Neustädter Quartiersplatz

Organisatoren des Summersounds in der Neustadt bieten kleines Ersatzprogramm

400 statt 30000 Besucher ist ein gewaltiger Unterschied bei einem Festival. Die Organisatorinnen der Summersounds wagen dennoch ein Mini-Ersatzprogramm. Weiterhin draußen, aber nicht mehr umsonst.
03.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Organisatoren des Summersounds in der Neustadt bieten kleines Ersatzprogramm

Renate Heitmann, Maren Duda und Astrid-Verena Dietze (v.l.) setzen auf Akteure aus Bremen und dem Umland.

Roland Scheitz

Der grüne Hügel hinter dem Südbad in den Neustadtswallanlagen wird seit 15 Jahren zum ersten Mal leer bleiben Mitte August: Keine von Musik erfüllten Bühnen, keine tanzende Zuschauermenge, keine Kinder, die sich von Zauberern und Clowns begeistern lassen – kurz gesagt, kein Musik- und Kulturfestival Summersounds. „Doch so ganz ohne Festival in der Neustadt konnten wir uns den Sommer nicht vorstellen“, sagt Organisatorin Astrid-Verena Dietze. Daher gibt es nun an den beiden Festival-Tagen, 14. und 15. August, ein kleines Ersatzprogramm zu erleben.

Die Mitveranstalterin der Summersounds und Leiterin der Bremer Shakespeare Company (BSC), Renate Heitmann, nennt es ein „Mini-Line-up“, was unter Corona-Bedingungen geplant ist. Unter dem Dach der Bremer Gemeinschaftsaktion „Kultursommer Summarum“ finden nun an den beiden Tagen insgesamt fünf Veranstaltungen direkt neben dem gewohnten Festivalgelände auf dem Quartiersplatz Neustadt statt. So wird der gemeinsame Hof der Schule am Leibnizplatz und der BSC genannt. „Und das ist ein wirklich positiver Aspekt der Corona-Zeit, dass wir diesen tollen Platz nun schon seit einigen Wochen mehr für Konzerte und Aufführungen nutzen“, sagt Heitmann.

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Das Programm kann auf diese Weise ebenfalls draußen stattfinden. Umsonst ist es aber nicht wie gewohnt. „Das finden wir zwar schade, aber das Festival in seiner bisherigen Gestalt ist wegen Corona abgesagt, daher fällt auch die Finanzierung weg“, erklärt Dietze. Dennoch hofft sie, dass für möglichst viele der regelmäßigen Besucherinnen und Besucher des Festivals, die zehn Euro Eintrittsgeld pro Darbietung kein Hinderungsgrund sind. „Die Künstler sollen eine Gage erhalten, das war uns wichtig“, so Dietze vom Kulturnetzwerk Vis-a-vis.

Das Festival lebt weiter

Maximal 80 Personen können nun jeweils zu den Aufführungen kommen. Das bedeutet im Laufe der zwei Tage maximal 400 Personen anstatt der üblichen 30.000, die sich unter Normalbedingungen in den Neustadtswallanlagen während des Festivals getummelt hätten. „Für uns ist besonders in dieser schwierigen Zeit das Signal wichtig, dass das Festival weiterlebt, wenn auch nur als kleiner Setzling im Vergleich zu der Größe, die das Summersounds in den vergangenen Jahren erreicht hatte“, sagt Heitmann.

Im Programm sind nun ausschließlich Akteure aus Bremen und umzu, die bereits in den vergangenen Jahren auf den Bühnen in den Neustadtswallanlagen standen: So zum Beispiel Jazzmusiker der Musikerinitiative Bremen (Mib), „die von Anfang an ein sehr wichtiger Partner für uns war“, sagt Dietze.

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Am Freitag, 14. August, gibt es daher um 17 Uhr von der Band „Fabelhaft“ ein Jazzkonzert für die ganze Familie zu hören. Beim Klang von Posaune, Kontrabass, Drums, Klavier und Gesang können junge Zuhörer erleben, wie viel Spaß Jazzmusik machen kann – von Swing über groovige Standards bis hin zu modernen Klängen.

Um 19 Uhr geht es weiter mit einer Spezialausgabe der Reihe „Mibnight Jazzclub“. Dort präsentieren vier Musiker der Musikerinitiative Bremen zeitgenössischen, modernen Jazz. Gemeinsam interpretieren sie eigene Kompositionen und ausgewählte Ikonen des Jazz-Repertoires.

Der Tag wird um 20.30 Uhr ausklingen mit einem Auftritt, der zuvor in dieser Zusammensetzung noch nicht zu hören war. Denn erstmals wird die Gitarrenpop-Band Lenna gemeinsam mit dem Bremer Musiker Yokai auf der Bühne stehen und ein Akustik-Set zum Besten geben.

Am Sonnabend, 15. August, geht es um 16 Uhr weiter mit der Theater-Performance „The Touch“. Dann laden Manibus & Pedibus die Zuschauer ein, ganz kurz innezuhalten. Stumm, aber nicht still begeben sich die zwei poetischen Clown-Figuren auf die Suche. Was werden sie erkennen? Was werden sie in den Gesichtern der Zuschauer sehen?

Deutlich lauter dürfte es dann ab 20 Uhr weitergehen, wenn V. B. Schulze (Stimme, Fuzz-Bass), Marc Indefrey (Gitarre, Synthesizer) und Buddy Taco (Schlagzeug) mit ihrem Projekt „V. B. Schulze & 120 Beats per Hour“ die Bühne betreten. Sie selbst kündigen einen „milden bis wilden Fluss aus spaciger Psychedelic, groovendem Jazz-Rock und spätromantischer Dramatik“ an. Ein Teil des präsentierten Materials wurde erst kürzlich in solistischer Heimarbeit während des Lockdowns fertiggestellt, „was einen unbeabsichtigten aber erhellenden Kontrast in Aussage und Stimmung der Lyrics erzeugt“, schreiben sie.

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Neue Ideen sind in den vergangenen Monaten offensichtlich auch dem Organisationsteam der Summersounds gekommen, nachdem die Festivalabsage entschieden war. „Wir haben uns schon immer als Labor verstanden, in dem wir Neues ausprobieren, und nun erkunden wir eben neue Wege, wie Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen klappen können“, sagt Dietze.

Denn es sei aus ihrer Sicht durchaus möglich, dass auch im Jahr 2021 noch keine Großveranstaltungen stattfinden können. „In Lethargie zu verfallen und gar nichts zu tun ist daher keine Option für uns.“

Weitere Informationen

Tickets gibt es nur im Vorverkauf. Bei Nordwestticket, telefonisch erreichbar unter 36 36 36, und sie sind erhältlich im Pressehaus des WESER-KURIER, Martinistraße 43, sowie den regionalen Zeitungshäusern. Nähere Infos gibt es online: www.sommer-summarum.de.

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