicht nur Inspiration für seine Geschichten, sondern war auch beruflich mit dem Schreiben verbandelt: Über zwei Jahrzehnte betreute er die Hauszeitschrift der Sloman Neptun Schiffahrts AG.

Mit Plattdeutsch im Radio

Mit seinen plattdeutschen Geschichten war Dünnbier regelmäßiger Gast beim "Niederdeutschen Hauskalender" von Radio Bremen. Zudem moderierte er die Sendung "Musik und Sport" im Offenen Kanal, schrieb als freier Mitarbeiter für das "Neustädter Echo" und gestaltete die Hefte des "Neustädter Bürgervereins" und des BTS Neustadt. In der Weihnachtszeit stimmt Dünnbier Jahr für Jahr mit seiner Poesie auf das Fest ein. Drei bis fünf neue Gedichte entstehen für Adventsnachmittage und Weihnachtsfeiern. "Mittlerweile erwartet man das von mir."

62 Jahre ist Dünnbier nun schon mit seiner Frau Hannelore verheiratet. "Nun wollen wir bald auf die eiserne Hochzeit los", lautet das erklärte Ziel. Doch bevor er mehr über das Eheleben erzählt, bittet er lieber seine Frau ins Wohnzimmer. "Wenn ihr 'ne Frauenquote braucht - dann komm ich eben dazu", feixt sie, als sie im Türrahmen steht. Auch sie ist wie ihr Mann eine echte Frohnatur. Und sie erzählt, dass sie ihren Mann eigentlich schon viel länger kennt, denn seit acht Jahrzehnten sind beide treue Mitglieder im Bremischen Schwimmverein. "Aber wir durften damals ja noch nicht auf die Jungs gucken", sagt sie. "Und wir Jungs wussten nicht, wie die Mädchen heißen", sagt Ernst Dünnbier. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg sind die beiden 1949 im Schwimmverein zusammengekommen. Er aus der Innenstadt, sie vom Buntentor: "Das war früher fast 'ne Erbsünde." Aber zwischen beiden hatte es mächtig gefunkt. Kurze Zeit später haben sie geheiratet, und ihre drei Kinder kamen zur Welt.

Überhaupt hat Sport im Leben der beiden Dünnbiers immer eine große Rolle gespielt. Denn nicht nur im Wasser haben sie sich wohl gefühlt, sondern auch in Lauf- und Wanderschuhen. Die Teilnahme an Volksmärschen war für die Eheleute über viele Jahre Pflichtprogramm, genauso wie das Marathonlaufen. "58 Jahre waren wir, als wir den ersten Marathon gelaufen sind", murmelt Hannelore Dünnbier, "immer ein Kampf gegen die Uhr und den Kopf, der bei Kilometer 30 keine Lust mehr hat." Außerdem waren sie begeisterte Tänzer. Vor zwei Jahren absolvierten sie noch einmal das bronzene Tanzsportabzeichen. Doch damit ist es nun vorbei. Jetzt steht nur noch Gymnastik auf dem regelmäßigen Bewegungsprogramm für den Körper - und das ein oder andere Gedicht auf dem Fitnessplan für den Geist, sagt Dünnbier.

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