Pläne für Autohaus-Gelände vorgestellt 500 neue Wohnungen für das Kornquartier

Ein nahezu autofreies Quartier mit 500 Wohnungen, Gewerbe und Freiräumen für die Allgemeinheit planen Investoren im Kornquartier an der Kornstraße in Huckelriede. Den Anwohnern ist das zu viel für den Ortsteil.
05.11.2020, 11:51
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Von Karin Mörtel

Es ist ein lebendiges und modern anmutendes Stück Stadt, das auf den Bildern zum neuen Kornquartier rings um das ehemalige Autohaus-Brinkmann-Gelände an der Kornstraße zu sehen ist: Menschen sitzen auf begrünten Plätzen und trinken Kaffee zwischen abwechslungsreich gestalteten Häusern aus Glas, Stein und Holz. Kinder spielen nebenan und auf dem Rad sind Menschen ganz unbehelligt von Autoverkehr im Quartier unterwegs. Für viele Teilnehmer einer digitalen Einwohnerversammlung am Dienstagabend sind diese gezeigten Entwürfe der Investoren allerdings noch schwer vorstellbar gewesen. Momentan dominiert noch die verlassene Schauhalle für Neuwagen das Gebiet zwischen Kornstraße und Bezirkssportanlage.

Eine Investorengemeinschaft der beiden Bremer Projektentwickler Plankontor Projekte und Tektum Holding haben in Huckelriede das Autohaus-Gelände sowie angrenzende Bereiche erworben. Eigentümerin ist die neu gegründete Projektentwicklungsgesellschaft Kornstraße. Gemeinsam mit der Stadt haben die Investoren im Sommer 2019 einen städtebaulichen Ideenwettbewerb gestartet, um die beste Lösung für die Gewerbebrache zu finden. Als Gewinner ging das Bremer Büro Hilmes Lamprecht Architekten hervor, das seither den Entwurf deutlich verfeinert hat.

Noch laufen die Vorbereitungen, um ein offizielles Verfahren zur Aufstellung eines zeitgemäßen Bebauungsplanes starten zu können. Genau das ist notwendig, um das heutige Gewerbegebiet in ein von Stadt und Eigentümern gewünschtes sogenanntes Urbanes Gebiet umzuwandeln, in dem Wohnen und Arbeiten gleichermaßen möglich ist. Dabei handelt es sich um einen bauplanungsrechtlichen Begriff. Eine Einstufung als Urbanes Gebiet erlaubt unter anderem eine höhere und dichtere Bauweise. Wenn die Bürgerschaft beschließt, dass ein neuer B-Plan erarbeitet werden soll, bekommen Bürger, Stadtteilpolitik und Interessenvertretungen während der öffentlichen Auslegung der Pläne Gelegenheit, Stellung zu dem Projekt zu beziehen.

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Stand heute, könnten auf dem drei Hektar großen Areal etwa 500 Wohnungen für ältere Menschen, Studierende, Familien und unterschiedliche Arten von Wohngemeinschaften entstehen, erklärte Architektin Ebba Lamprecht. Genau festgelegt sei diese Zahl allerdings noch nicht, da sich die Planung noch in einem sehr frühen Stadium befinde. Mindestens 30 Prozent der Wohnungen sollen öffentlich geförderte Sozialwohnungen sein.

In zwei sogenannten Mobilitätshäusern an den Zugängen zum Quartier sind neben Stellplätzen für private und gemeinschaftlich genutzte Autos auch einige für Fahrräder vorgesehen. Das restliche Gebiet ist autofrei geplant, sodass alle Wege ohne Bordsteine auskommen und damit gleichberechtigt von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden können. Viel Grün gibt es dann nicht nur rings um die Häuser, in einem Innenhof sowie entlang der Wege und Plätze, sondern teilweise auch an den Fassaden und darüber hinaus. Die Gründächer erhalten zudem Fotovoltaik-Anlagen und sind teilweise mit Gewächshäusern, Spielflächen und weiteren Möglichkeiten der gemeinschaftlichen Nutzung ausgestattet.

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Neben einer Kornhalle genannten Markthalle mit gastronomischem Angebot und Einkaufsmöglichkeiten soll es unter anderem ein Fitnessstudio, ein Ärztehaus sowie altersbetreutes Wohnen und eine Kita geben. In einer umgebauten Lagerhalle gibt es zudem die Möglichkeit für die Allgemeinheit, eine als Stadtbühne bezeichnete Fläche mit eigenen Ideen zu beleben. Außerdem sind Gewerbeflächen geplant: Manufakturen, ein Hotel und Räume für Coworking sollen hier einziehen. Das alles soll meist direkt über- oder nebeneinander in Häusern untergebracht sein, die zwischen zwei und – in einem Fall – acht Stockwerke hoch angedacht sind.

Für das autofreie Konzept gab es Anerkennung von den Versammlungsteilnehmern, Sorge und Kritik äußerten jedoch mehrere Anwohnerinnen im Hinblick darauf, wie hoch und stark verdichtet an dieser Stelle gebaut werde – das Urbane Gebiet wurde Gegenstand der Diskussion. „Wir bieten dort eine extreme Nutzungsmischung, wie sie für Bremen außergewöhnlich ist“, erklärte Investor Jost Paarmann von der Gesellschaft Plankontor. Um ein lebendiges Quartier zu erzielen und die hohe Nachfrage nach Wohnraum zu bedienen, sei eine gewisse Baudichte notwendig. „Aber wir haben dort moderate Abstände.“ Insgesamt geht er von einem Investitionsvolumen in Höhe von etwa 250 Millionen Euro aus. Gewünschter Baubeginn sei 2025.

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Oda von Meding von der Bürgerinitiative Protest Huckelriede, äußerte nach der Sitzung Kritik an der Stadtplanung Bremens: „Es wird bei diesem Projekt wieder einmal nicht deutlich, wie Huckelriede mit all diesen neuen Bewohnern funktionieren soll.“ Die Initiative befürchtet, dass angesichts von fast 2000 neuen Wohnungen, die derzeit im Bau oder in Planung sind, die Schullandschaft, die Straßen, das Radwegenetz und weitere Teile der Infrastruktur überlastet werden könnten. Das angekündigte Gesamtkonzept für den Ortsteil ließe schon viel zu lange auf sich warten. „Wir Menschen in Huckelriede brauchen dringend Antworten auf unsere Fragen und wollen eine echte Bürgerbeteiligung zur Zukunft unseres Stadtteils.“

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