Buch über nachhaltigen Tourismus Afrika – ein vielfältiges Reiseziel

„Wenn man interessiert ist, die Welt in ihren Facetten zu erleben, bietet Afrika viele Möglichkeiten“, sagt Rainer Hartmann, Hochschulprofessor und Herausgeber eines Buches über nachhaltigen Afrika-Tourismus.
11.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

Afrika ist sehr vielgestaltig, sagt Rainer Hartmann. „Wenn man sich Zeit nimmt, sieht man, dass die Länder sehr unterschiedlich sind und jedes für sich sehr inspirierend. Die Ursprünglichkeit ist für mich sehr faszinierend. Man muss aber auch risikobereit und abenteuerlustig sein, wenn man individuell durch den Kontinent reisen möchte.“ Sein Buch „Tourismus in Afrika – Chancen und Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung“ ist mit dem ITB Buch-Award 2021 ausgezeichnet worden.

Afrika werde als Reiseziel häufig unterschätzt, viele nähmen es mehr wie ein Land wahr, als es als Kontinent zu begreifen. „Viele Menschen sagen, dass sie schon einmal ,in Afrika‘ gewesen seien und deswegen nicht noch mal dort hinfahren müssten, denn es gäbe ja noch so viel anderes zu sehen.“

Auf den Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien folgte die Diktatur

Rainer Hartmann hat den Kontinent schon oft bereist – so hat er zwischen 1994 und 1998 über die touristische Entwicklung in Eritrea geforscht und auch Äthiopien oft besucht. „Mit dem Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien hat sich das dann erledigt. Seit 1999 warte ich darauf, dass der Präsident von Eritrea, der das Land in eine üble Diktatur verwandelt hat, abtritt. Ich möchte gerne wieder dorthin, aber nicht unter diesen Umständen.“

2018 folgte eine Forschungsreise von Sansibar in Tansania bis Swakopmund in Namibia und dann noch weiter bis nach Südafrika. „Die Idee zu meinem Buch ist im Rahmen der Reisevorbereitung entstanden. Während meiner Recherchen habe ich gesehen, dass es kaum deutschsprachige Literatur zu dem Thema gibt. Also habe ich mich auf die Suche nach Mitautorinnen und Mitautoren gemacht.“

Mit einem klassischen Reiseführer hat dieses Buch allerdings nichts zu tun – zwar hat es den ITB-Award in der Kategorie „Sachbuch“ gewonnen, doch eigentlich handelt es sich um ein wissenschaftliches Fachbuch. Die Rahmenbedingungen für Tourismus in Afrika werden unter anderem in Bezug auf Wirtschaft und Infrastruktur beleuchtet, es gibt einen historischen Abriss. Probleme und Herausforderungen des Tourismus in Afrika werden behandelt und Handlungsempfehlungen gegeben.

Gastautoren geben Einblick in verschiedene Länder und Regionen, etwa die Seychellen, Namibia und Südafrika. Und ein Kapitel von Hartmann selbst handelt von Eritrea. Mit dem Townshiptourismus beschäftigt sich das Werk ebenso wie mit dem Grootbos Nature Reserve in Südafrika als Beispiel eines nachhaltigen Tourismus.

Was ist nachhaltiger Tourismus?

„Generell geht es darum, dass ein Land oder eine Region die Entwicklung selbst in der Hand behält“, sagt er. Also um eine selbstbestimmte Entwicklung des Tourismus, die lokale Akteure einbezieht – ein Tourismus, von dem möglichst viele Menschen profitieren. „Und dass möglichst viel, was der Tourismus erwirtschaftet, vor Ort bleibt. Nicht nur im jeweiligen Land, sondern auch in der Region.“ Nachhaltige Entwicklung selbst kann nur gelingen, wenn die drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Zum Beispiel gelingen Landschafts- und Naturschutz mit Tourismus dann besonders gut, wenn vor Ort ein ökonomischer Nutzen und gerechte Arbeitsverhältnisse entstehen.

Chancen für den Tourismus in Afrika sieht Hartmann auch darin, nicht nur auf die klassischen Märkte zu setzen: Nord- und Südafrika etwa locken mit pauschalen Angeboten und Resorturlaub, wovon die dort lebenden Menschen nur bedingt profitieren, doch mittlerweile gibt es auch einen steigenden Binnentourismus. „In Namibia etwa stellen Südafrikaner die größte Touristengruppe dar.“ Außerdem könne auch eine Chance in dem Umstand liegen, dass Millionen Afrikaner im Ausland leben und zumindest Vorfahren auf dem afrikanischen Kontinent haben: „Die Diaspora ist eine interessante Zielgruppe für den Kontinent.“

Korruption bekämpfen

Und insgesamt brauche es Regierungen, die den Tourismus nachhaltig entwickeln und die Akteure unterstützen wollen. Das setze jedoch demokratische Regierungsformen voraus, die Mitbestimmung zulassen. Und die Bereitschaft, Korruption zu bekämpfen und nachhaltige Projekte in die Tat umzusetzen.

„Es gibt verschiedenste Ansätze, aber es bedarf auch geeigneter Rahmenbedingungen, vor allem bezüglich der Infrastruktur und insbesondere dem Verkehr. Wie in kolonialen Zeiten ist die Verkehrsstruktur des afrikanischen Kontinents vornehmlich darauf ausgerichtet, Rohstoffe aus dem Inneren der Länder an die Küste zu transportieren, um sie zu exportieren. Das behindert den interregionalen Reiseverkehr.“

Info

Zur Sache

Tourismus-Börse vergibt seit 2018 ITB-Award

Die Abkürzung „ITB“ steht für „Internationale Tourismus-Börse“, die seit 1966 alljährlich im März in Berlin veranstaltet wird. Mit Ausnahme des Jahres 2020 – die 54. Ausgabe wurde coronabedingt abgesagt. Im Rahmen der Tourismus-Börse zeichnet eine Jury aus Journalisten, Wissenschaftlern, Buchhändlern und Branchenexperten seit 2018 „herausragende Werke im Bereich Reise und Tourismus aus.“ Neben der Kategorie „Sachbuch“ werden auch Reisekalender, Karten, Atlanten, Kochbücher und Bildbände ausgezeichnet.

Weitere Informationen

Das Buch „Tourismus in Afrika – Chancen und Herausforderungen einer nachhaltigen Entwicklung“, herausgegeben von Rainer Hartmann, ist im De Gruyter-Verlag erschienen und kostet 99,95 Euro.

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