Kek-Museum bietet Projekttage für Schulen

Farbenrausch im Werkraum

Das Kek-Museum war zu Gast in der Grundschule an der Karl-Lerbs-Straße und vor allem die Farbschleuder sorgte für Begeisterung im Werkraum. Der Ansturm auf das Projekt ist groß, aber noch gibt es freie Termine.
01.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Magali Trautmann

Im sonnendurchfluteten Klassenzimmer der Grundschule an der an der Karl-Lerbs-Straße sitzen acht Kinder im Halbkreis auf dem Boden. Sie blicken aufmerksam zu Eva Vonrüti-Möller, die ihnen gegenüber sitzt. Die Kunsthistorikerin vom Kek–Kindermuseum Bremen zieht ein durchsichtiges Kistchen zu sich heran. Es ist randvoll mit bunten Holzkreiseln gefüllt. Sie hält einen blau-rot getupften Kreisel hoch und fragt in die Runde: „Welche Farbe habt ihr, wenn ihr Blau und Rot mischt?“ Mehrere Arme schnellen in die Höhe. Sie nimmt ein Mädchen dran: „Lila.“ „Und was passiert, wenn ich den rot-blauen Kreisel drehe?“ Die Farbkombination wirkt Lila. Ein lang gezogenes „Wow“ entfährt den Kindern.

„Die Geschwindigkeit beeinflusst was wir sehen“, erklärt Vonrüti-Möller und dreht nach und nach weitere Kreisel mit verschiedenen Farbkombinationen. „Jetzt dürft ihr euren eigenen Kreisel basteln.“ Hospitantin Kathi vom Kek versorgt sie mit Material und hilft beim Basteln.

Die Grundschule an der Karl-Lerbs-Straße ist die erste Schule, die in den Genuss des Mitmachangebots „Farbenrausch“ von Kek kommt. Inzwischen könne sich Kek allerdings vor Anfragen kaum retten. „Wir hatten nur einmal einen Newsletter rausgeschickt und mit fünfzig Projekttagen im Schuljahr gerechnet“, erzählt Vonrüti-Möller, „wir waren ganz überrascht über den Ansturm. Es gibt aber noch freie Plätze von Dezember bis März.“

Schulleiterin Helke Lütjen betritt den Klassenraum durch eine Hintertür. „Ich freue mich total, dass das so gut angenommen wird“, sagt sie und blickt auf die eifrig bastelnden Kinder. Es sei das erste und bislang einzige Projekt außerhalb des vorgegebenen Lehrprogramms das in der Corona-Zeit stattfinden könne. Dabei arbeite die Grundschule an der Karl-Lerbs-Straße schon lange mit Kek und seinen wechselnden Ausstellungen in der Weserburg zusammen. In diesem Jahr ist alles anders. „Wir hatten wieder das Projekt „Kapier Papier“ für eine ganze Woche und für die ganze Schule geplant. Das fällt nun flach.“

Nun könne einzig eine zweite Klasse einen Tag lang an einem der vier von Kek angebotenen Kunstprojekte mitmachen. „Immerhin können diese Kinder das erleben. Die blühen hier gerade auf“, sinniert Lütjen, „Mit Farben spielen, das macht sie wieder so frei“. Die Kinder probieren mittlerweile ihre selbstgestalteten Kreisel auf dem Boden aus. „Ich verstehe die Notwendigkeit der Digitalisierung“, so Lütjen weiter, „aber mit allen Sinnen lernen muss genau dieselbe Wichtigkeit haben. Corona heißt Verlust von Fertigkeiten. Das muss jetzt wieder kommen: Spielen, Kommunizieren, Experimentieren. Das funktioniert nicht digital.“

Im Werkraum am anderen Ende des verschachtelten Schulgebäudes bastelt derweil die andere Hälfte der Klasse. Die Gruppentische sind mit bereits vollgekleckertem Papier ausgelegt, eine Kiste mit großen, wasserlöslichen Farbtuben in den Grundfarben steht auf dem Boden. Acht Schüler stellen hier reihenweise Monotypien und Bilder mit der Farbschleuder her. Mit Walzen verteilen die Kinder Farbe auf ihre Blätter, einige legen Papierschnipsel dazwischen, die sie hinterher wieder abziehen. „Das sind Zufallsprodukte mit tollem Effekt“, erklärt Vonrüti-Möller die Technik. Sie geht von Kind zu Kind, gibt Hilfestellungen und begutachtet die Ergebnisse.

Die Schüler bearbeiten ihre Zufallsbilder noch nach, kratzen ihre Namen hinein, Farbe spritzt nach allen Seiten. Einige Kinder scheinen sich nicht nur zufällig bekleckert, sondern auch bewusst bemalt zu haben. Frau Wrede rauscht durch den Klassenraum. „Eine Minute nicht hingeguckt“, entfährt es der Kunstlehrerin, „Ich glaube, ich spinne. Alle haben Bärte!“ Sie schickt die Kinder ins Bad. Ein Junge murmelt: „Also, ich finde meinen Bart schön.“ Die Schüler haben sichtlich Spaß am Kunst-Projekttag.

Als die Farbschleuder klemmt, dreht Praktikantin Viviane Stopp vom Kek kurzerhand die Holzscheibe mit der Hand weiter. Das geht auch, nur etwas langsamer. Viviane Stopp absolviert bereits zum zweiten Mal ein Praktikum bei Kek. Die 23-Jährige studiert in Ottersberg Kunstpädagogik und Kunsttherapie. „Kek ist sehr schön“, befindet sie, da können alle Kinder mitmachen, keiner bleibt zurück. Stolz präsentieren die Schüler am Ende ihre auf einem Tisch ausgebreiteten bunten Klecksbilder – ein Regenbogen-Farbrausch.

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