Betriebshof für Umweltbetrieb

Neue Pläne für den Huckelrieder Friedhof

Seinen neuen Betriebshof will der Umweltbetrieb Bremen im südlichen Teil des Friedhofsgeländes Huckelriede bauen. Bei den Anwohnern stoßen die Pläne nicht durchweg auf Zustimmung.
08.12.2019, 17:22
Lesedauer: 4 Min
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Von Helke Diers
Neue Pläne für den Huckelrieder Friedhof

Die freie Fläche wäre groß genug, um einen Betriebshof des Umweltbetriebs Bremen auf dem Huckelrieder Friedhof an der Habenhauser Landstraße zu errichten.

Roland Scheitz

In Huckelriede wird geplant und gebaut. Und zwar an vielen größeren Projekten zur gleichen Zeit. Die Gartenstadt Werdersee und das neue Studentenwohnheim am Niedersachsendamm kommen, das Areal der Scharnhorst-Kaserne wird für Wohnbebauung geplant und auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses Brinkmann soll ein neues Quartier entstehen. Dazu kommt der Umbau des Huckelrieder Friedhofes an der Habenhauser Landstraße. Ein Teilstück der Friedhofsneugestaltung wurde planerisch abgetrennt und im Rahmen der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung als Bebauungsplan 2506 jetzt vorgestellt.

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Der Umweltbetrieb Bremen (UBB) braucht laut Bauressort und Planungsbüro einen neuen Betriebshof, weil die Gebäude in einem schlechten Zustand sind und die Arbeitssicherheit nicht mehr gewährleistet werden kann. Der Betriebshof ist bisher im westlichen Teil des Friedhofsgeländes angesiedelt. Der Neubau soll auf einer Friedhofserweiterungsfläche im südlichen Teil des Geländes liegen und direkt an die Habenhauser Landstraße anschließen. Außerdem soll das bisherige Freilager des Betriebshofes auf der neuen, rund 6500 Quadratmeter großen Fläche im Süden unterkommen. Es liegt momentan nahe am Werdersee im Nordwesten des Friedhofsgeländes (siehe Kartengrafik). Die zukünftige Nutzung der freigewordenen zwei Flächen wird in anderen Planverfahren behandelt. Das aktuelle Planverfahren umfasst lediglich das Gebiet des neuen Betriebshofes und einige angrenzende Flächen.

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Die Pläne der Stadt und des UBB wurden in der Oberschule am Leibnizplatz den rund 20 Anwesenden vorgestellt. Ein frühes Beteiligungsverfahren wird durchgeführt, um Anmerkungen und Hinweise der Anwohner zu erhalten und von deren Ortskenntnis zu profitieren, wie Christina Treber vom Planungsbüro Sweco es formuliert. Die Stimmung bei der Versammlung ist angespannt. Zwischendurch bemüht sich Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon immer wieder um Verständigung: „Wir entspannen uns und kriegen das hin.“ Besonders drei Themen rufen die Anwohner auf den Plan.

Anwohner äußern Sorge

Anwohner äußern ihre Sorgen wegen der zusätzlichen Belastung auf der Habenhauser Landstraße. Die Planungen sehen eine weitere Ausfahrt ohne zusätzliche Linksabbiegespur vor. Ein Beiratsmitglied aus Obervieland formuliert das so: „Auf der Habenhauser Landstraße haben wir es jetzt schon schwer mit dem Verkehr und die Gartenstadt Werdersee ist noch nicht mal eröffnet. Jede Ausfahrt behindert den Verkehr.“ Ein anderer weist auf die Ampel und Bushaltestelle hin, die mit einem neuen Ausgang kollidieren könnten. Unmut wird geäußert, weil das vorliegende Verkehrsgutachten den Beiräten nicht zur Kenntnis gegeben worden sei. Bezüglich der Parkplätze für die Mitarbeiter des UBB erklärt Treber, der Friedhof habe ohnehin weitaus mehr Stellplätze als benötigt. Der konkrete Nachweis für die Stellplätze werde im Zuge der Baugenehmigung erfolgen.

