Kleingärtnerverein Juliushöhe feiert am Wochenende100- jähriges Bestehen Grüne Oase auf dem Stadtwerder

Neustadt. 100 Jahre grüne Oase in unmittelbarer Nähe der Innenstadt: Der Kleingärtnerverein Juliushöhe auf dem Stadtwerder blickt seiner 100-Jahrfeier am Sonnabend, 2. Juli, entgegen. Vom Tennisplatz zur militärischen Nutzung, vom Ort des Überlebens zum Naherholungsgebiet für Mitglieder - der Verein hat eine spannende Geschichte.
30.06.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von SUSANNE LABATZKE

Neustadt. 100 Jahre grüne Oase in unmittelbarer Nähe der Innenstadt: Der Kleingärtnerverein Juliushöhe auf dem Stadtwerder blickt seiner 100-Jahrfeier am Sonnabend, 2. Juli, entgegen. Vom Tennisplatz zur militärischen Nutzung, vom Ort des Überlebens zum Naherholungsgebiet für Mitglieder - der Verein hat eine spannende Geschichte.

Einige Mitglieder sitzen an einem Tisch im Vereinsheim: Hanna Binsma, erste Kassiererin, Friederike Hessenius, zweite Schriftführerin, und Jürgen Rosowski. Die Türe nach draußen ist geöffnet und die Sicht frei auf viel Grün und das seit 1983 stillgelegte Wasserwerk, die "Umgedrehte Kommode". "Als das Wasserwerk gebaut wurde, hob man die Große Weser aus und schaffte eine über sieben Meter hohe Erhebung, um das Gelände gegen Hochwasser zu schützen," erzählt Hanna Binsma aus Arbergen, die vor allem die Buchführung und Gartenvergabe erledigt.

Alle erinnern sich noch gut an 1981, den großen Weserdurchbruch. "Da gab es eine Flut", erzählt der 71-jährige Jürgen Rosowski, "sodass die Parzellenhäuschen von Habenhausen vorbeischwammen. Das war eine richtige Zerstörung." "Bloß gut", wirft Hanna Binsma ein, "dass wir hier sogar höher liegen als der Dom!" Die 55-Jährige, die als Delegierte auch zu Sitzungen des Landesverbandes der Gartenfreunde Bremen oder der Interessengemeinschaft Stadtwerder geht, berichtet dann, dass insgesamt zehn Kleingärtnervereine, die auf dem Stadtwerder liegen, sich zusammengetan haben. Darunter ist der Verein Juliushöhe mit 153 Gärten von 450 bis 500 Quadratmetern der älteste.

Beim Wasserwerksbau entstanden damals auch Tennisplätze. "Ein Julius Elfers war dort Platzwart und als diese Tennisplätze nach und nach in Gärten umgewandelt wurden, gründete er mit ein paar Gleichgesinnten 1911 den Kleingärtnerverein Julius-Höhe," führt Friederike Hessenius, die zweite Schriftführerin des Vereins, weiter aus. Die Wege wurden dann nach demjenigen benannt, der die erste Parzelle auf dem Weg gepachtet hatte: Julius, Karl, Ferdinand, Christoph, Otto, Hermann, Anton und Johannes. "Das war anfangs ein reiner Männerverein", sagt die 57-Jährige aus Etelsen.

Broschüre zur Vereinsgeschichte

Originale Urkunden aus den 30er-Jahren zum 25-jährigen Bestehen, zu Ausstellungen und Wettbewerben, die an den Wänden im Vereinsheim hängen, beweisen die rege Tätigkeit der Kleingärtner auf der Juliushöhe. Joachim Janssen, Ehemann von Hanna Binsma, kommt auch an den Tisch dazu und zeigt alte Vereinsfotos. Der 55-Jährige, der bei Atlas Elektronik arbeitet, erzählt, dass während des Zweiten Weltkrieges auf dem Gelände des Vereins deutsche Flakstellungen positioniert waren. "Die Vereinsgeschichte ist inzwischen in einer kleinen Broschüre der Autorin Karin Schubert über alle Vereine auf dem Stadtwerder dargestellt", sagt der gebürtige Emder, der mit seiner Frau seit den 90er-Jahren eine Parzelle hat.

