Finnische Gemeinde in Bremen lädt zum Weihnachtsbasar / Im hohen Norden bringt "Joulupukki" die Geschenke Leckere Ohrfeigen, sagenhafter Schmuck

Neustadt. Der bekannteste Finne in Bremen, Petri Pasanen, ist verhindert gewesen: Der Fußballprofi in Werder-Diensten lief gegen Wolfsburg auf und - verpasste damit den 29. finnischen Weihnachtsbasar in der Neustadt. In den Räumen der Zionskirche an der Kornstraße 31 standen Kalevala-Schmuck, traditionelle Messer oder auch gebackene "Ohrfeigen" zum Verkauf. Eingeladen hatte die 200 Mitglieder zählende finnische Gemeinde in Bremen zusammen mit der finnischen Seemannskirche Hamburg.
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Von Mario Assmann

Neustadt. Der bekannteste Finne in Bremen, Petri Pasanen, ist verhindert gewesen: Der Fußballprofi in Werder-Diensten lief gegen Wolfsburg auf und - verpasste damit den 29. finnischen Weihnachtsbasar in der Neustadt. In den Räumen der Zionskirche an der Kornstraße 31 standen Kalevala-Schmuck, traditionelle Messer oder auch gebackene "Ohrfeigen" zum Verkauf. Eingeladen hatte die 200 Mitglieder zählende finnische Gemeinde in Bremen zusammen mit der finnischen Seemannskirche Hamburg.

"40 Finninnen haben gebacken, gebastelt und den Basar vorbereitet", sagte Mitorganisatorin Hannele Järvinen, während in der großen Caféteria kaum noch ein Platz frei war, an den Ständen reger Betrieb herrschte. Zu erstehen waren unter anderem "Olkipukki" genannte Strohböcke und Karelische Piroggen aus gesalzenem Milchreis und Roggenmehl. Kerttu Salminen-Thieme aus Hamburg verkaufte Broschen und Anhänger, deren Design an die Nationalsage "Kalevala" erinnerte. Die in Oyten lebende Marja Tuomaala-Mählck brachte Pfefferkuchen mit blauem Kreuz auf weißem Grund an den Mann und an die Frau. Und Malla Kärkinnen dirigierte den finnischen Kammerchor "Sonore" bei seinem Auftritt mit geistlichen und volkstümlichen Liedern.

Die "Munsala"-Tracht der Westküste trug Tuomaala-Mählck: maritime Knöpfe, blaue Farben für Finnland, gelbe für das benachbarte Schweden, eine Stoffhaube als Zeichen der Ehe. Geboren und aufgewachsen ist die mit einem Deutschen verheiratete Tuomaala-Mählck in Haapajärvi, etwa auf halber Strecke zwischen der Hauptstadt Helsinki im Süden und Rovaniemi am Polarkreis. Vor 42 Jahren nach Bremen gekommen, leitet sie seit diesem Jahr die Finnische Schule an der Findorffer Martin-Luther-Gemeinde. Nebenamtlich unterrichtet sie dort Finnisch als Zweit- und Fremdsprache, hauptberuflich ist Tuomaala-Mählck als Bioinformatikerin an der Uni Bremen tätig.

Was Tuomaala-Mählck nach Bremen verschlagen hat? "Die Neugier", sagt die Finnin vom Jahrgang 1947 lächelnd. Kurz vor ihrem Abitur, während der Sommerferien, habe sie drei Monate lang in einer Bremer Wäscherei gearbeitet; 1968 folgte dann zunächst eine Anstellung als Assistentin bei den "Vereinigten Flugtechnischen Werken" (VFW). Den Unterricht an der - im Jahr 2007 gegründeten und von Helsinki geförderten - Finnischen Schule gibt sie jeden zweiten Sonnabend, jeweils drei Stunden lang.

"Ich liebe Bremen, das große Kulturangebot ist toll", sagte Anneli Toikka-Steudle, vor Stoff-Elchen und landestypischen Messern (Puuko) stehend. Dass die Finnen in der Hansestadt organisiert sind, ist auch das Verdienst Toikka-Steudles: Vor rund vier Jahrzehnten hat sie überlegt, wie sich andere Finnen finden lassen, und einen Text an den WESER-KURIER geschickt. Auf den Artikel hin entstanden die nötigen Kontakte, die Deutsch-Finnische Gesellschaft bekam ein Bremer Standbein. Dem Vorstand dieser Gesellschaft (www.dfg-bremen.info) gehörte Toikka-Steudle 30 Jahre lang an.

Auch am 24. Dezember in die Sauna

Laut Salminen-Thieme bestehen bundesweit 17 finnische Gemeinden mit 13000 registrierten Mitgliedern, wobei diese Zahl nicht die Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft enthalte. Die rund 200 Finnen in Bremen bilden zumindest im Vergleich mit Hamburg eine kleinere Gruppe: In der Elbmetropole lebten rund 1000 Finnen, sagt Salminen-Thieme, im Großraum Hamburg seien es 3500. Die finnische Seemannskirche ist seit 1901 in Hamburg tätig, ihr alljährlich im November stattfindender Weihnachtsbasar gilt als bekannteste Veranstaltung des Hauses.

Der 24. Dezember, berichtet Marja Tuomaala-Mählck, beginne in Finnland üblicherweise mit dem Schmücken des Weihnachtsbaums. Am Nachmittag gehe es auf den Friedhof, wo auf den Gräbern der Angehörigen Kerzenlichter entzündet werden. Auf die Weihnachtssauna folge das Essen: mit gebackenem Schinken, Heringssalat, Steckrüben- oder Möhrenauflauf. "Vorher fertig gemacht, damit man es nur noch aufwärmen muss", so Tuomaala-Mählck. Zur Bescherung komme der "Joulupukki", der im Weihnachtsdorf Napapiiri lebende Weihnachtsmann.

Bleibt die Frage, was es mit den "gebackenen Ohrfeigen" auf sich hat. "Korvapuusti, so etwas wie Zimtschnecken", so Tuomaala-Mählck, "bei der Zubereitung wird der Hefeteig geschlagen. Daher der Name. Lecker". Werders Fußballprofi Petri Pasanen hat?s verpasst.

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