Atelier in der Neustadt Ausstellung mit maritimem Schwerpunkt

Die Künstlerin Renate Hoffmann stellt im Atelier Brandt Credo Bilder in Acryl und Aquarell aus. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf maritimen Motiven.
16.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Eine Gruppe von Menschen ist unterwegs, und jeder hält den Mindestabstand ein – in Corona-Zeiten kein ungewöhnlicher Anblick, doch die Wanderung führt quer durchs Wattenmeer, und die Leute laufen auf etwas Unbestimmtes zu: einen Horizont, der nicht nur weit weg ist, sondern prinzipiell immer in der Ferne bleibt.

„Ich wollte mit diesem Bild auf die Ängste und Verunsicherungen reagieren, die durch die Pandemie entstanden sind“, sagt Renate Hoffmann, „und da ich viel Urlaub an der Nordsee mache, lag dieses Motiv besonders nahe.“ Unter dem Titel „Weit ist der Weg“ zeigt die Künstlerin im Atelier Brandt Credo neue und ältere Malereien und Zeichnungen. „Ich habe viele Projekte zu bestimmten Themen gemacht, zum Beispiel zur Geschichte von Kaffee Hag oder zur Waller Heerstraße 294, wo sich heute die Kulturwerkstatt Westend befindet. Dabei recherchierte ich zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Orten“, sagt Renate Hoffmann.

Meer und mehr

Auf ihren Bildern in der Galerie bilden maritime Motive eindeutig den Schwerpunkt: Menschen sitzen in Bremerhaven auf einer Bank und blicken auf die Küste mit Molen und Windrädern. Sie kehren dem Betrachter den Rücken zu, wie auf Bildern von Caspar David Friedrich, die mit dieser Ansicht von Menschen ins Bild hineinziehen. Zu den maritimen Motiven gehören jedoch auch jede Menge Seefische, wie Scholle, Rochen oder Seeskorpion, die mit Acrylfarben und Stiften in vereinfachender Farbigkeit festgehalten sind.

„Meine Bildsprache entsteht durch das transparente Auftragen der Farben und viele Freilassungen innerhalb des Bildes“, sagt Renate Hoffmann. Deshalb wirken ihre Werke licht und aufs Wesentliche konzentriert, unnötige Details aussparend.

Bei vielen Bildern sind die Gegenstände nur noch Anregung für eine abstrakte Komposition bei reduzierter Farbpalette, die Abbildfunktion tritt gegenüber der Stimmung, die Farben und Formen auslösen, weitgehend zurück. Das Indigoblau in verlaufenden Farben spricht die Sprache des Flüssigen und stets Bewegten, das sich nie festlegen lässt. Erstaunlich, welche Farbenspiele sich an Schiffswänden, Bullaugen, T-Trägern oder Eisenbeton zeigen und welche Formenvielfalt in Kränen, Windkraftanlagen oder Sitzbänken am Wasser steckt – Renate Hoffmann nimmt sie wahr und verarbeitet sie zu abstrakten Kompositionen.

Ab 1997 studierte Renate Hoffmann an der Hochschule für Künste in Bremen Freie Kunst und Malerei und schloss 2005 mit dem Meisterschülerstudium bei Paco Knöller ab. „Besonders inspirierend waren für mich während des Studiums die vielen Ausflüge, die unser Lehrer Wolfgang Schmitz mit uns machte“, sagt Renate Hoffmann, „er führte uns zum Beispiel zum Europahafen in Bremen und leitete uns an, direkt vor Ort Skizzen zu machen.“ Viele Motive aus den Hafenbezirken Bremens sind in dieser Ausstellung zu sehen: der Weser-Tower, das alte Kaffee Hag-Gebäude oder auch ein Containerschiff in Seitenansicht – so licht und schlicht gemalt, dass die Objekte eine eigentümliche Schönheit entfalten, die erst in der Vereinfachung entsteht – ebenso wie die von Fluss und Meer in Horizontlinien, Spiegelungen oder Durchblicken.

Typische Wasser-Motive

„Ich mache in der Regel viele Fotos von dem, was mich zur Malerei inspiriert“, sagt die Künstlerin, und zuhause im Atelier entstehen dann großformatige Malereien in Acryl oder auch kleinere Aquarelle. Stets wirken sie gestisch und spontan, und durch den lasierenden Farbauftrag entstehen jene fließenden Übergänge, wie sie für Wasser-Motive typisch sind.

Der Fluss, Hafenanlagen und Stadtsilhouetten, hohe Himmel und weite Horizonte bestimmen viele der Bilder von Renate Hoffmann. Breite Bänder in türkisblau lassen den Betrachter den salzigen Duft des Meeres erahnen und vermitteln die tiefe Ruhe, die vom Ozean ausgeht.

Die Ausstellung „Weit ist der Weg“ im Atelier Brandt Credo, Meyerstraße 145, kann bis Sonntag, 25. Juli, sonntags, 16 bis 18 Uhr, und nach Vereinbarung besucht werden. Aktualisierte Termine und weitere Informationen, wie zum Beispiel ein Video-Rundgang durch die Ausstellung sowie alle in der Galerie ausgestellten Werke finden sich unter http://www.atelier-brandt-credo.de/aktuell.html.

Weitere Arbeiten von Renate Hoffmann lassen sich auf ihrer Homepage unter www.arthoffmann.de ansehen.

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