Mitstreiter gesucht

Jugendliche wollen mitbestimmen

Selber mitmischen statt nur Erwachsene reden und entscheiden zu lassen – das ist das Ziel der neu gegründeten Jugendinitiative Neustadt. Die Jugendlichen haben schon viele Ideen, suchen aber noch Mitstreiter.
27.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Jugendliche wollen mitbestimmen

Max Antpöhler und Meret Göhring sind Gründungsmitglieder der Jugendinitiative Neustadt und hoffen, dass sich ihnen weitere Mädchen und Jungen anschließen.

Roland Scheitz

Sie wollen mitbestimmen und mitdiskutieren anstatt allein Erwachsene darüber sprechen und entscheiden zu lassen, was sie selbst betrifft. Etwa zehn Mädchen und Jungen aus der Neustadt haben kürzlich eine Jugendinitiative gegründet. Ihr Ziel: Eigene Ideen umsetzen und ein Sprachrohr sein für die Interessen junger Menschen im Stadtteil.

Max Antpöhler und Meret Göhring zählen zu den Gründungsmitgliedern, die bereits 2019 fanden, dass genau so eine Anlaufstelle für ihre Generation im Stadtteil fehlt. „Während einer Fortbildung für Schülervertretungen ist uns klar geworden, dass es auch über schulische Fragen hinaus weitere Wünsche gibt, die wir in die Politik tragen wollen“, sagt Göhring.

Aber seit 2017 der Neustädter Jugendbeirat sich selbst aufgelöst hatte, gibt es keine offizielle Jugendvertretung mehr im Stadtteil. Daher steht für die beiden 18-Jährigen fest: „Jugendliche werden nicht genügend bei Entscheidungen, die die Neustadt betreffen, mit einbezogen.“ So steht es in einem Leitfaden, den sie gemeinsam mit weiteren engagierten Schülerinnen und Schülern während eines Seminars im Lidice-Haus erarbeitet haben. Der Neustädter Beirat hatte das benötigte Geld für die Planungstage zur Verfügung gestellt, damit die jungen Leute in der Jugendbildungsstätte ihre Wünsche und Ziele als künftige Jugendvertretung zusammentragen können.

„Wir wollen nicht sofort Jugendbeiratswahlen durchführen, sondern erst einmal etwas freier als Jugendinitiative Neustadt starten“, erklärt Antpöhler ein zentrales Ergebnis. Denn Wahlen sind organisatorisch aufwendig durchzuführen und teuer, hat Göhring in Erfahrung gebracht. Weiterer wichtiger Grund, der durch den vorherigen Jugendbeirat deutlich geworden sei: „Wir wollen jetzt mit unseren Ideen starten und nicht gleich zu Beginn unserer Arbeit hinter ganz viel Bürokratie und Organisationsaufwand verschwinden.“

Ziel bleibt Jugendbeirat

Die Gründung eines Jugendbeirates bleibt aber weiterhin das Ziel der Gruppe. „Aber erst dann, wenn nicht nur ein paar, sondern viele Jugendliche merken, dass sie direkt von sehr vielen Bereichen der Politik betroffen sind und wissen, wie sie sich einbringen können“, erklärt Göhring. Konkret will die Jugendinitiative regelmäßig Jugendforen abhalten, zu denen jeder junge Mensch aus dem Stadtteil kommen und seine Meinung sagen kann. „Dort wollen wir Wünsche und Ideen sammeln und Aktionen planen“, so Antpöhler.

Außerdem haben die Gründungsmitglieder bereits drei zentrale Themen aufgetan, für die sie sich besonders stark einsetzen wollen: Bildung, soziale Gerechtigkeit und mehr Grün im Stadtteil. „Es macht mich wütend, wenn ich besonders jetzt zur Coronazeit miterlebe, wie ungleich die Bildungschancen für verschiedene Schüler sind, das muss sich dringend ändern“, sagt Göhring. Die Probleme deutlich benennen, unbequem sein und gegenüber erwachsenen Politikerinnen und Politikern auch für diejenigen kämpfen, die es selbst nicht können – das ist das Ziel.

Neben politischen Forderungen stehen aber auch beispielsweise neue Urban-Gardening-Projekte auf der Wunschliste der jungen Leute. Selber Blumen auf Brachflächen ansäen oder verwahrloste Ecken des Stadtteils aufpeppen – es gibt schon viele Ideen. Woher das Geld für solche Aktionen kommen könnte, ist aber noch unklar. Als Jugendbeirat hätten sie ein eigenes Budget. „Momentan klären wir noch, ob wir über Globalmittelanträge an den Beirat Projekte finanzieren oder andere Wege finden“, sagt Göhring.

Hoffnung auf Mitstreiter

Antpöhler bricht mit seinem Abitur in der Tasche bald für ein Freiwilligenjahr ins Ausland auf. Dennoch glaubt er daran, dass genügend engagierte junge Menschen im Stadtteil leben, um die Initiative und auch später einen Jugendbeirat am Laufen zu halten. „Wir wollen eben nicht die Fehler des alten Jugendbeirats wiederholen, bei denen nur sehr wenige Ältere alles geregelt haben“, sagt Antpöhler. Als die dann nach der Schule die Stadt verlassen haben oder wegen einer Ausbildung keine Zeit mehr hatten, sei die Arbeit zum Erliegen gekommen.

„Wir setzen darum auf eine gute Mischung aus Älteren bis Anfang 20 und Jüngeren ab etwa elf Jahren, die aber alle mit eingebunden sind“, sagt Göhring. Ideal wäre es aus ihrer Sicht außerdem, aus allen Ortsteilen und Schulen abseits der Grundschulen Mädchen und Jungen für die Jugendinitiative gewinnen zu können. Und zwar egal, ob deren Familien eher wenig oder viel Geld zur Verfügung haben. „Damit wir für möglichst alle Jugendlichen der Neustadt sprechen können und auch deren Wünsche und Bedürfnisse kennen“, so Göhring.

Momentan würden besonders viele Jugendliche aus der Oberschule am Leibnizplatz mitmachen und nur wenige aus der Wilhelm-Kaisen-Oberschule und der Inge-Katz-Schule. Damit sich das ändert, hat die Gruppe mit den Freizeitheimen vereinbart, dass dort Werbung für die neue Arbeit der Jugendinitiative gemacht wird. Göhring: „Wir wollen zunächst einmal noch mehr werden und freuen uns über alle, die mitmachen wollen.“

Weitere Informationen

Wer Fragen zur Jugendinitiative Neustadt hat oder mitmachen möchte, kann über die E-Mailadresse jugendinitiative.bremen@gmx.de Kontakt aufnehmen.

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