Interview mit Bremer Mitglied des Bürgerrats

„Ich würde bestimmt wieder teilnehmen“

Johannes Richter war der einzige Bremer beim Bürgerrat Deutschland. Im Interview berichtet der 22-Jährige über seine Erfahrungen bei der Mitarbeit in der Reisegruppe „Demokratie und Rechtsstaat“.
26.02.2021, 18:21
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
„Ich würde bestimmt wieder teilnehmen“
Von Markus Peters

Was haben Sie gedacht, als Sie im November das Einladungsschreiben von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) im Briefkasten fanden?

Johannes Richter: Im ersten Moment habe ich natürlich an einen Schwindel oder an einen Werbebrief geglaubt, aber nach einer kurzen Google-Suche bin ich relativ schnell darauf gekommen, dass das Schreiben echt ist. Da ich politisch interessiert bin und bereits ein Freiwilliges Politisches Jahr bei einem Bürgeramt in Bremen gemacht habe, war es für mich klar, dass ich da mitmachen will. Als ich dann drei Wochen später genommen wurde, habe ich mich sehr darüber gefreut, als einer von 160 unter 83 Millionen Bundesbürgern für den Bürgerrat ausgewählt worden zu sein.

Welches Thema hat Sie denn im Bürgerrat besonders interessiert?

Nach den ersten drei Veranstaltungen im Plenum wurden wir den sogenannten Reisegruppen zugelost. Ich bin bei „Demokratie und Rechtsstaat“ gelandet und habe mich insbesondere mit dem Verhältnis Deutschlands zu Russland und China beschäftigt. Dazu gab es jeweils Impulsvorträge von Experten. Ein spannendes Thema, da beide Staaten ein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat haben und daher Sanktionen gegen sie nicht einfach durchzusetzen sind. Das wir mir vorher noch nicht so klar.

Lesen Sie auch

Wurden solche Fragen innerhalb der Gruppe kontrovers diskutiert?

Eigentlich nicht, da durch die Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema relativ schnell deutlich wurde, dass die Handlungsmöglichkeiten der Politik häufig eher gering sind. Deshalb waren wir uns bei der Diskussion in der Gruppe meist schnell einig. Das hat mich gewundert. Kontroverser als diese Diskussionen waren meist die Kommentare, die unter der Online-Präsentation der Ergebnisse zu lesen waren.

Wenn Politik so komplex ist und die Handlungsmöglichkeiten begrenzt, was kann ein Bürgerrat überhaupt bewirken?

Der Bürgerrat kann der Politik eine andere Sicht auf die Dinge vermitteln als zum Beispiel die Wirtschaft, die durch Lobby-Organisationen ihre Anliegen gut vertreten kann.

Lesen Sie auch

Kann ein solches Instrument wie ein Bürgerrat überhaupt erfolgreich sein, oder bleibt es nur ein Feigenblatt für eine stärkere Bürgerbeteiligung?

Wir waren da am Anfang auch recht skeptisch. Aber am Ende zeigten die Befragungen, die regelmäßig durchgeführt wurden, doch eine optimistischere Sichtweise. Wir haben in unseren Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass sich die Politiker für die Meinung des Bürgerrats interessieren. Deshalb sollte das Experiment auf jeden Fall fortgesetzt werden. Ich würde bestimmt wieder teilnehmen.

Das Gespräch führte Markus Peters.

Info

Zur Person

Johannes Richter war das einzige Bremer Mitglied des Bürgerrats. Der 22-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Fachinformatiker und lebt in der Neustadt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+