Integrative Ferienwoche "Abenteuer Bauen": Sechs- bis Zwölfjährige toben und arbeiten Grüner Tunnel für die Kinder

Die Natur mit allen Sinnen erfassen. Bei Wind und Wetter draußen herumtoben und dabei auch noch etwas lernen. All das bietet die BUND-Kinderwildnis im Rahmen der integrativen Ferienwoche "Abenteuer Bauen" in Kooperation mit der Lebenshilfe Bremen.
05.04.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Ina Schulze

Die Natur mit allen Sinnen erfassen. Bei Wind und Wetter draußen herumtoben und dabei auch noch etwas lernen. All das bietet die BUND-Kinderwildnis im Rahmen der integrativen Ferienwoche "Abenteuer Bauen" in Kooperation mit der Lebenshilfe Bremen.

Neustadt. Einfach mal drauflosrennen, lauthals schreien und lachen. In der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland)-Kinderwildnis ist dies nicht nur möglich, sondern auch erwünscht. Während der Integrativen Ferienwoche "Abenteuer Bauen" bietet der BUND auf dem Gelände hinter dem Café Sand ein Kinderprogramm an.

"Wir möchten hier den Bezug und die Liebe zur Natur fördern", sagt Tanja Greiß. Dies sei die Basis für einen respektvollen und sorgsamen Umgang mit der Natur. Denn natürlich steht im Hauptfokus der Naturschutz, mit dem die Kinder schon früh konfrontiert werden sollen. Die Fachbereichsleiterin der Umweltbildung beim BUND beschreibt die Ferienprojekte als "Spielen mit Programm". Neben dem Herumtoben lernen sie ganz nebenbei nicht nur etwas über die Natur, sondern auch mit verschiedenen Werkzeugen umzugehen.

"Ich bin hier der schnellste Säger", sagt der zwölfjährige Lucas vom Weidedamm. Er habe aus der Zeitung von der Aktion erfahren und wollte unbedingt dabei sein. Also haben seine Eltern ihn und seinen kleinen Bruder Malte (9) angemeldet. "Ich möchte auf jeden Fall wiederkommen", sagt Lucas freudestrahlend und sägt fleißig die Enden der Weiden ab. Die große Gruppe ist nämlich dabei, einen Tunnel aus Sträuchern zu bauen. Das Bauwerk soll später einwachsen und grün werden. So wird die Kinderwildnis noch attraktiver werden.

Innerhalb einer Woche bauen Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren unter der Leitung von Biologin Nicole Meyer mit Weiden. Die Kleinen können ihre eigenen Ideen einbringen und lernen so, spielerisch mit den verschiedenen Naturmaterialien umzugehen.

Seit 2007 besteht eine Kooperation zwischen dem BUND und der Lebenshilfe Bremen. Neben den dreizehn teilnehmenden Kindern sind vier von der Lebenshilfe dabei. Sie engagiert sich für Menschen mit geistiger Behinderung und deren Angehöriger. Die Kinder lernen sich zunächst kennen und dann im Team zu arbeiten, damit ihr Tunnel schnellstmöglich fertig wird. Während Lucas und Johann (7) sich um die Sägearbeiten kümmern, schaut die kleine Jenny (6) schüchtern zu. Sie habe bei ihrem Urlaub in Kanada schon gelernt, wie sie sich verhalten muss, wenn ihr ein Wolf gegenüber steht. "Ganz still bleiben und nicht weglaufen, sonst denken die, dass du die Beute bist", erklärt sie. Dann packt auch sie die Lust und sie hilft beim Eingraben der Weiden.

Spielen im Abenteuerland

Weiden sind ganz besondere Hölzer. Die Sträucher wurden bereits Ende Januar gefällt und kostenlos vom Deichverband zur Verfügung gestellt. Die biegsamen Laubgehölze schlagen schnell wieder aus. "Die alten, trockenen Spitzen müssen abgeschnitten werden, damit sie wieder kräftige Wurzeln schlagen können", erklärt Lucas. Und so kann sich ein schöner grüner Tunnel für die Kinder bilden. Außerdem können die Kleinen beim Bauen helfen oder sich einfach in der Kinderwildnis austoben.

Im "Abenteuerland" finden sie Hügel, Senken, eine Wasserlandschaft und Matschbaustellen, in denen sie ausgiebig herumtollen können. Verschiedene Erlebniselemente laden zum Klettern, Schaukeln und Spielen ein. Es gibt selbst angebaute Kartoffeln im "Garten des Gedeihens", ein "Schlaraffenland" und einen kleinen gemütlichen Festplatz, wo die Kinder ihre mitgebrachten Pausenbrote essen können.

"Normalerweise gehe ich nach der Schule in den Hort. Da bin ich viel drin", sagt die neunjährige Miriam aus Horn-Lehe, "dabei ist die Natur so schön." Ihr Zwillingsbruder Jores und sie haben früher in der Nähe der Kinderwildnis gewohnt und auf dem öffentlichen Spielplatz viel Zeit verbracht. "Wenn ich jetzt viel arbeite, dann wird mir schneller warm", sagt Miriam, das habe sie hier auch schon gelernt. Ausgestattet mit wetterfester Kleidung kommen die Kinder bei Wind und Wetter und werkeln fleißig mit. Auch die pensionierte Lehrerin Christine Konukiewitz aus dem Stephaniviertel hilft beim Bauen des Tunnels als freiwillige Helferin. "Es macht einfach viel Spaß", sagt sie. Und sie lerne auch noch viel dazu.

Sina vom Hofe ist eine von zwei Betreuerinnen der Lebenshilfe. Je nach Behinderung des Kindes komme eine eigene Betreuerin mit oder zwei für vier Kinder. Die studentische Aushilfskraft habe schon in ihrem Freiwilligen sozialen Jahr mit geistig und körperlich beeinträchtigten Menschen zusammengearbeitet. Anschließend habe sie das Studium der sozialen Arbeit aufgenommen und sich bei der Lebenshilfe beworben.

Tanja Greiß und Nicole Meyer sind ihrerseits studierte Biologinnen. Während der Projektwoche kommen so die verschiedensten Menschen aus ganz Bremen zusammen. Durch die Ferien ist es für viele berufstätige Eltern schwierig, ihre Kinder gut unterzubringen. Das sei auch ein Grund dafür, warum der BUND eine sinnvolle Ferienbetreuung anbiete. Die naturnahe Kinderwildnis sei durch ihre Vielseitigkeit bewegungsfördernd und wirke daher für eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung der Kinder. "Ich möchte auch in den nächsten Ferien wiederkommen", sagt Johann und setzt sich zum Festhalten auf einen Weidenzweig, damit sein neuer Freund Lucas weiter sägen kann.

Die BUND-Kinderwildnis ist auf dem Stadtwerder beim Café Sand zu finden. Weitere Informationen über das BUND-Kinderprogramm gibt es auf der Homepage http://www.bund-bremen.net/.

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