Milena Tsochkova zeigt ihre Ausstellung "Näher" im Atelier Brandt Credo Gedanken als Zeichnungen

Neustadt. "Ich fotografiere mich selbst, aber ich bin nicht zu sehen...", sagt Milena Tsochkova über die neuen Bilder, Aquarelle und Zeichnungen, die sie in der Ausstellung mit dem Titel "Näher" im Atelier Brandt Credo präsentiert. Ihre Bilder sind keine Selbstporträts, sondern Gefühlszustände. Mit Farbe und Bleistift versucht sie, die inneren Strukturen des Menschen zu übersetzen. Sie bedient sich der menschlichen Figur, um sich mit psychischen Zuständen und Gefühlen auseinanderzusetzen. Zu ihren Arbeiten sagt die Künstlerin: "Es ist für mich eine einzigartige Herausforderung, eine neue Sicht auf die Oberfläche der Welt zu bieten, etwas Eigenes freizulegen, das Bekannte neu zu interpretieren."
22.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Kerstin Thompson

Neustadt. "Ich fotografiere mich selbst, aber ich bin nicht zu sehen...", sagt Milena Tsochkova über die neuen Bilder, Aquarelle und Zeichnungen, die sie in der Ausstellung mit dem Titel "Näher" im Atelier Brandt Credo präsentiert. Ihre Bilder sind keine Selbstporträts, sondern Gefühlszustände. Mit Farbe und Bleistift versucht sie, die inneren Strukturen des Menschen zu übersetzen. Sie bedient sich der menschlichen Figur, um sich mit psychischen Zuständen und Gefühlen auseinanderzusetzen. Zu ihren Arbeiten sagt die Künstlerin: "Es ist für mich eine einzigartige Herausforderung, eine neue Sicht auf die Oberfläche der Welt zu bieten, etwas Eigenes freizulegen, das Bekannte neu zu interpretieren."

Milena Tsochkova, 1975 in Pleven/Bulgarien geboren, lebt in der Bahnhofsvorstadt und hat ihr Atelier in der Hochschule für Künste (HfK). Nach Studienjahren in Sofia begann sie 2004 ein Studium an der Hochschule für Künste im Studiengang Freie Kunst bei Peter W. Schaefer. Nach dem Diplomabschluss 2010 setzte sie ihre künstlerische Ausbildung als Meisterschülerin fort mit dem Abschluss 2011. Ihre Arbeiten waren schon in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Zuletzt im Neuen Museum Weserburg in der Abschlussmeisterausstellung der HfK. Viele ihrer Werke sind in privaten Sammlungen zu finden. Der hohe künstlerische Anspruch, den Milena Tsochkova an sich selbst stellt, blieb nicht unbemerkt: Im November 2010 wurde sie in Bremen mit dem Kunstförderpreis der Freimaurerloge "Zum silbernen Schlüssel" ausgezeichnet.

Ihre Bildausschnitte sind rätselhaft und geheimnisvoll. Sie bilden nicht die Wirklichkeit ab und wirken doch real. Sie vergrößert, verkleinert oder betont das Motiv. So fällt der Fokus des Bildbetrachters nur auf eine Geste oder Form wie beispielsweise die sommerliche Rückenansicht im gepunkteten Kleid. Die Sommerkleider, gepunktet und mit Blümchenmuster, tauchen in verschiedenen Variationen immer wieder auf. Mal als luftiger Frühlingsbegleiter, dann als fliegende Punkte, die sich vom Kleid absetzen und wie Schmetterlinge davonfliegen. "Das sind Gedanken als Zeichnungen", sagt sie zu den surrealen Traumbildern, die Wirklichkeit zu sein scheinen.

"Meine Motive sind doppeldeutig"

In den Ölbildern vermitteln die Stoffe und raffinierten Faltenwürfe auf dem weiblichen Körper erst mal einen schönen Schein. Doch unter der Oberfläche verbirgt sich viel mehr. "Meine Motive sind doppel- und mehrdeutig" erzählt die Künstlerin. Eindeutig seien sie nicht. "Der Betrachter kann sie selber weiterdenken." Milena Tsochkova hat eine große Ausstrahlungskraft. Diese spiegelt sich in ihren Bildern wider, in denen es keine Räumlichkeit gibt, nur das Motiv zählt. "Der Ausschnitt dringt in das Wesen ein, und so entsteht eine andere Intensität des Sehens. Im Wechselspiel zwischen Deutung und Bedeutung."

Milena Tsochkovas Faszination für Menschen und emotionale Zustände findet sich auch in ihren Aquarellen, die sie eigens für die jetzige Ausstellung konzipiert hat. Im kleinen Format hat sie Motive mit beeindruckender Wirkung im Detail, in Genauigkeit und Präzision umgesetzt. Vor einem Jahr hat Milena Tsochkova ihre Arbeiten in einer ersten Einzelausstellung im Atelier Brandt Credo gezeigt. Waren es seinerzeit vielfach Motive von abwehrenden und schützenden Händen, die den Betrachter auf Distanz zu halten schienen, so zoomt sie den Betrachter diesmal nah an das Motiv heran. Der Betrachter wird direkt konfrontiert. Und sei es einzig mit dem Stoff ihres Kleides. Oder wie Norbert Caspar es treffend im aktuellen Katalog über die Malerin ausdrückt: "Mit ihrer Entscheidung zur Figur schafft sie Nähe zu sich und die Offenheit, eine andere sein zu können." Gleichzeitig distanziert sie sich von sich selbst, bis zur Nichterreichbarkeit.

Künstler und Galerist Jürgen Brandt hat die Wechselbeziehung von Distanz und Nähe noch mal anders umgesetzt in einem kleinen 3D-Kasten, in dem ein Bild ihrer Ausstellung von kleinen Miniaturfiguren betrachtet wird und dadurch überlebensgroß erscheint. "Das hat mich gerade auf eine Idee gebracht", freut sich Milena Tsochkova. Sie könnte sich vorstellen, manche ihrer Kunstwerke im lebensgroßen Format auf der Leinwand zu inszenieren.

Die Ausstellung von Milena Tsochkova ist bis zum 2. Oktober im Atelier Brandt Credo, Meyerstraße 145, zu sehen. Öffnungszeiten: sonntags von 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 558455.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+