Familientag in der Circusschule Jokes

Manege für einen Tag

40 große und kleine Gäste besuchten das brandneue Zirkuszelt von Jokes in der Kornstraße am Familientag. Die Liste derer, die gerne noch gekommen wären, war lang. Denn alle Workshop waren kostenlos.
01.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gerald Weßel
Manege für einen Tag

Üben das Jonglieren mit Diabolos: Jasmin Badberg und ihre Tochter Eleni (4).

Roland Scheitz

Wo der Blick auch hinfällt, es herrscht ein buntes Treiben – zumindest bei genauerem Hinsehen. Denn auf den ersten wirkt das weitläufige Gelände an der Kornstraße eher unterbesetzt. Der Grund? Klar, Corona. Das SOS-Kinderdorf hatte zusammen mit der Circusschule Jokes zu einem Familien-Zirkusnachmittag am erst kürzlich fertiggestellten neuen Zelt der Schule geladen. „Normalerweise bieten wir diese Nachmittage in unseren Räumlichkeiten an“, erklärt Christina Hagemann von der Hilfseinrichtung. Doch aufgrund von Corona musste man umplanen und konnte längst nicht so viele Menschen reinlassen wie sonst. „40 Personen“, summiert sie auf. „Mehr geht leider nicht.“ Dabei habe man noch viele Anfragen gehabt. „Wir mussten eine Warteliste führen“, sagt Hagemann. „Hätten wir hier und heute das Angebot für alle geöffnet, hätten sie uns wohl die Türen eingerannt.“ Das Angebot war kostenlos, etwas zahlen musste keiner der Besucher. Die senatorische Behörde, zuständig für Jugend und Familien, hatte alle Kosten bereits im Vorfeld übernommen.

Optisch ist die zentrale Attraktion abseits der Workshops und Spielgelegenheiten das brandneue, vor wenigen Tagen vom Bauamt abgenommene, rot-weiße Zirkuszelt. Es ist eine Zierde seiner Art und soll der Neustadt als Attraktion dienen: „Wir haben lange nach einem Standort gesucht“, blickt Dietmar Hatesuer, Geschäftsführer von Jokes, auf die Anfänge zurück. „18 Jahre, um genau zu sein.“ Nun steht das neu errichtete Zelt kurz vor seiner offiziellen Einweihung im Oktober.

Dieser Familiennachmittag ist die erste große externe Veranstaltung, die sie dort stattfindet. „Das hat schon eine besondere Bedeutung für uns“, sagt Hatesuer. Mindestens 15 Jahre soll das Zelt in seiner jetzigen Form vor Ort stehen. Er ist Stolz auf das neue Zuhause. Heute finden dort Übungseinheiten zum Thema Akrobatik statt, bei denen die Trainer den Eltern und Kindern simple Übungen zeigen, um ein erstes Gefühl für Körperkunst als Duo zu bekommen, die einen Einstieg in komplexere Dinge bilden und irgendwann in waschechter Akrobatik gipfelt.

Unter den Besuchern vergnügen sich Jasmin Badberg und ihre Tochter Eleni, vier Jahre alt. „Es ist toll, zusammen mit dem Kind etwas zu unternehmen“, sagt die Mutter aus der Neustadt, die zum ersten Mal mit ihrer Tochter bei solch einem Zirkusnachmittag dabei ist. Sie betont, wie einfach alle Dinge erklärt werden. „Die Kinder können sich toll ausprobieren“, meint sie.

Auch das leibliche Wohl, zum Beispiel Getränke, Obst und Kuchen, wird bei allem Zirkusspaß nicht vergessen. Dank der Unterstützung aus senatorischer Hand ist diese sogar komplett kostenlos – Spenden werden vom SOS-Kinderdorf aber gern angenommen. Am Rande der Veranstaltungsfläche verteilt ein junger Mann mit familiären Verbindungen zur Zirkusschule Zuckerwatte.

