Hachez-Quartier

Bürgerbeteiligung startet mit Präsentation der Pläne

Ein Hort für Ideen, samt Ortsamt, aber wenig Autos, dem Klimaschutz und den Menschen verpflichtet und als neues Zentrum für den Stadtteil geplant: das Hachez-Gelände soll komplett neu gedacht werden.
17.06.2021, 11:15
Lesedauer: 4 Min
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Von Gerald Weßel
Bürgerbeteiligung startet mit Präsentation der Pläne

Viele Ideen für ein großes Gelände: Im Rahmen der Bürgerbeteiligung öffnen sich am Sonnabend, 19. Juni, in der Zeit von 14 bis 17 Uhr die Tore an der Westerstraße  32 für interessierte Bürger.

Christina Kuhaupt

Nach vielen Gesprächen, Vorschlägen und der städtischen Absichtserklärung nimmt die Sache langsam Fahrt auf: Am Dienstagabend wurden erste Pläne für das Hachez-Gelände vorgestellt, und am Sonnabend können Bürger das Gelände besichtigen.

„Wir wollen ein hoch attraktives Quartier für ein lebendiges Milieu für Bremen entwickeln“, sagte Simone Geßner, von der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa beim Auftakt der Bürgerbeteiligung am Dienstag. Das Interesse der Öffentlichkeit war groß, immerhin geht es um fast 30.000 Quadratmeter Geschossfläche für unterschiedliche Nutzungsformen – darunter Wohnraum für etwa 300 bis 450 Menschen.

Bauarbeiten für Hachez-Quartier ab 2022

Aus dem einstigen Fabrikgelände soll „ein neues Herz der Alten Neustadt“ werden, wie es die Stadt und vom Grundstückseigentümer beauftragte Architekten beschreiben. Die Bauarbeiten sollen frühestens 2022 starten.

Möglichst viel der vorhandenen Bausubstanz soll erhalten bleiben. Aus Sicht des Architektenteams Kobe aus Kopenhagen, die die Vorgaben des Denkmalschutzes beachten müssen, gibt es „drei Diamanten“: das Kontor- und Eingangsgebäude an der Westerstraße, die ehemalige Fertigung im Zentrum des Geländes und die Fabrik an der Großen Annenstraße. Ersteres könnte als Orientierungspunkt des neuen Geländes dienen. Der Bau im Zentrum könnte die „historische Heimat“ symbolisieren, um die alte Identität weiterzutragen, schlug Architektin Caroline Nagel vor. „Vielleicht biete sich ein kleines Café mit eigener Schokoladenproduktion an“, überlegte sie laut. In der alten Fabrik könnten die angedachten Wohnungen geschaffen werden.

„Es ist Konglomerat an Gebäuden aus verschiedenen Epochen“, beschrieb Nagel den Istzustand. „Ein Stück weit Patchwork eben“, wie Kristina Beckendorf als Vertreterin des Eigentümers des Quartieres, der Toms Gruppe (Süßwarenhersteller aus Dänemark), ergänzte. Diese Vielfalt soll auch die künftige Nutzung widerspiegeln: „Ganz wie eine Pralinenschachtel“, sagte Beckendorf. „Eine Auslese an Architektur, Materialien und Funktionen“, stimmte Nagel zu.

Im Vordergrund dieser Überlegungen stehen zum Beispiel die für die Fabrikgebäude typischen robusten Materialien, die in eine moderne Architektur einfließen sollen. Eingängen und Passagen kommt eine hohe Bedeutung zu – das Gelände soll auf mehr als nur einem Weg betreten und auch durchquert werden können.

