Kritik an Gewoba-Projekt im Hohentor

Grünes Haus missfällt Stadtteilparlament

Der Neustädter Beirat lehnt ein Bauprojekt der Gewoba am Hohentorsplatz aus ästhetischen Gründen ab. Besonders die acht Stockwerke und die grüne Fassade würden nicht ins Umfeld passen.
19.12.2018, 18:04
Lesedauer: 2 Min
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Von Karin Mörtel

Das achtstöckige Haus mit grüner Fassade, das die teilstädtische Wohnungsbaugesellschaft am Hohentorsplatz wie berichtet plant, stößt im Neustädter Beirat auf wenig Gegenliebe. Zwar sei eine Bebauung des Platzes neben der Feuerwehr grundsätzlich eine gute Idee, besonders weil viele der 52 Wohnungen sozial gefördert sein werden. Doch die Höhe und das Aussehen des Gebäudes seien unpassend, argumentieren die Stadtteilpolitiker in ihrem Mehrheitsbeschluss.

Konkret lehnt der Bauausschuss in seiner aktuellen Stellungnahme zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan für den Hohentorsplatz den vorgelegten Entwurf hinsichtlich folgender fünf Punkte ab: Zum einen stört er sich daran, dass die Bauherrin Gewoba aus Lärmschutzgründen auf Balkone verzichtet. Das „widerspricht den Interessen der künftigen Bewohnerinnen und Bewohner“, schreibt der Beirat in seinem Beschluss und fordert, es sollten „zumindest auf der lärmabgewandten Seite Loggien oder Balkone errichtet werden, um die Wohn- und Aufenthaltsqualität zu verbessern.“ Der zuständige Architekt der Gewoba, Johann Plagemann, verweist auf Nachfrage jedoch auf ein Lärmgutachten, das gezeigt habe, „dass es an dem Gebäude keine lärmabgewandte Seite gibt.“

Balkone und Spielmöglichkeiten fehlen

Außerdem fordert der Beirat, dass vor Ort Spielmöglichkeiten für Kinder geschaffen werden. Weil es dafür im Außenbereich des Grundstücks keinen geeigneten Platz gibt, stellen sich die Stadtteilpolitiker zumindest eine Art Tobe-und Aufenthaltsraum für Kinder und Jugendliche im Erdgeschoss vor. Außerdem solle das Flachdach „mindestens für die Bewohnerschaft, möglichst aber auch für die Nachbarschaft zugänglich und nutzbar sein“, steht in dem Forderungskatalog.

Die Gewoba hingegen verweist auf die unmittelbare Nähe zum Hohentorspark und den Neustadtswallanlagen mit mehreren Spielmöglichkeiten und Erholungsraum für große und kleine Bewohner. „Zahlreiche Nachbarn durch das Treppenhaus aufs Dach zu lotsen, halten wir außerdem für nicht wünschenswert“, so Plagemann.

Auch die äußere Gestaltung des Hauses trifft harsche Kritik: Das renommierte Architekturbüro „Hild und K.“ aus München sieht wie berichtet grüne Kacheln an den Hauswänden vor, die im Verlauf hin zum begrünten Flachdach immer heller werden. Dies lehnt der Beirat ab. „Das Material fügt sich nicht in die nachbarschaftliche Umgebung ein“, heißt es in der Begründung. Der Beirat will daher bei der Entscheidung über die äußere Gestaltung mit einbezogen werden. Doch genau das sei bereits geschehen, sagt Johann Plagemann. In die Juryentscheidung des zugehörigen Architekturwettbewerbs sei ein Mitglied des Ortsamtes eingebunden gewesen. „Daher war der Stadtteil durchaus bei der Auswahl des Siegerentwurfs beteiligt“, betont Plagemann. Dies nun dennoch erneut zu fordern, sei aus seiner Sicht unverständlich.

Zu hoch und zu grün

Und zuletzt spricht sich der Beirat gegen die vorgesehene Höhe aus: Die geplanten acht Geschosse seien „im Verhältnis zu den umliegenden, überwiegend viergeschossigen (plus Dachgeschossausbau) Wohngebäuden überdimensioniert“ und würden der gewollten städtebaulichen Aufwertung des Quartiers am Hohentorsplatz widersprechen.

Plagemann zeigt sich erstaunt über diese Grundsatzkritik: „Das war im Vorfeld nicht absehbar, da wurde hauptsächlich die Stellplatzsituation problematisiert“, so der Architekt. Und diesen Punkt habe die Gewoba bereits „komplett ausgeräumt“. Der aktuelle Plan sehe vor, die Ausgleichszahlung für die fehlenden Stellplätze für die Bewohner zu investieren, um den Bau einer Carsharing-Station direkt vor dem Haus mitzufinanzieren.

In Bezug auf die Kritik an der Höhe verweist der Gewoba-Architekt darauf, dass im Zuge der Sanierungsplanung an dieser Stelle stets ein hohes Haus vorgesehen gewesen sei. „Daher sehen wir das anders als der Beirat“, sagt Plagemann.

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