Anders Öden, 19 Jahre, ist erst seit wenigen Wochen bei Jokes als Bundesfreiwilligendienstleistender an Bord. Auf den eher ungewöhnlichen Ort diesen Dienst an der Allgemeinheit zu leisten, ist er über seine Schwester gekommen, die seit Längerem bereits bei der Schule Kurse für Kinder gibt. „Es macht allen viel Spaß, ist gut besucht und wenn die Kinder Freude haben, freut es auch die Eltern“, zieht er am späten Nachmittag ein erstes Fazit. Seine Schwester, Clara Öden, beaufsichtigt am anderen Ende des Areals, gleich neben dem Haupteingang zum Zelt, mehrere Kinder, die mit großen Augen vor hüfthohen Bällen stehen. Diese ruhen halbwegs fest in einer Sandkiste und warten darauf, erklommen zu werden. Nach und nach klettern die Kinder hinauf und fangen vorsichtig an, die runden Kolosse mit den Füßen zu bewegen. Es macht allen sichtlich Freude und ihre Lehrerin werden die Kinder später noch in anderer Rolle beim Höhepunkt des Familiennachmittags erleben.

Zwei weitere Kinder, die in der Circusschule sichtlich ihren Spaß haben, sind Sofian und sein Freund Louis, beide neun Jahre alt. Ersterer ist regelmäßig bei Veranstaltungen des SOS-Kinderdorfes dabei, denn seine Mutter arbeitet dort – oft auch in Begleitung von Louis. Beiden gefällt das Angebot richtig gut und auch sie fühlen sich bei allen Übungen von den Jokes-Trainern toll unterstützt. Vor allem die Vielfalt, die von Akrobatik bis Jonglieren reicht, begeistert sie. Insbesondere das Balancieren eines Kreisels und der Teller, hat den zwei besonders gut gefallen und Sofian denkt bereits weiter: „Ich kann mir gut vorstellen, dass so gut zu lernen, damit ich es kleineren Kindern beibringen kann.“ Vielleicht hat Jokes da ja nicht nur einen neuen Schüler, sondern auch einen zukünftigen Trainer gefunden.

Um 16.30 Uhr ist es dann soweit: Ein Mann bittet mit kräftiger Stimme alle Eltern und Kinder in das Zelt. Mehrere Seiten sind auch jetzt noch aufgeschlagen, sodass allzeit ein frischer Luftzug durch das Gewölbe aus Holz, Stahl und Kunststoff weht. Im Inneren wurden Matten zu kleinen Familien-Sitzinseln umfunktioniert, die obendrein weit voneinander entfernt ausgelegt worden sind. Hier kommt mit einiger Wahrscheinlichkeit wohl keine Angst vor einer Infektion auf.

Alle Augenpaare, ob jung oder alt, richten sich nach vorne zur ebenerdigen Bühne, auf der der Rufer von eben gestisch um Ruhe bittet. Gekonnt schafft er es, alle mitzureißen und auf die Abschlussshow einzustimmen, bei der das Diabolo wirbelnd den Anfang macht. Paul Wallner zeigt mit den zwei unscheinbaren, verbundenen Plastikhalbschalen, die mithilfe einer Schnur gehalten, geworfen und herumgewirbelt werden, wie wenig es braucht, um etwas aufzuführen, das nicht nur die Jüngsten jauchzen lässt.

Nach ihm betreten Benny Söchting und die eben bereits erwähnte Clara Öden die Manege und zeigen, wie Paar-Akrobatik aussehen kann, wenn man sie jahrelang Tag für Tag professionell eingeübt hat. Ihr Bruder begleitet die Übung live auf der Gitarre, ehe sich das gesamte Jokes-Team versammelt und eine noch am Nachmittag einstudierte Jongliershow darbietet. Die Zuschauer spendieren reichlich Applaus.

Am Ende des Tages zeigt sich der Geschäftsführer zufrieden:“ Es war eine gute Kooperation, das Wetter hat mitgespielt und wenn alle Gäste zufrieden sind, sind wir es auch.“

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