Quartierszentrum Huckelriede

Mehr Miteinander schmackhaft machen

Die neue Köchin Dana Matthaeus und Martinsclub-Regionalleiterin Madlien Janko bringen frischen Wind in die inklusive Stadtteilküche „Marie Weser“ und möchten sie zum Bewohnertreff in Huckelriede entwickeln.
06.02.2019, 17:56
Lesedauer: 5 Min
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Von Ulrike Troue
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Die neue Küchenchefin Dana Matthaeus (links) und Martinsclub-Regionalleiterin Madlien Janko möchten die moderne Stadtteilküche "Marie Weser" im Quartierszentrum Huckelriede zum Treffpunkt für alle weiterentwickeln. Sie haben viele neue Ideen.

Walter Gerbracht

„Echtes Essen für alle“ ist nach wie vor das Credo im „Marie Weser“. In der inklusiven Stadtteilküche im Quartierszentrum Huckelriede, die vor gut zwei Jahren am Niedersachsendamm 20a eröffnet worden ist, wird weiterhin frisch, regional und saisonal gekocht. Aber jetzt steht Dana Matthaeus anstelle von Fernsehköchin Luka Lübke am Herd, die inzwischen andere berufliche Schwerpunkte gesetzt hat. Die neue Köchin hat den Stil der Karte leicht verändert.

Das Gesamtangebot soll sich näher an den Quartierbewohnern orientieren und ausgeweitet werden, erläutert Madlien Janko. Die Huckelrieder Regionalleiterin des Martinsclub und die neue Köchin stellen gerade mit großem Eifer die Zutatenliste für das neue Erfolgsrezept für die modern, gemütlich in Grau- und Holztönen eingerichtete Stadtteilküche mit 40 Plätzen zusammen. Ihr gemeinsames Ziel: Das inklusive „Marie Weser“ soll ein Treffpunkt für klein und groß im Quartier werden.

Erfahrung mit schwer anzuleitenden Arbeitskräften

Um die Anziehungskraft und Akzeptanz der inklusiven Stadtteilküche zu erhöhen, wurde als erstes die Speisekarte überarbeitet. „Es steht mehr saisonales Gemüse auf der Karte, damit wir nicht auf Tiefkühlware zurückgreifen müssen“, erzählt Dana Matthaeus. Die tägliche „Mittagspause“ für fünf Euro, ein wechselnder Mittagstisch, hat sie im „Marie Weser“ neu als Wochenübersicht eingeführt. Damit es keine „Überraschungstüte“ mehr sei, sagt sie, und weil „man sich daran besser orientieren kann“.

„Für sieben Euro gibt's den Daydrink dazu“, wirbt die Köchin gleich für das neue Kombiangebot zur „Mittagspause“. Damit meint sie die selbst gemachte Limonade. „Wir kochen zum Beispiel aus Zitronenschale, die wir nicht für ein Gericht benötigen, Sirup und machen daraus Limonade“, liefert die Köchin als ein Beispiel für den Nachhaltigkeitsansatz der inklusiven Stadtteilküche. Sie darf sich so nennen, weil mindestens 40 Prozent des Personals eine Beeinträchtigung vorweisen.

Dana Matthaeus ist überzeugte Slow-Food-Anhängerin. Sie hat zehn Jahre als gelernte Köchin unter anderem in Schulküchen gearbeitet und schon für die Kinder- und Jugendfarm Habenhausen Mahlzeiten zubereitet. Durch ihre Tätigkeit als Anleiterin in einem Pro-Job-Projekt mit langzeitarbeitslosen Frauen hat die neue Köchin im „Marie Weser“ zudem bereits Erfahrung im Umgang mit schwerer anzuleitenden Arbeitskräften. Wobei Matthaeus herausstellt, dass das kein Problem in Huckelriede sei und sie die beiden langjährigen Helferinnen Heide und Yvette im „Marie Weser“ als bewährte Arbeitskräfte schon schätzen gelernt habe.

Mittagstisch hat sich noch nicht herumgesprochen

Zurzeit kommen nach Matthaues Aussage rund 20 Essen mittags frisch auf den Tisch. „Es gibt auch Stammkunden.“ Doch da geht nach ihrer Ansicht mehr. „Seit Jahresanfang haben wir viel Werbung gemacht“, fährt sie fort. Madlien Janko erwähnt dazu den inzwischen ebenfalls veranlassten Ausbau der Social-Media-Präsenz sowie die neu erstellte Homepage.

Dann verweist sie auf die feste kleine Mittagskarte von Montag bis Freitag von 12 bis 14.30 Uhr. Diese werde jede Woche variiert und brächte mit Suppe, einem deftigen Gericht, Fisch, Pasta und einem Risotto mit verschiedenen Toppings Abwechslung auf den Speiseplan. „Auf Risotto haben wir uns ein wenig spezialisiert, weil das gut ankommt.“ Außerdem hat Dana Matthaeus in ihrer Prüfung auf das Gericht eine Eins bekommen.

