Traum erfüllt

Lisa Rosemann arbeitet in der Osterstraße in ihrem eigenen Atelier

Lisa Rosemann ist freiberufliche Keramikerin und produziert Gebrauchskeramik in Kleinserien und künstlerische Einzelstücke. Das alles neuerdings in eigenen Räumen.
10.05.2021, 05:00
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Von Margot Müller
Lisa Rosemann arbeitet in der Osterstraße in ihrem eigenen Atelier

Lisa Rosemann vor ihrem Brennofen. Sie freut sich über den Schritt in die Selbstständigkeit.

Roland Scheitz

In der Osterstraße tut sich was, nicht nur was den Schokoladen-Werksverkauf von Hachez angeht. Direkt gegenüber der Kreativschmiede „Alte Schnapsfabrik“ gibt es jetzt eine neue Keramik-Werkstatt mit zwei Schaufenstern, auf dem rohen Metallschild an der Klinkerwand steht „Drehwerk“.

Seit dem 1. April arbeitet hier Lisa Rosemann als freiberufliche Keramikerin und produziert Gebrauchskeramik in Kleinserien und künstlerische Einzelstücke. Sie teilt sich die hohen und luftigen Räume mit Luisa Costa. Für den Brennofen und die Trockenregale ist ein eigener Bereich abgetrennt. In der Werkstatt gibt es drei Arbeitsplätze mit Töpferscheiben, die Keramikerinnen bieten hier auch Kurse und Workshops an. Noch ist nicht alles fertig eingerichtet, aber es herrscht schon eine kunsthandwerkliche Atelier-Atmosphäre.

Eine 34-Jährige voller Zuversicht

Auf den Regalen stehen jede Menge Becher, Tassen, Vasen und Dosen, hauptsächlich in den Farben blau, türkis und weiß. „Im letzten Winter habe ich die Ladenräume hier in der Neustadt gefunden und mit vielen helfenden Händen renoviert und ausgebaut“, erzählt Lisa Rosemann. Sie hat sich damit ihren Traum von der Selbstständigkeit erfüllt. Das ist mutig, aber die 34-Jährige ist voller Zuversicht.

Ihre Existenzgründung unter dem Label „Liro-Keramik“ wurde gefördert durch das „Starthaus“-Coaching-Programm der Bremer Wirtschafts-Senatorin und der Bremer Aufbau-Bank. Die eigentlich im Mai geplante feierliche Werkstatteröffnung kann nun coronabedingt nicht stattfinden, soll aber so bald wie möglich nachgeholt werden.

Zwei Jahre lang in Europa unterwegs

Lisa Rosemann hat bis 2014 in Hamburg und Münster ein Studium der freien Kunst und Malerei absolviert und verfügt über ein Staatsexamen zum Lehramt Kunst. Aber ihre ganze Leidenschaft gilt der Keramiktechnik, diese entdeckte sie schon während des Studiums und vertiefte sie auf einer zweijährigen Reise durch Europa. „Es waren meine Wanderjahre, ich war quasi auf der Walz, wie es traditionell die Zimmerer oder Steinmetze machen“, berichtet die Künstlerin. Dabei lernte sie verschiedene Werkstätten kennen und schwärmt ganz besonders von der inspirierenden Mitarbeit bei der Keramikerin Micki Schloessingk in Wales.

Nach Bremen kam Lisa Rosemann schließlich, weil sie beim stadtbekannten Keramik-Atelier von Frauke Alber in der Schweizer Straße eine der wenigen Lehrstellen zur Keramikerin erhielt. Ein Glücksfall für beide Seiten: Hier lernte sie von der Pike auf wie „vom Tonklumpen bis zur fertigen Vase“ alle handwerklichen Schritten ablaufen. Die Lehrmeisterin und ihre „Azubiene“ produzierten gemeinsam unzählige handgedrehte Vasen mit Goldlinien.

Preisgekrönte Teekanne als Gesellenstück

Für ihre erfolgreiche Gesellenprüfung im letzten Jahr fertigte Lisa Rosemann eine preisgekrönte Teekanne als Gesellenstück und arbeitete als Kursleiterin an der Volkshochschule Bremen. Parallel träumte sie fortan von einer eigenen Werkstatt.

„Jetzt stelle ich in diesen schönen Räumlichkeiten meine eigenen Keramikprodukte her“, freut sich Rosemann. Ihre Arbeiten aus Porzellan und aus Steinzeugton entstehen meist an der Töpferscheibe, zum Teil auch in Freihand-Technik, zudem fertigt sie Skulpturen an. Der besondere Stil der Keramikstücke von Lisa Rosemann entsteht unter anderem durch die Bemalung mit abstrakten Elementen. Zeichnung und Malerei sind wichtige Elemente in ihrer Kunst, viele Beispiele findet man in ihrem Atellier, aber auch auf ihrer Homepage unter der Adresse www.
liro-keramik.de.

Anfragen und Bestellungen können per Mail oder Anruf erfolgen

„So kann ich Zeichnen mit Keramik kombinieren, und das ist wunderbar“, freut sich die Kunsthandwerkerin. Aufgrund der Corona-Situation bleibt die Werkstatt in der Neustadt vorerst geschlossen. Anfragen und Bestellungen können aber per Mail oder Anruf erfolgen und abgeholt werden. Ebenso sind Anmeldungen für die Kurse möglich, aktuell nur als Einzelunterricht. Das Atelier ist groß genug, um zwischen den Drehscheiben den nötigen Abstand zu halten.

Das nächste Ziel von Lisa Rosemann ist ihre Teilnahme am „Bremer Keramikmarkt“, der diesen Sommer am 19. und 20. Juni wieder in den Wallanlagen gegenüber der Kunsthalle stattfinden soll. Hier gehört sie zusammen mit Laura Wolfram vom Porzellan-Studio Plöttjegood (ebenfalls aus der Neustadt) zu der neuen Generation im fünfköpfigen Veranstaltungsteam.

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