Erfahrungsaustausch im Buntentor Netzwerk für Patenschafts-Projekte

Profis der Sozialarbeit diskutieren auf einem Barcamp unter anderem die Frage wie ehrenamtliche Helfer besser unterstützt werden können. Mit der speziellen Form einer solchen Konferenz betreten sie Neuland.
30.08.2019, 20:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Leoni Hentschel

Gemeinsam neue Ideen entwickeln und kooperieren: Rund 100 Patenschafts- und Mentoring-Initiativen aus ganz Deutschland nahmen sich das an diesem Nachmittag zum Ziel. Beim „Open Transfer Camp Patenschaften“ beim Martinsclub im Buntentorsteinweg ging es darüber hinaus darum, den Grundstein für ein Bremer Patenschaftsnetzwerk zu legen.

Seit 2017 finden im Rahmen des Bundesprogramms „Menschen stärken Menschen“ regelmäßig Barcamps zum Thema Patenschaften statt. Das ist eine besondere Form der ehrenamtlichen Arbeit: Menschen erklären sich bereit, als Paten zum Beispiel Flüchtlinge, lernschwache Schüler oder andere Personen mit Problemen regelmäßig zu begleiten, um ihnen ganz persönlich im Alltag beizustehen. Um dabei als ehrenamtlicher Helfer nicht allein zu sein, ist es wiederum von hoher Bedeutung, die Paten zu begleiten und ihren Erfahrungsaustausch zu fördern

Keine vorgegebene Tagesordnung

Dazu dient nun dieses erste Barcamp zu dem Thema in Bremen. Barcamps sind eine spezielle, selbstorganisierte Konferenzform, ganz unter dem Motto „geplant ungeplant“. Es gibt keine Tagesordnung und keine geladenen Referenten. Dafür kann jeder Teilnehmer vorab Themen für die bevorstehenden Sitzungen anmelden. Zum Auftakt des Barcamps werden diese Themenwünsche noch einmal kurz vor den Anwesenden vorgestellt. Nur wenn sich genug Interessenten für ein Thema finden, gibt es auch eine Sitzung dazu.

„Wir wollen Leute vernetzen und in den Austausch bringen“, sagt Sebastian Grillwald, Projektleiter des „open Transfer camp“. Dazu finden immer fünf Sitzungen parallel statt, in denen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über ein Thema unterhalten können. Dabei dreht sich alles um das Thema Patenschaften. „Die verschiedenen Partnerschaftsinitiativen können hier neue Kontakte knüpfen, im besten Fall entstehen sogar Kooperationen“, sagt der 32-Jährige. Zielgruppe der Veranstaltung sind primär Haupt- und Ehrenamtliche, die viel Wissen aus den Patenschaft- und Mentoringinitiativen mitbringen. Aber auch Unerfahrene, die gerne ehrenamtlich bei einer Organisation arbeiten wollen, können mitmachen.

Konferenz mit 20 Arbeitsgruppen

Die verschiedenen Räume, in denen die Sitzungen stattfinden, sind nach Bremer Sehenswürdigkeiten benannt: Rathaus, Dom, Schlachte, Schnoor und Roland steht an den jeweiligen Türen. Der Zeitplan ist stramm, insgesamt 20 Sitzungen sollen an diesem Tag durchgeführt werden. Kurz nach der Mittagspause beginnt die Gesprächsrunde mit dem Schwerpunkt „Patenschaftsnetzwerk in Bremen“, bei der etwa 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer anwesend sind. Jeder von ihnen arbeitet für Patenschafts- oder Mentoringprojekte. Lena Blum, Leiterin der Freiwilligen Agentur Bremen, leitet die Sitzung gemeinsam mit ihrer Kollegin Katrin Klug.

„Ein Netzwerk fängt immer damit an, indem man merkt, dass man die gleichen Fragen und die gleichen Probleme hat“, sagt Blum zum Einstieg in das Gespräch. Ziel sei es deshalb, in Bremen ein Patenschaftsnetzwerk zu bilden, bei dem sich die verschiedenen Bremer Initiativen austauschen können. Ein weiterer Grund für die Bildung eines Netzwerks sieht die 39-Jährige im Zuwachs von Projekten. „Seit 2015 sind viele neue Patenprojekte entstanden, ein Netzwerk könnte die Neuen mit den Alten verbinden und Zusammenarbeit schaffen“, sagt Blohm. Außer eines Informationsaustausches könne man im Rahmen eines Netzwerks politische Angelegenheiten angehen. „Es wäre wichtig, mit Abgeordneten ins Gespräch zu kommen und über Finanzierungen zu reden“, sagt sie.

Ehrenamtliche besser einarbeiten

Die Idee findet unter allen Anwesenden Zuspruch, auch bei Jan Rademann von der Initiative „start with a friend“. „Ich halte ein Patenschaftsnetzwerk für sinnvoll, um regelmäßig mit anderen Initiativen in den Austausch zu kommen“, sagt der 25-Jährige. Während die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sitzung zahlreiche Wünsche und Ideen für ein Bremer Patenschaftsnetzwerk sammeln, meldet sich einer von ihnen mit einer konkreten Forderung zu Wort. „Diejenigen, um die es vor allem geht, sind die Ehrenamtlichen. Die Begleitung von Freiwilligen muss verbessert werden“, sagt er. Er selbst arbeite als Ehrenamtlicher und bekomme mit, wie sehr es seitens der jeweiligen Organisationen an Einarbeitung und Unterstützung für Ehrenamtliche mangele. Wie alle Anwesenden unterstützt auch die zweite Leiterin der Sitzung, Katrin Klug, diese Meinung. „Auch wenn die Verantwortung für die Vorbereitung bei der jeweiligen Organisation liegt, ist das ein wichtiges Thema, das im Netzwerk behandelt werden muss“, sagt sie.

Die Atmosphäre in der Sitzung ist positiv gestimmt. Die Anwesenden sind sich in allen Punkten einig und wünschen sich ein Bremer Patenschaftsnetzwerk. Das freut nicht nur die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sondern auch Lena Blum, die das Schlusswort der Runde hat. Sie steht der Gründung eines Netzwerks positiv gegenüber. „Ich freue mich über die positive Resonanz, der erste Schritt ist damit getan“, sagt sie. Auch wenn die Bildung eines Patenschaftsnetzwerks noch eine Weile andauert, sei die Aussicht darauf vielversprechend. Weiter geht es am 24. Oktober. Dann treffen sich Haupt- und Ehrenamtlichen verschiedener Initiativen, um die nächsten Schritte zu besprechen.

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