Autos sollen in die Tiefgarage verbannt werden

Auch der Klimaschutz steht im Zentrum der Geländeentwicklung. „Wir wollen ein Quartier, das mit dem Thema CO2-Minimierung umgehen kann“, stellte Axel König von der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau auf Nachfrage klar – und meinte die Nutzung regenerativer Energien und pro Einwohner sechs Quadratmeter öffentlich zugängliche Grünfläche. Auch die Ausrichtung aufs Auto soll gedrosselt werden, wie Fabienne Korte von SHP aus Hannover erklärte. Sie gehört zum Team, dass das neue Mobilitätskonzept erstellt. Sharing-Angebote für die Bewohner und in den Mietpreis integrierte Mobilitätspakete sollen Anreize bieten. Damit parkende Fahrzeuge möglichst wenig Raum beanspruchen, soll es eine Tiefgarage geben.

Fest steht, dass 50  Prozent des neuen Quartiers dem Wohnen dienen soll. Hochhäuser wird es keine geben. 30 Prozent sollen gewerblich und/oder öffentlich genutzt werden. Das Ortsamt Neustadt/Woltmershausen soll beispielsweise wohl auch umziehen, wie Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon mitteilte. Auf einem Fünftel der Fläche sind sogenannte hybride Nutzungen geplant – etwa Coworking, Co-Living oder Werkstatt-Wohnen. Vor allem der dritte Bereich soll nach einhelliger Meinung der bei der Präsentation anwesenden Akteure stark von der Bürgerbeteiligung beeinflusst werden.

Potenzieller Investor muss die Pläne fürs Hachez-Quartier berücksichtigen

Die Stadt besitzt für das Gelände ein Vorkaufsrecht, um die Ziele des beschlossenen Bebauungsplanes durchzusetzen. Dieses greift aber nur, wenn ein Verkauf angestrebt wird, was momentan aber vonseiten der Eigentümer nicht der Fall ist. Sollte sich dies aber ändern, womit zu einem späteren Zeitpunkt laut Beckendorf zu rechnen ist – der Schokoladenhersteller sei eben kein Immobilienverwalter – müsse der neue Eigentümer den Plänen und Zielen treu bleiben. Sollte er dies nicht tun, kann die Stadt eingreifen.

Man sehe die Stadt hier dann auch in der Pflicht, betonten Marita Steinke und Carola Schulz, Vertreterinnen der Klimawerkstadt, Lucies Stadtgarten und der Schokotopia-Initiative. Sie wünschen sich neben kostengünstigem Wohnraum vor allem auch Räume für Gruppen und Veranstaltungen und generell: weniger Stadtplanung vom Reißbrett, sondern mehr von der Bevölkerung des Stadtteils.

Zur Sache

Eine bewegte Firmengeschichte

Joseph Emile Hachez und Gustav Linde etablierten am 1. Juli 1890 die Bremer Chocolade-Fabrik Hachez an der Hutfilterstraße in der Bremer Altstadt. 1895 erfolgte der Umzug des Unternehmens an den Standort an der Westerstrasse in der Neustadt. Hier entstand ein moderner Produktionsbetrieb des Industriezeitalters. Die Kriegszerstörungen und die folgende Stilllegung 1943 brachten fast den Niedergang. Es folgte eine schwere Zeit, in der sich erst 1953 durch die Partnerschaft mit der Zuckerraffinerie Tangermünde neue Perspektiven ergaben. 1985 übernahm diese das Unternehmen komplett. Im Jahr 2012 griff dann der dänische Süßwaren-Hersteller Toms Gruppen A/S zu. 2019 endete die Produktion vor Ort zugunsten eines Standorts in Polen. Der Vertrieb und das Marketing des Unternehmens zogen 2020 ins neue Tabakquartier in Woltmershausen.

Info

Am Sonnabend, 19. Juni, öffnen sich in der Zeit von 14 bis 17 Uhr die Tore an der Westerstraße  32 für interessierte Bürger. Gebäudebesichtigungen sind aus Sicherheitsgründen allerdings nicht möglich. Mehr Informationen zum Projekt gibt es online auf www.hachez-quartier.de. Kontaktmöglichkeiten zur Bürgerinitiative Schokotopia finden sich auf www.schokotopia-bremen.info.

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