In ihrem Garten steht ein kleiner Zwetschgenbaum, der vergangenes Jahr ganze 205 Kilo Ernte abgeworfen hat. "Für einen kleinen Zwetschgenbaum ist das ganz schön viel", sagt Hanna Binsma, die nicht nur ihre Vereinsaufgaben vorbildlich erfüllt, sondern auch noch jede Menge über Pflanzen, Bäume, Ernte und andere Gartenthemen weiß: "Süßkirschenbäume muss man beispielsweise gut pflegen. Trägt der Baum wenig, müssen die heruntergefallenen Kirschen unbedingt aufgesammelt und weggebracht werden, damit er nächstes Jahr mehr trägt und auch die Maden wenig zugreifen", erklärt sie. Jürgen Rosowski witzelt dazu: "Na und wenn der Baum viel trägt, kommen selbst die Maden nicht dagegen an..."

In den 70ern wurde das Vereinsheim neu errichtet und 1994 renoviert, das meiste in Eigenarbeit und - so wie bei der Erneuerung der Trinkwasserleitung vor drei Jahren - auf eigene Kosten der Vereinsmitglieder. Jetzt ist das Vereinsheim gelb gestrichen, davor blüht Fingerhut. Jürgen Rosowski rät mit verschmitzter Miene, "das giftige Kraut nicht anzufassen."

Wie in jedem Kleingärtnerverein gibt es eine Gartenordnung. Die des Vereins Juliushöhe sieht ganz der üblichen Praxis nach ein Drittel Rasen, ein Drittel Blumen und ein Drittel Gemüse oder Obst in den Gärten vor. Früher, erzählt der ehemalige Fleischermeister aus dem Viertel, hätte man die Parzelle wirklich zum Leben und Überleben gebraucht. "Da wurden auch Kartoffeln, Bohnen, Erbsen und alles mögliche angebaut", sagt der 71-jährige Rentner Jürgen Rosowski, der mit seiner Frau seit den 70er-Jahren einen Garten im Verein Juliushöhe bewirtschaftet.

Damals als die Bremer auf Aufforderung des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Kaisen aus Wohnungsnot auf die Parzellen gezogen sind, erzählt Friederike Hessenius, entstanden die aus Stein gebauten sogenannten Kaisenhäuser, in denen geheiratet wurde und Kinder das Licht der Welt erblickten. So auch die Kinder von Eva Ruräde. "Die hochbetagte Dame wohnt inzwischen im Altenheim am Buntentorsteinweg," weiß die 57-Jährige aus Etelsen, die seit 40 Jahren im Rotes Kreuz Krankenhaus arbeitet, zu berichten. Vom Fenster des Vereinsheims aus kann man das kleine Steinhäuschen sehen, in das die kleine Eva damals mit ihren Eltern zog, weil sie im Krieg ausgebombt waren. "Eva Ruräde übernahm das Häuschen später und gebar ihre drei Jungs in dem Haus, das inzwischen leider leersteht und verfällt," erzählt die gebürtige Gröpelingerin Friederike Hessenius. Eigentlich müsste es auf städtische Kosten abgerissen werden. Aber momentan weiß niemand, wann das passiert.

Gefeiert wird im "Kuhhirten"

Zur 100-Jahr-Feier im Restaurant "Kuhhirten" auf dem Stadtwerder wird Eva Ruräde als Ehrenmitglied wie viele andere Gäste natürlich kommen. Der erste Vorsitzende des Vereins Juliushöhe, Klaus Düerkop, wird alle feierlich begrüßen. Auch vom Landesverband der Gartenfreunde Bremen werden der Geschäftsführer Dietmar Kleplatz und der erste Vorsitzende Hans-Ulrich Helms erwartet.

Als langsam alle wieder zurück in ihre Gärten aufbrechen, sagt Friederike Hessenius abschließend: "Der Verein mit seiner Geschichte und seinem Leben ist ganz wichtig für die dicht besiedelten und bebauten Viertel in Bremen. Die Juliushöhe ist das grüne zentrale Naherholungsgebiet für Gartenfreunde." Am 27. August werde daher in gewohnter Art und Weise - "nicht in Frack und Fummel wie im Kuhhirten" - das jährliche Sommerfest begangen.

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