Erlebnis Garten, Erlebnis Natur

BUND startete in der Kinderwildnis ein neues Programm

Aus einer Wiese am Rande eines Kleingartengebiets hat der BUND ein Naturerlebnisgelände gemacht. Hier, in der „Kinderwildnis“ ist aktuell einiges los.
12.04.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Hildebrandt
BUND startete in der Kinderwildnis ein neues Programm

Das Anlegen von Hochbeeten ist in der Kinderwildnis Teamsache.

Roland Scheitz

In die Kinderwildnis des BUND ist immer mehr Vielfalt eingekehrt: Aus einer Wiese am Rande eines Kleingartengebiets wurde ein Naturerlebnisgelände mit Hügeln und Senken, Gräben und kleinen Wasserlandschaften entwickelt. Heute verfügt die Kinderwildnis auch über eine Streuobstwiese, ein Insektenhotel oder eine Weidenschnecke, aber auch über einen großen Garten mit Hochbeeten und sogar über Hühner.

„In diesem Jahr bieten wir einmal monatlich Kindern ab acht Jahren Erlebnisse im Garten der Kinderwildnis an“, sagt Tanja Greiß, die beim BUND Bremen die Umweltbildung leitet. „Sie können von März bis Ende Oktober, also von der Aussaat bis zur Ernte, verschiedene Gemüsesorten wachsen und reifen lassen.“

Gartenarbeit mit Naturerlebnissen verknüpft

Doch die Gartenarbeit ist nicht alles, denn sie wird mit Naturerlebnissen verknüpft: Unter Anleitung von Mirja Bauer gehen die Kinder nach dem Säen, Pflanzen oder Jäten auf die Pirsch und erforschen die heimische Tier- und Pflanzenwelt. „Denn in der Kinderwildnis gibt es einiges zu entdecken“, sagt Klaus Milde, der fast jeden Tag auf dem Gelände ehrenamtliche Arbeit leistet. „Im Insektenhotel nisten viele Wildbienenarten, Frösche laufen durch das Gras, und auf den Bäumen springen Eichhörnchen von Ast zu Ast“, sagt er.

Der erste Tag der „Gartenerlebnisse“ beginnt mit dem Füllen eines Hochbeets: Ganz unten kommen Äste und Zweige hinein, darüber die Grasnarbe, dann Kompost und schließlich Blumenerde. Fünf Kinder sammeln das Holz für die unterste Schicht. Äste, Zweige und Reste von Stämmen liegen überall verstreut auf dem Gelände der Kinderwildnis: in dem kleinen Wäldchen, aber auch unter Gebüschgruppen oder auf dem Rasen, der von zahlreichen anderen Kindern zum Spielen genutzt wird. Mit Schiebkarren wird das Holz zu einem großen Hochbeet im Garten gefahren – doch beim Blick auf Äste und Zweige geht es mit den Naturerlebnissen schon los: Ameisen wimmeln umher, Asseln eilen ins Dunkle, kleine Spinnen huschen über den Boden, und ein Schnellkäfer macht einen überraschenden Sprung, als er auf dem Rücken zu liegen kommt.

Kinder genießen es, wieder länger draußen sein zu können

„Ich freue mich besonders auf die Ernte, aber ich will auch möglichst viele Tiere beobachten“, sagt der achtjährige Kian. Lisbeth und Sinah, beide zehn Jahre alt, genießen es, wieder länger draußen sein zu können, denn wegen Corona haben sie viel Zeit in ihren eigenen vier Wänden verbracht. „Und außerdem lernt man hier etwas“, sagt Lisbeth. Zum Beispiel, wie man ein Hochbeet fachgerecht bestückt. Sie packt das Holz und wirft es mit Schwung in den noch leeren Kasten.

Den ersten Gartentag nimmt ganz das Füllen des Hochbeets in Anspruch. Ausgesät wird später. Und nach getaner Arbeit geht es auf Entdeckungstour durch die Kinderwildnis: Der Jahreszeit entsprechend heißt das Thema „Frühjahrsblüher“. Das Scharbockskraut bildet längst dünne Teppichen aus runden Blättern, auch wenn es bisher nur vereinzelt blüht. „Und so lange sich die Blüten nicht entwickelt haben, kann man die Blätter gut essen“, sagt Klaus Milde und lässt einige Kinder den etwas bitter-scharfen Geschmack kennenlernen. Doch auch Gundermann und Krokusse blühen schon, und auch das Insektenleben beginnt sich zu entfalten: Gelbe Zitronenfalter flattern umher, und Honigbienen und Erdhummeln suchen nach Pollen und Nektar.

Der Hühnerstall ist noch abgedeckt

„In unser erstes Hochbeet pflanzen wir Kartoffeln und Kürbis“, sagt Projektleiterin Mirja Bauer vom BUND, „später kommt ein zweites Hochbeet hinzu, in dem wir Möhrchen, Radieschen, Zwiebeln und Erbsen aussäen.“ Eine eigene Entdeckungstour wird später im Jahr den Hühnern gewidmet sein, die wegen der derzeit grassierenden Geflügelpest möglichst keinen Kontakt zum Kot von Singvögeln haben sollen, weil sich das Virus über die Ausscheidungen anderer Vögel überträgt. „Deshalb haben wir den Hühnerstall mit einer großen Plane überdeckt“, sagt Tanja Greiß.

Beim Erntedankfest am Ende des Gartenprogramms werden die Kinder aus den selbst gezogenen Kürbissen eine Suppe kochen. Zusammen mit einem Lagerfeuer bildet das Festessen Abschluss und Höhepunkt des Projekts. „Und wenn die Kinder das ganze Jahr über kontinuierlich dabei waren, nehmen sie ein wesentliches Stück Naturverbundenheit mit“, sagt Tanja Greiß.

Info

Zur Sache

Spiel- und Erlebnisraum

Mit der BUND-Kinderwildnis ist ein großer Spiel- und Erlebnisraum mitten in Bremen entstanden. Seit seiner Entstehung wird die Fläche von vielen Kindern genutzt, die dort frei spielen, aber auch Angebote des BUND nutzen können. Denn der Umweltverband bietet auf dem Gelände ein buntes Programm, bei dem zum Beispiel Kenntnisse zur heimischen Tier- und Pflanzenwelt vermittelt oder praktische Naturschutzarbeit und ein respektvoller Umgang mit der Natur gelernt werden. In der Kinderwildnis können aber auch gegen eine Gebühr Kindergeburtstage und Feste gefeiert werden. Unter den Corona-Bedingungen dürfen an Veranstaltungen nur maximal sechs Kinder teilnehmen. Das ausführliche BUND-Kinderprogrammheft ist auf der Internetseite des BUND unter www.bund-bremen.net/kiwi abrufbar.

Weitere Informationen

Die weiteren Termine für die Gartenerlebnisse sind jeweils donnerstags, 22. April, 27. Mai, 24. Juni, 22. Juli, 26. August, 23. September und 28. Oktober. Die Kinderwildnis liegt direkt hinter dem Café Sand, Strandweg 106.

Die Gartennachmittage können als Einzeltermin oder als Veranstaltungsreihe gebucht werden und kosten pro Termin fünf Euro inklusive Material. Die Teilnahme an allen Terminen kostet 35 Euro. Kinder können unter Telefon 79 00 20 oder unter der Mailadresse anmeldung.kinder@bund-bremen.net angemeldet werden.

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