Darüber hinaus macht die Stadtteilküche spezielle Angebote wie den Osterbrunch, das Grünkohlessen oder das Drei-Gänge-Menü am Valentinstag, 14. Februar, von 18 bis 21 Uhr (26,50 Euro pro Person). Für Letztgenanntes sind noch bis zum 10. Februar Anmeldungen unter Telefon 89 82 36 36 oder per E-Mail an essen@marieweser.de möglich.

Madlien Janko als Martinsclub-Regionalleiterin ist die Kooperation mit dem Quartierszentrum sehr wichtig. Es vereint Beratungsangebote verschiedener Träger, einen Kindergarten und Wohnungen. Die Teilnahme an solchen Veranstaltungen sei zudem kostenlos, betont Janko, da sie mit Fördermitteln aus dem Topf „Wohnen in Nachbarschaften“ finanziert würden.

Veranstaltungen öffentlich gefördert

Sie nennt zuerst das beliebte „Karaoke-Singen“ an jedem ersten Dienstag im Monat ab 17 Uhr, das immer „sehr lustig“ sei. Als vielversprechend stuft die agile Macherin außerdem das neu eingeführte „Do-it-yourself“-Angebot für Frauen und Kinder an jedem zweiten Mittwoch im Monat von 16 bis 17.30 Uhr ein.

Als dritte Veranstaltung plant sie ein Kulturangebot unter dem Motto „Eine Bühne fürs Quartier“. An jedem vierten Mittwoch im Monat von 18 bis 20 Uhr sollen sich Musiker, Schauspieler oder andere Künstler aus dem Quartier im „Marie Weser“ präsentieren können. Interessenten können sich per Mail an m.janko@martinsclub.de oder direkt im „Marie Weser“ melden. Als großen Vorteil empfindet die Martinsclub-Regionalleiterin, dass die Räumlichkeiten neu zugeordnet worden sind. „Der große Gastraum für rund 80 Personen gehört nun zum Quartierszentrum und kann somit an Kunden vermietet werden“, berichtet sie. Aber leider habe sich im Stadtteil noch nicht herumgesprochen, dass der Veranstaltungsraum für Feiern wie Hochzeiten, Geburtstage oder Trauerfeiern gemietet werden könne, bedauert Janko. Für die Bewirtung könnte das „Marie Weser“ sorgen, das sei jedoch keine Bedingung.

Mitarbeiterstamm soll wachsen

Zu den Maßnahmen, die das Damenduo noch umsetzen möchte, zählt ferner die Ankurbelung des Außerhausverkaufs. „Im Sommer wollen wir die Terrasse schön präsentieren und dekorieren und auch Werbung am Werdersee machen“, kündigt Madlien Janko an. Eis, Limo oder Smoothies könnten dann aus dem „Marie Weser“ mitgenommen werden. Darüber hinaus seien selbst gemachter Sirup oder andere Produkte als Geschenke verpackt zu haben, ergänzt Dana Matthaeus. „Wir bieten auch Gutscheine und Catering außer Haus an. Ich erarbeite gerade Menü-Angebote und kann auch budgetbezogen individuelle Angebote machen.“

Mit mehr Nachfrage und Zuspruch muss der Mitarbeiterstamm wachsen. Fürs Küchenteam ist schon eine Stelle ausgeschrieben. Das Serviceteam mit Alexandra Demou und Yves Boujong werde in Kürze von einem neuen Mitarbeiter mit gesundheitlicher Beeinträchtigung unterstützt, kündigt Madlien Janko an. „Wir wollen so unserer Klientel ermöglichen, dass sie auch im Service tätig werden und Kontakt zu Kunden bekommen kann.“ Auf diese Weise ließe sich zudem nach außen tragen, dass die Stadtteilküche „Marie Weser“ ein inklusiver Betrieb sei. „Wir wollen das Leben bunt gestalten und das Quartier für Nachbarn und ganz Bremen öffnen“, beteuert Janko. „Es wäre schön, wenn die Leute sich nicht scheuen, ihre Zeit auch mit unseren Klienten zu verbringen.“

Weitere Informationen

Infos zur inklusiven Huckelrieder Stadtteilküche „Marie Weser“, die regulär von Montag bis Freitag von 10 bis 16 Uhr geöffnet ist, zu Veranstaltungen und über die Möglichkeit, den großen Gastraum für Veranstaltungen buchen zu können (auch mit Rundum-Sorglos-Paket), stehen im Internet unter www.marieweser.de.

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