Circusschule Jokes trainiert mit neuer Gruppe Giraffen und Trapez auf dem Stundenplan

Huckelriede. In der Luft liegt Musik. Bunte Tücher fliegen durch den Raum, junge Artisten verbiegen sich zu einer Bankpyramide, Kegel wollen hoch hinaus und landen atemberaubend treffsicher in Kinderhänden. Keine Szene aus Roncalli oder Flick Flack, sondern Alltag am Mittwochnachmittag in der Wilhelm-Kaisen Schule in Huckelriede. In der riesigen Turnhalle geht es rund: 24 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben bis 16 Jahren üben gerade mit Begeisterung artistische Kunststücke ein.
10.03.2010, 12:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Kerstin Thompson

Huckelriede. In der Luft liegt Musik. Bunte Tücher fliegen durch den Raum, junge Artisten verbiegen sich zu einer Bankpyramide, Kegel wollen hoch hinaus und landen atemberaubend treffsicher in Kinderhänden. Keine Szene aus Roncalli oder Flick Flack, sondern Alltag am Mittwochnachmittag in der Wilhelm-Kaisen Schule in Huckelriede. In der riesigen Turnhalle geht es rund: 24 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben bis 16 Jahren üben gerade mit Begeisterung artistische Kunststücke ein.

Sie alle teilen die Leidenschaft für den Zirkus und die Freude an der Bewegung. In der Mitte des Raumes sind drei Mädchen gerade dabei, auf ihren Hochrädern - in der Zirkussprache heißen sie Giraffen - im Kreis zu fahren. Sie halten sich aneinander fest. Sina, gerade mal acht, ist zum ersten Mal so hoch oben auf dem Rad unterwegs. Gekonnt bewegt sie sich mit den anderen. Als hätte sie nie etwas anderes getan. Dabei sieht es nicht gerade einfach aus. Wie lange das wohl an Übung braucht? Hartwig Hinney, Sozialpädagoge an der Schule, hat eine Antwort. 'Kinder lernen schnell. Sie fangen bei uns mit Einrädern an. Das dauert vier Wochen, dann steigen sie auf die Giraffe um und können es', sagt er. Und wie kommen die Kids da wieder runter? 'Man lässt sich nach vorne fallen und springt dann ab?'

Erfahrung hat Zirkusfan Hartwig Hinney reichlich. Er leitet an der Schule jedes Jahr eine Zirkus-AG mit den dritten Klassen. 'Doch dieses Pilotprojekt in Kooperation mit der Circusschule Jokes ist neu in diesem Stadtteil. Das gab es hier vorher noch nicht', sagt er.

Jokes, die Circusschule, ist eine Institution in Bremen. Ein 30-köpfiges Team aus Artisten, Sozialpädagogen, Bewegungstherapeuten, Lehrern und jugendlichen Nachwuchsbetreuern trainiert seit über zehn Jahren in der Schule am Leibnizplatz Akrobaten, Luftartisten und Jongleure. Und das täglich. Außerdem ist Jokes an zwölf Schulprojekten in ganz Bremen beteiligt. Nun hat die Circusschule erstmals eine Gruppe in Huckelriede eröffnet und möchte damit ein neues Angebot schaffen. 'Die Nachfrage war und ist riesig', sagt Andreas End von Jokes. 'Wir haben Wartelisten. Die meisten kommen aus Huckelriede.' Manche gehen auf die Wilhelm-Kaisen Schule, andere kommen von der Schule Buntentor, aus der Schule Bunnsackerweg, der Schule Alfred-Faust-Straße oder wie Swen, zwölf Jahre alt, aus der Privatschule Mentor. 'Ich wohne aber in Huckelriede', sagt er. Am meisten mache ihm das Jonglieren Spaß. Gerade wirft er drei Keulen in die Luft. 'Aber auch mit Bällen und Ringen jongliere ich gerne', so der

junge Artist. Ob er später selbst mal zum Zirkus will? 'Weiß ich noch nicht', antwortet er nach einer Weile. 'Vielleicht.' Allerdings kommt die Antwort auf die Frage nach seinem Lieblingszirkus wie aus der Pistole geschossen: 'Flick Flack. Die spielen so coole Musik wie Rammstein und Böse Onkelz und fahren mit ihren Motorrädern durch Feuer und durch das ganze Zel', schwärmt er.

Faszination Feuer

Feuer in Zusammenhang mit Zirkus übt auf viele Kinder eine große Faszination aus. Das bestätigt auch Jonas, elf Jahre alt, der ein Faible für brennende Spieljongleurgeräte wie 'Pois' hat. Ein Poi besteht aus zwei Leuchtkörpern, die mit Griffen oder Fingerschlaufen durch je eine Kette oder ein Seil miteinander verbunden sind. Beim Spielen werden die Pois in Kreisbahnen um den Körper geschwungen. Ziel ist es, die Flugbahnen beider Pois möglichst kunstvoll zu kombinieren. 'Die sehen so schön aus, erst recht, wenn sie brennen, aber das dürfen wir hier nicht machen', erklärt Jonas.

Überall in der Turnhalle kommen die Pois in Huckelriede zum Einsatz. Nina (11) und Leonie (12) tanzen damit traumhafte Figuren. Sie wirken wie Gestalten aus einem Märchenfilm: schwebend, farbig und flatterhaft. Und das auch ganz ohne Feuer. Temperament erfüllt den Raum. Die Turnhalle wird zur Manege, das Dach zum Zelt.

Nach den Osterferien steht das Trapez auf dem Zirkus-Stundenplan. Darauf freuen sich schon alle im 'Circus Huckelrick'. Das wird ein neues spannendes Experiment.

Wer Interesse hat, beim Circus Huckelrick mitzumachen, kann sich auf die Warteliste setzen lassen, Telefon 5091383. Trainiert wird immer mittwochs von 15.30 bis 17 Uhr in der Wilhelm-Kaisen-Schule, Valckenburghstraße 1-3 .

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