Infoveranstaltung zum Müll am Werdersee Gäste kritisieren Wortwahl der Werdersee-Initiative

Südervorstadt. Rund um den Werdersee muss es sauberer und ruhiger werden - darüber waren sich alle Besucher des Infoabends der Initiative "Rettet den Werdersee" einig. Darüber, wie dieses Ziel erreicht werden kann, diskutierten 150 Besucher in der Zionsgemeinde.
11.08.2010, 15:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Meyer

Südervorstadt. Über eines sind sich alle einig: Rund um den Werdersee muss es sauberer und ruhiger werden. Doch darüber, wie dieses Ziel erreicht werden kann, gehen die Meinungen auseinander. Das musste die Initiative 'Rettet den Werdersee' am Montag feststellen. Sie hatte zu einem Infoabend in die Zionsgemeinde eingeladen und musste Kritik einstecken. Dass der Dreck im Grünen für viel Unmut in der Neustadt sorgt, war am Besucherandrang zu erkennen. Rund 150 Interessierte waren in die Kornstraße gekommen.

Die Bürgerinitiative hatte in den vergangenen Wochen immer wieder auf die Zustände in dem Erholungsgebiet aufmerksam gemacht. So kippte sie beispielsweise am Werdersee aufgesammelten Müll vor das Rathaus (wir berichteten in unserer Hauptausgabe). Auf Flugblättern schrieb sie: 'Chaoten zerstören unser Naherholungsgebiet.'

Genau an dieser Formulierung störten sich einige Besucher der Versammlung. 'Die Grundbotschaft muss eine andere sein', meinte ein Zuhörer. 'Der Werdersee ist was Tolles.' Das solle rüberkommen. Das Wort Chaoten könnten gerade jüngere Menschen, die gerne an den Werdersee kommen, als stigmatisierend empfinden. 'Feiert solidarisch' wäre passender.

Francis Binder unterstützte diese Meinung. Sie habe sich bereits vor der Diskussion über die 'komische Stimmung' in der Debatte gewundert. 'Das war fast schon Bürgerwehrstimmung.' Die Mehrzahl derjenigen, die am Werdersee feierten, seien keine Chaoten und würden nicht mutwillig Flaschen zerschlagen, war sich Binder sicher. Gerhard Bomhoff von der Initiative bestritt das. Wer Flaschen auf den Boden werfe, nehme in Kauf, dass sich Menschen an den Scherben verletzen. 'Das ist mutwillig und außerdem Körperverletzung.'

Initiative fordert mehr Kontrollen

Gerhard Bomhoffs Forderungen waren klar: 'Der rechtsfreie Raum muss endlich geschlossen werden.' Es könne nicht sein, dass die Stadt die Umweltverschmutzung und die Störung der Nachtruhe länger toleriere. Die Initiative forderte mehr Kontrollen und ein Verbot von Einweggrills. Außerdem solle das Grillen rund um die Deichschartbrücke untersagt werden.

Die Zustände im Naherholungsgebiet führte die Initiative auf zwei Gruppen zurück - die Gedankenlosen und die mutwilligen 'nächtlichen Chaoten'. Die erste Gruppe sei faul und überlasse der Stadt die Müllentsorgung. 'Hier können wir mit Ansprache und Aufklärung noch einiges erreichen', so Bomhoff.

Schwierig sei das aber bei der zweiten Gruppe - den 'nächtlichen Chaoten'. 'Die sind stark alkoholisiert und meist aggressiv.' Außerdem würden sie nicht nur Flaschen demolieren, sondern auch Bäume beschädigen. Diese Gruppe, meist Jugendliche, anzusprechen, sei sehr schwierig, erklärte Bomhoff. 'Oft wird man angemacht und bedroht.' Er stellte aber auch klar: 'Wir meinen nicht alle Jugendlichen.'

Einer der Lärm- und Schmutzschwerpunkte ist der Bereich um die Deichschartbrücke. Daher sucht der Verein für akzeptierende Jugendarbeit (Vaja) den Bereich häufig auf, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. 'Es sieht selten ganz müllig aus', beschrieb Anne Schierenbeck vom Vaja ihren Eindruck. Viele würden ihren Müll entsorgen und nicht aggressiv auf entsprechende Bitten reagieren. 'Die Ansprache ist ganz wichtig', erklärte die Streetworkerin. 'Wenn das Problem ordentlich vermittelt wird, ist das besser als ein erhobener Zeigefinger.'

Die Eindrücke der teils hitzig geführten Diskussion sollen heute in einen Runden Tisch einfließen. An diesem werden neben der Bürgerinitiative und dem Vaja auch Mitarbeiter der Umweltbehörde, des Umweltbetriebs sowie Beiratsmitglieder darüber nachdenken, wie die Situation am Werdersee verbessert werden kann.

Unterdessen wirft ein Graffito auf der Deichschartbrücke Fragen auf. In roten und grünen Lettern prangen dort seit rund einer Woche die Worte: 'Liefert niemandem einen Grund, euch den Werdersee zu verbieten. Nehmt euren Müll mit.' Wer diese Botschaft gesprüht hat, weiß niemand. Im Ortsamt ist man ratlos, auch von der Bürgerinitiative heißt es: 'Wir haben damit nichts zu tun.'

Rainer Suckau, Geschäftsführer beim Deichverband, der die Brücke unterhält, ist ebenfalls ahnungslos: 'Bei uns hat sich niemand gemeldet.' Das Graffito sei illegal, beseitigt werde es aber nicht: 'Nur rassistische Sprüche werden entfernt.' Wie lange die Drohung an die Umweltsünder noch auf der Deichschartbrücke prangt, hängt also ganz von der Witterung ab.

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