Mögliche neue Weser-Querung

Geplante Brücke am Stadtwerder sorgt für Diskussionen

Die einen wünschen sich eine neue Brücke über die kleine Weser herbei, die anderen lehnen sie ab: Der Beirat Neustadt hat kontrovers über die mögliche neue Querung diskutiert.
25.11.2019, 05:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Geplante Brücke am Stadtwerder sorgt für Diskussionen

So könnte die neue Brücke über die kleine Weser aus Blickrichtung Westen aussehen. Ob ihr Bau Sinn macht oder nicht, dazu gibt es unterschiedliche Ansichten.

Baubehörde Bremen

Ein „Luxusbauwerk“ nennen sie ihre Gegner, eine „wichtige Verbindung“ ihre Befürworter: Die geplante neue Brücke für den Fahrrad- und Fußverkehr über die Kleine Weser (wir berichteten am Sonnabend) trifft in der Neustadt auf ein geteiltes Echo. Während der jüngsten Sitzung des Stadtteilparlaments ist deutlich geworden, dass das Projekt umstritten bleibt. Und das, obwohl der Beirat sich schon seit zehn Jahren in unterschiedlichen politischen Zusammensetzungen für diese neue Verbindung vom Ortsteil Buntentor Richtung Stadtwerder ausgesprochen hat.

„Ich freue mich, dass wir nun verkünden können, dass die Brücke kommen wird“, kommentierte Beiratssprecher Ingo Mose (Grüne) die Präsentation von Behördenvertretern, die jüngst den aktuellen Planungsstand vorgestellt haben. Vor Jahren sei dieser Wunsch des Beirates noch als utopisch angesehen worden. „Doch die Zahl der Befürworter ist seither stark gestiegen.“

Horst Kempe (Freie Wähler) ließ hingegen keinen Zweifel daran, dass es immer noch Gegner des mindestens vier Millionen Euro teuren Bauprojektes gibt: „Die Brücke ist in Sichtweite zur Wilhelm-Kaisen-Brücke und zur Deichschartbrücke überflüssig“, so Kempe. Aus seiner Sicht würde es mehr Sinn machen, perspektivisch eine Fahrspur der Wilhelm-Kaisen-Brücke für Autos zu sperren und für eine Fahrrad-Premiumroute freizugeben. „Das wäre günstiger und nachhaltiger, wenn wir tatsächlich langfristiger in die Zukunft denken und planen würden“, zeigte sich der Freie Wähler überzeugt.

Stadtplaner Rainer Imholze aus der Baubehörde konnte diese Argumentation nicht nachvollziehen. „Gerade weil wir für die kommende Generation mindestens 30 Jahre im Voraus planen, macht es Sinn, die neue Verbindung zu schaffen“, sagte Imholze. Er warb dafür, „diese einmalige Chance zu ergreifen zumal wir die Mittel dafür zur Verfügung haben“.

Gegenvorschlag: Brücke am Café Sand

Aber auch aus der Linksfraktion im Beirat waren kritische Stimmen zu hören. „Ich habe Zweifel daran, ob das der richtige Ort für eine Brücke ist“, sagte der parteilose Wolfgang Meyer, der für die Linke im Beirat sitzt. Er stelle sich eine Querung auf Höhe Café Sand effektiver vor, „anstatt den Bewohnern der Luxuswohnungen auf dem Stadtwerder den Weg zum Einkaufen zu verkürzen“. Dieses Argument und der zugehörige Spitzname „Margarinenbrücke“ kommen ursprünglich von der Bürgerinitiative „Rettet den Stadtwerderwald“. Deren Aktivisten hatten bereits vor Jahren gegen einen möglichen Brückenbau protestiert. Ihre Sorge: Für ein solches Projekt müssten am Stadtwerderufer Bäume gefällt werden.

Dass diese Sorge berechtigt ist, bestätigte Michael Pelster aus dem Amt für Straßen und Verkehr während seiner Projektpräsentation. „Wir müssen ganz offen darüber sprechen: Wenn man die Brücke haben möchte, müssen Bäume weg.“ Er hoffe allerdings auf einen Dialog mit Bürgern und Beirat in dieser sowie weiteren kritischen Fragen im Laufe des weiteren Verfahrens.

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Es sei ebenfalls möglich, dass der erst vor wenigen Jahren neu gestaltete Stadtwarderpark während der Bauzeit von Baufahrzeugen und zum Anliefern der Brückenteile genutzt und hinterher wieder neu aufgebaut werden müsste. „Das alles ist noch unklar, aber wir wollen transparent mit solchen Fragen umgehen“, so Pelster. Eine Haltung, die im Beirat sowie bei den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern gut ankam.

Melanie Morawietz (CDU) hatte zudem noch Zweifel an der Praxistauglichkeit der neuen Wegebeziehung. „Für die Anwohner auf dem Stadtwerder ist die Vorbeifahrt am Spielplatz im Stadtwarderpark problematisch und gefährlich“, so die Christdemokratin. Außerdem sei es unverzichtbar, auch die Verlängerung der Radwege mit in den Blick zu nehmen. „Denn so, wie sich die schlechten Radwege heute auf dem Stadtwerder darstellen, reicht das nicht aus.“

Anschließende Radwege im Blick

„Ich kann Ihnen versichern, dass ich die Anschlüsse und auch ihre Finanzierung mitdenke“, versicherte daraufhin Brückenbauingenieur Michael Pelster. Die Fahrrad-Premiumroute soll laut aktueller Planung links der Weser über die Meyerstraße verlängert werden, rechts der Weser über den Altenwall – sobald auch eine zweite Brücke von den Seenotrettern bis hin zum Altenwall gebaut ist.

„Ich begrüße die Brücke über die kleine Weser ausdrücklich“, bezog Sozialdemokrat Wolfgang Schnecking Position. „Wenn wir eine autofreie Innenstadt haben wollen, geht das nur, wenn wir neue Wegebeziehungen für Radfahrer und Fußgänger schaffen, sonst gelingt uns das nicht“, so der stellvertretende Beiratssprecher.

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Baubeginn ist laut Pelster frühestens Ende 2021. Im Zuge eines Planfeststellungsverfahrens wird der Beirat im Vorfeld Gelegenheit bekommen, offiziell Stellung zu beziehen und seine Ansprüche an das Projekt zu formulieren.

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