SPD und Linke kritisieren Allgemeinverfügung am Werdersee / Bürger fühlen sich nicht informiert Grillverbot: Umweltbehörde verbrennt sich

Von jean-charles fays
28.04.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von jean-charles fays

Neustadt. Sonnabend, 12.30 Uhr. Seit zwei Tagen ist das Grillen am Werdersee verboten. Fünf Jugendliche scheint das nicht zu stören. An der Juliushöhe, wenige Meter hinter der Deichschartbrücke, entfachen sie das Feuer in dem Einweggrill, den sie zuvor vis à vis am Rewe-Markt gekauft haben. Dass das Grillen dort verboten ist, hätten sie noch nie gehört.

"Es sind ja keine Schilder aufgestellt", sagt einer dem Reporter. Auf die in dieser Zeitung veröffentlichte Allgemeinverfügung der Umweltbehörde angesprochen fügt er hinzu: Wir können ja nicht jeden Tag die Zeitung lesen.

Friedlich grillen sie weiter. Den Müll würden sie nachher mitnehmen, sagen sie. Neben dem Einweggrill haben sie auch einen von der Umweltbehörde an den Supermarkt am Buntentorsteinweg verteilten blauen Sack mitgenommen.

Bei frühsommerlichen Temperaturen von mehr als 20 Grad sind sie an den Osterfeiertagen nicht die einzigen, die sich dem Grillverbot widersetzen. Der Beamte Carsten Weerth war zwei Tage später am Badestrand und berichtet: "Dort haben die Leute ihre Grills neben den Sandsteinblöcken aufgebaut, nicht aber darauf." Die einzigen drei öffentlichen Grillflächen stünden zwar seit Donnerstag zur Verfügung, würden "aber gar nicht genutzt".

Den 39-jährigen Neustädter hat das Gebaren der Umweltbehörde so aufgeregt, dass er eine Petition gegen das Grillverbot bei der Bremischen Bürgerschaft einreichte. "Wenn man jetzt nichts tut, haben wir bald überall Verbotsschilder", mahnt Weerth. Auf Druck der Bürgerinitiative "Rettet den Werdersee" habe Umweltsenator Reinhard Loske eine wenig durchdachte Verfügung erlassen.

Ähnlich sieht es der umweltpolitische Sprecher der Bürgerschafts-Fraktion der Linken, Klaus-Rainer Rupp. "Den Werdersee als Magnet für viele Menschen mit einem Grillverbot zu belegen, ist kleingeistig und absurd." Vielmehr sei das Ortsamt gefordert, die Leute zusammenbringen und mit allen Gruppen über das Problem zu diskutieren. Außerdem müssten mehr Abfallbehälter aufgestellt werden."Eín Grillverbot löst das Problem nicht", sagt auch die SPD-Bürgerschaftskandidatin Renate Möbius. Als Anwohnerin am Werdersee habe sie Sonnabendnachmittag mehrere Personen grillen sehen und gemerkt, dass diese Allgemeinverfügung "keine richtige Lösung" sei. Dem Umweltstaatsrat Wolfgang Golasowski habe sie bereits gesagt: "Es ist unmöglich so eine Entscheidung zu treffen, ohne das vorher mit den Ressorts abzusprechen." Wenn vorher nicht gewährleistet sei, dass so ein Grillverbot auch umgesetzt werden kann, dann könne man so ein Verbot auch nicht erlassen. Für die Umsetzung bedürfe es ein Polizeiaufgebot

wie bei einer Großdemo.

Polizei: "Unmut ist nachvollziehbar" Auch das Neustädter SPD-Beiratsmitglied Jens Oppermann pflichtet Renate Möbius bei: "Ich halte nichts von Verboten, die nicht durchgesetzt werden können."

Polizeisprecher Henning Zanetti räumt ein, dass am Werdersee nur sporadische Kontrollen möglich sind. Vorrang habe, wenn Leib und Leben bedroht sei. Die Hilfe am Werdersee komme erst, wenn die Kräfte zur Verfügung stehen. Zanetti: "Dass da in der öffentlichen Wahrnehmung Unmut entsteht, ist nachvollziehbar." Die angespannte Personalsituation bei der Polizei sei bekannt. Nach seiner Kenntnis habe es am Werdersee von Donnerstag bis Ostermontag aber dennoch keine Beschwerden gegeben.

Als am Dienstagabend der Sprecher der Bürgerinitiative "Rettet den Werdersee", Gerhard Bomhoff, auf offene Feuer an der Juliushöhe hinwies, soll die Polizei geantwortet haben, dass sie eine Streife schicke, obwohl die "Aktion umstritten" sei. Auch Montagabend hätte auf der Juliushöhe eine Gruppe gegrillt. Auf das Verbot angesprochen hätte diese geantwortet: "Wieso sollen wir aufhören zu grillen?" Noch würden schließlich keine Strafen kassiert.

Das Neustädter Grünen-Beiratsmitglied Ingo Mose ist enttäuscht, dass Maßnahmen wie die Hinweisschilder nicht rechtzeitig fertig wurden. Insgesamt sei aber zu erwarten gewesen, dass die Allgemeinverfügung nicht von heute auf morgen funktioniert. Auf Drängen der Bürgerinitiative sei diese der Versuch eines Kompromisses.

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