Beirat Neustadt formuliert Ansprüche

Forderungskatalog zu Hachez-Gelände

Noch ist das Firmengelände von Hachez gar nicht frei und dennoch fordert der Beirat Neustadt schon jetzt vehement ein, dass die Stadtteilinteressen bei einer Entwicklung Vorrang haben sollen.
22.06.2020, 05:00
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Von Karin Mörtel
Forderungskatalog zu Hachez-Gelände

Das Hachez-Gelände von oben. Was genau hier entstehen soll ist zwar noch offen, doch der Beirat hat schon seine Ideen unterbreitet.

Christian Walter

Noch bevor die Pläne für das Firmengelände des Schokoladenherstellers Hachez an der Westerstraße bekannt sind, hat nun der Neustädter Beirat Stellung bezogen zu einer möglichen Entwicklung des Areals.

Es geht um die Frage, was aus dem zentral an der Innenstadt gelegenen Grundstück wird, weil das 2012 vom dänischen Wettbewerber Toms übernommene Unternehmen seine Produktion mittlerweile nach Polen verlagert hat. Damit wird das Areal mutmaßlich für andere Nutzungen frei. Im September 2019 haben sich Geschäftsleitung und Betriebsrat auf einen Sozialplan für die rund 130 betroffenen Mitarbeiter geeinigt. Bereits im Januar 2020 hat die letzte Praline das Bremer Werk verlassen, heißt es von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten NGG.

Noch keine Entscheidung über Gelände-Verkauf

Etwa 80 Mitarbeiter aus Vertrieb und Marketing könnten in Bremen bleiben, um von hier aus Hachez, Feodora und die dänische Marke Anthon Berg für den deutschen Handel zu bespielen. Ob dies am jetzigen Standort oder an anderer Stelle geschieht, ist indes noch offen. Laut Hachez-Geschäftsführung ist noch keine Entscheidung darüber gefallen, ob oder wann das etwa ein Hektar große Areal verkauft werden soll. Momentan heißt es, es liefen weiterhin Gespräche mit der Stadt, die sich das Vorkaufsrecht für das Grundstück gesichert hat.

„Wir wollen nicht immer wie in der Vergangenheit nur auf die Vorstellungen von Investoren und Stadt reagieren, sondern diesmal schon früh aktiv die Interessen des Stadtteils an dieser Stelle einbringen“, begründete am Donnerstagabend Jens Oppermann (SPD), Fachausschusssprecher „sozial-ökologische Stadtentwicklung“ diese ungewöhnlich frühe Stellungnahme. Zwei eng beschriebene Seiten umfasst der entsprechende Forderungskatalog des Beirates. Dieser enthält sowohl die Ergebnisse eines Beteiligungsworkshops von Anfang März als auch die mehrheitsfähige Schnittmenge von unterschiedlichen Vorstellungen der einzelnen Beiratsparteien.

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„Das Hachez-Gelände spielt eine bedeutende Rolle für die zukünftige Stadtteilentwicklung der Neustadt“, so Oppermann. Der Beirat Neustadt fordere daher im Zusammenhang mit der Aufstellung des Bebauungsplanes für das Hachez-Gelände „die Schaffung eines sozial und ökologisch nachhaltigen Wohnquartiers, die Berücksichtigung öffentlicher Anliegen an sozialer und kultureller Infrastruktur sowie die Einbeziehung der Interessen der Neustädter Bürgerinnen und Bürger.“

Im nachfolgenden Text konkretisiert der Beirat seine Forderungen für diese drei Bereiche an Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne). Zu einem sozial und ökologisch nachhaltigen Wohnquartier zählt für den Beirat demnach sozial geförderter Wohnraum. Außerdem solle die Bausenatorin sich an dieser Stelle für Wohnraum für Studierende sowie für Flächen für gemeinschaftliches Wohnen und genossenschaftliches Bauen einsetzen.

Gewerbefläche soll ökologisch aufgewertet werden

Zeitgleich solle die Gewerbefläche ökologisch aufgewertet und entsiegelt werden und somit Platz für Grün schaffen, das aber auch an Hauswänden und Dächern erwünscht ist.

Nach Vorstellung des Beirates solle das Quartier auch autofrei sein, die vorhandene Industriearchitektur weitgehend erhalten und energieeffizient saniert werden. Wichtig sind den Stadtteilparlamentariern auch Räume für gemeinsames Arbeiten sowie die Ansiedlung kleiner Handwerks- oder Dienstleistungsbetriebe, die mit der Wohnfunktion verträglich sind.

Zentrale Forderung des Beirates: Eine „Höhenbegrenzung der Gebäudestrukturen auf fünf Geschosse“. Das ist erwartbar gewesen, haben doch in den vergangenen Jahren einige Bauherren von den Neustädter Beiratsmitgliedern Gegenwind bekommen für ihre aus deren Sicht zu hoch geplanten Gebäude.

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Beim zweiten Punkt, der sozialen und kulturellen Infrastruktur, fällt auf, dass nicht mehr das im Vorfeld von der Linksfraktion
geforderte Bürgerzentrum erwähnt wird. Stattdessen steht in dem interfraktionell abgestimmten Papier, dass ein „modulares Stadt- und Ortsteilzentrums Neustadt“ entwickelt werden soll: Darin sollen unter einem Dach das Ortsamt Neustadt/Woltmershausen, das Stadtteilmanagement sowie der Beirat ausreichend Räume für ihre Arbeit vorfinden.

„Außerdem kann sich dort in eigenen Räumen ein Kulturverein ansiedeln, der einen multifunktionalen Raum für die kulturellen Ideen der Neustädter Bürgerinnen und Bürger betreibt“, heißt es weiter. Das Hachez-Gelände sei zudem eine geeignete Fläche, um neben dem Ortsamt auch noch weitere öffentliche Gebäude wie eine Kita, eine Grundschule oder eine Erweiterung der Hochschule Bremen zu errichten.

Bausenatorin soll Räume für verschiedene Angebote prüfen

Der Beirat Neustadt fordert die Bausenatorin auf, die im Fachausschuss sozial-ökologische Stadtentwicklung gesammelten Ideen aus der Bevölkerung daraufhin zu prüfen, ob eine Berücksichtigung auf dem Gelände möglich ist. Dazu zählen beispielsweise Räume für soziale Einrichtungen und Bildungsangebote, Räume für Gesundheitsangebote sowie Therapie- und Arztpraxen.

Um die Interessen der Neustädter Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen, sollte es aus Sicht des Beirates einen breit angelegten Beteiligungsprozesses geben. Zudem fordert das Gremium, dass die Bausenatorin „den vom Beirat begonnenen konstruktiven Dialog mit der Initiative Schokotopia in Bezug auf die weitere Planung des Geländes fortsetzt.“

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5 Geschosse, das ist das Maximum, das sich der Beirat vorstellen kann, sollten neue Häuser auf dem Hachez-Gelände gebaut werden.

80 Mitarbeiter von Hachez könnten in Bremen weiterarbeiten. Ob sie auf dem Gelände an der Westerstraße bleiben oder an einen anderen Standort umziehen, ist noch unklar.

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