Luftfahrtzulieferer AES will vier Millionen Euro investieren Expansion mit Licht für die Luftfahrt

Neustadt. Ein Unternehmen startet durch: Der Luftfahrtzulieferer AES plant die Erweiterung seines Hauptsitzes am Bremer Flughafen - und will damit die Voraussetzung für bis zu 100 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.
21.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mario Assmann

Neustadt. Ein Unternehmen startet durch: Der Luftfahrtzulieferer AES plant die Erweiterung seines Hauptsitzes am Bremer Flughafen - und will damit die Voraussetzung für bis zu 100 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Die Baudeputation und der Neustädter Bauausschuss haben schon grünes Licht für die Erstellung eines "Vorhabenbezogenen Bebauungsplans" gegeben. Und auch der Landesverband der Gartenfreunde, Generalpächter der vorgesehenen Erweiterungsfläche, hat nichts einzuwenden, hält den grünen Daumen hoch. Spätestens im Herbst sollen die Bauarbeiten beginnen.

Die AES GmbH ist auf die Elektronik in Flugzeugen spezialisiert. Nach Angaben von Hauptgesellschafter Christian Thal beschäftigt die Firma in Bremen, Hamburg und Herborn rund 130 Mitarbeiter, liegt der Jahresumsatz bei zwölf Millionen Euro. Für die Vergrößerung des Stammsitzes an der Hanna-Kunath-Straße seien mit Unterstützung des EU-Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) vier Millionen Euro vorgesehen. Der Grund für die Erweiterung: "Das Unternehmen platzt aus allen Nähten", sagt Thal. Der Erwerb eines 5600 Quadratmeter großen Nachbargrundstücks sowie der Bau eines neuen Gebäudes sollen Abhilfe schaffen.

Thal, in Bremen geboren und in der Neustadt wohnhaft, sieht in der Vergrößerung "die konsequente Fortführung der bisherigen Unternehmensentwicklung". Letztere begann 1997, als der heute 50-Jährige und ein Geschäftspartner AES gründeten und in Habenhausen ansiedelten. 2005 zog die Firma an ihren heutigen Sitz in der Airport-Stadt. Von dem 2000-Quadratmeter-Gebäude ist Thal begeistert - so begeistert, dass der geplante Neubau ein Spiegelbild sein soll. "Offen, lichtdurchflutet, aussagekräftig." Und durch die Dachverglasung energiesparend, heißt es in einem Papier des Bauressorts.

Verkaufsschlager weltweit unterwegs

Spezialisiert hat sich die AES auf zwei Bereiche. Ein Standbein bildet die Konstruktion von Flugzeug-Verkabelungen, etwa für Bordküchen, Stauschränke und Ruheräume, für Treppenhäuser der Jumbos sowie Sonderausstattungen. "Da haben wir unsere Wurzeln", sagt Thal bei einem Rundgang durch das mittelständische Unternehmen. Das zweite Standbein: die Entwicklung und Fertigung von Stromversorgungssystemen und Leuchten für Flugzeugkabinen. Der Verkaufsschlager von AES sind selbst entwickelte Arbeitsleuchten, die Work Lights. "35000 Stück fliegen durch die Welt, installiert in Flugzeugküchen und in allen Nischen, bei Airbus und Boeing", sagt Christian Thal. Noch immer produziere die Firma pro Jahr mehrere Tausend Exemplare.

Guter Kontakt zu den Nachbarn

Im vergangenen Jahr hat AES die Schütt Elektronik GmbH in Hamburg übernommen. Dadurch sei man nun auch auf dem Gebiet der Kommunikation in VIP-Flugzeugen vertreten, erläutert der studierte Nachrichtentechniker Thal. In Hamburg arbeiten demnach 15 Beschäftigte; in der Bremer Airport-Stadt sind es 115, in Herborn 7. Dass die Belegschaft in Bremen bald ein größeres Gelände vorfinden dürfte, hängt wohl auch mit einem guten Kontakt zu den angrenzenden Kleingärtnern zusammen. Jedenfalls sagt Stefan Thal, AES-Prokurist und Christian Thals jüngerer Bruder, das Unternehmen habe die Gärtner früh einbezogen. Hans-Ulrich Helms wiederum, Vorsitzender des Bremer Landesverbands der Gartenfreunde, spricht von einem "richtig guten Verhältnis".

Für AES nicht unerheblich: Die Erweiterung überdeckt nicht nur eine öffentliche Grünfläche, sondern ragt auch in das Kleingartengebiet Langeoog hinein. Deshalb sei das Einverständnis seines Verbands erforderlich, so Helms. Die Gartenfreunde träten als Generalpächter der städtischen Fläche auf, der Kleingärtnerverein Langeoog gewissermaßen als Unterpächter. Warum aber trennen sich die Gärtner von Grund und Boden? Im Langeoog-Gebiet seien Parzellen frei, die Lage gelte wegen des nahen Flughafens "nicht als das Gelbe vom Ei", die Notwendigkeit der AES-Vergrößerung sei offenbar, meint Helms. Und sagt auch: Was für das Kleingärtner-Wesen ausgegeben werde, müsse "an anderer Stelle" eingenommen werden.

Das Bauressort begrüßt die Expansionspläne. Behördenvertreter Axel König sagte jüngst im Bauausschuss, AES sei ein Betrieb, wie ihn sich Bremen in der Airportstadt wünsche. Ausschuss-Sprecher Ingo Mose (Grüne) sah es grundsätzlich ebenso, wies aber auch auf den bevorstehenden Verlust öffentlichen Grüns hin. Er hoffe, die Behörde bestehe auf höherwertige Ausgleichspflanzungen.

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