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Weiteres Thema ist die mögliche Fällung alter Bäume im östlichen Teil der neu geplanten Fläche und die Neupflanzung an anderer Stelle. Eine Teilnehmerin findet: „Junge Bäume sind nicht in der Lage, Emissionen aufzunehmen. Das, was die alten können, tun die jungen nicht.“ Sie findet eine Fällung unverantwortlich. Unklar bleibt, ob die als Allee gepflanzte Baumreihe zur Habenhauser Landstraße einer Verlängerung der bestehenden Mauer in östlicher Richtung und der Ausfahrt weichen müsste.

Bei vielen konkreten Nachfragen schimmert ein übergreifender Konflikt durch: Anwohner monieren, dass es an einer Gesamtplanung für Huckelriede fehle, die die verschiedenen Bauprojekte zusammenfasse. Unverständnis wird auch über das Verfahren geäußert, den östlichen Teil der Friedhofsgestaltung jetzt isoliert zu behandeln. „Es fehlt die Gesamtschau. Wir müssen das zusammen betrachten, sonst entsteht zu Recht der Eindruck einer Salamitaktik“, sagt Jens Oppermann, der für die SPD im Beirat Neustadt sitzt. Auch wenn es für den zweiten Teil des Friedhofes noch keinen Bebauungsplan gebe, könne man ja über die Ideen informiert werden.

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Bauressort braucht noch Zeit

Silvana Mollée aus dem Bauressort begründet die Aufteilung der Gebiete mit einem noch laufenden Architekten-Wettbewerb für den zweiten Teil. „Wir sind einfach noch nicht soweit.“ Da der UBB aber zügig einen neuen Standort brauche, sei dieser Teil abgekoppelt worden. Befürchtungen bestehen auch wegen einer möglichen späteren Bebauung des frei werdenden Geländeteils, wo momentan das Freilager des Umweltbetriebes seinen Platz hat. Ein Mitglied der Bürgerinitiative Pro Huckelriede sagt dazu: „Wir wollen die Struktur Huckelriedes erhalten und nicht die ganzen Hochhäuser, die jetzt gebaut werden. Wir werden ja jetzt schon fünf, sechs Gebäude erhalten, die sieben oder acht Geschosse haben.“ Er hat Sorge, diese würden als Referenzen für weitere hohe Bebauung – etwa auf der frei werdenden Fläche – genommen. Das jetzige Freilager ist in das Bebauungsplanverfahren 2417 integriert, das sich auf das Areal der Scharnhorst-Kaserne bezieht. „Es soll einer Wohnnutzung zugeführt werden“, sagt Mollée. Wenn die konkreten Entwürfe im Zuge der jeweiligen Bebauungsplanverfahren öffentlich ausgelegt werden, gebe es die Möglichkeit zu einer Stellungnahme.

Zur frühen ersten Beteiligung sagt Jens Oppermann: „Ich fand es wichtig, dass die Befassung so frühzeitig stattfindet. Wir haben im Beirat einen eigenen Fachausschuss, der sich mit dem Thema beschäftigen wird.“ Mollée aus dem Bauressort erklärt zum weiteren Verfahren: „Wir arbeiten im Haus an einer Gesamtschau für Huckelriede, den ganzen Bereich um den Niedersachsendamm und angrenzend an den Friedhof die Habenhauser Landstraße. Da wird es dann in nächster Zeit Informationen zu geben.“ Es gab ursprünglich den Plan der Verwaltung, die Neuordnung des Friedhofes baulich im Dezember 2019 abzuschließen, wie aus einem Bericht der Verwaltung an die Baudeputation aus dem April 2017 hervorgeht. Das ist inzwischen überholt. Wann das Beteiligungsverfahren für das westliche Areal des Geländes starten wird, steht noch nicht fest.

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