Elterninitiative fordert Verkehrskontrollen

Mütter kämpfen für sichere Schulwege

In der Neustadt lassen viele Eltern ihre Grundschulkinder nicht alleine zur Schule laufen, weil die Wege aus ihrer Sicht zu gefährlich sind. Nun fordert eine Initiative mehr Sicherheit für die Kleinen.
14.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Mütter kämpfen für sichere Schulwege

Ohne Ampel am Buntentorsteinweg kann es für Kinder neben der Haltestelle Am Dammacker gefährlich werden.

Roland Scheitz

Das Mädchen auf dem Kinderfahrrad heult und schreit. „Ich will alleine zur Schule fahren!“ Ihre Mutter hält neben ihr am Buntentorsteinweg an und sagt knapp: „Das geht aber nicht.“ Sie blickt auf Höhe der Straßenbahnhaltestelle Am Dammacker die Straße hinauf und hinunter, sucht eine Lücke zwischen den Autos und treibt ihre Tochter zur Eile über die Straße an. Autofahrer erhalten im Gegenzug keinen Hinweis auf oder an der Straße, dass sie dort mit Tempo 50 gerade einen Schulweg von Grundschulkindern kreuzen.

Es sind Szenen wie diese, die das Problem deutlich machen, weshalb die Elterninitiative Siweki („Sichere Wege für Kinder in der Neustadt“) in diesen frühen Morgenstunden Menschen aus der Politik, der Verkehrsbehörde, Innenbehörde und Polizei und vom Ordnungsdienst an den Grünzug Huckelrieder Friedensweg eingeladen hat.

„Wir wollen unsere Kinder in der Neustadt gerne alleine zur Schule laufen und fahren lassen, aber das tun wir nur sehr ungern, weil die Wege zu gefährlich sind“, sagt Saskia Wegelein. Sie gehört zu der Initiative, die ein Zusammenschluss von engagierten Müttern ist, deren Kinder alle auf eine der fünf Neustädter Grundschulen gehen. Auf den Schulwegen ihrer Kinder haben sie zehn besonders schwerwiegende Gefahrenpunkte zusammengetragen, die sie so schnell wie möglich beseitigt sehen wollen. Dazu zählt auch die fehlende Ampel am Buntentorsteinweg, dort, wo der Huckelrieder Friedensweg die Straße kreuzt. Weitere 19 Stellen, die aus Sicht der Mütter ebenfalls noch entschärft werden müssen, kommen hinzu.

Die Frauen listen an den benannten Orten zugeparkte Gehwege und Kreuzungen auf, an denen Kinder die heranfahrenden Autos zu spät sehen können. Hinzu kommen fehlende Markierungen, ungünstige Ampelschaltungen, zu schnell fahrende Autofahrer oder eben fehlende Querungshilfen über Straßen. Auch reichlich Lösungsvorschläge haben sie zusammengetragen: Zebrastreifen, Ampeln und Piktogrammen über fest installierte Blitzgeräte bis hin zu der Forderung an die Innenbehörde, „die geltenden Regeln der Straßenverkehrsordnung durch konsequente Verkehrsüberwachung in der Neustadt durchzusetzen“, steht in dem Positionspapier der Initiative. Halte- und Parkverbote, insbesondere vor Einfahrten, in Kreuzungsbereichen und auf Fußwegen sollten „unverzüglich und dauerhaft durchgesetzt werden“, schreiben die Frauen.

Tatsächlich sieht auch Murat Orta vom Ordnungsamt ein Problem mit falsch geparkten Autos auf Schulwegen. „Wir haben die Neustadt da im Fokus, besonders die fünf Meter Abstand von der Kreuzung werden oft nicht eingehalten.“

Die Ampel am Huckelrieder Friedensweg will der Beirat auch schon lange haben und hat sich sogar gegenüber dem Amt für Straßen und Verkehr bereit erklärt, die Hälfte der Kosten aus seinem Stadtteilbudget dafür zu übernehmen. Auch die Kosten für eine Verkehrszählung, ohne die keine Ampel aufgebaut wird, würde der Beirat übernehmen. „Da ist es schon sehr frustrierend, dass sich da seit über eineinhalb Jahren einfach nichts tut“, sagt Beiratssprecher Ingo Mose (Grüne).

Staatrat Ronny Meyer (Grüne) aus der Verkehrsbehörde versichert, das Thema nun auf die politische Agenda zu setzen. „Ich finde es nachvollziehbar, dass die Eltern ihre Kinder an dieser Stelle nicht alleine über die Straße lassen wollen“, sagt er. Einen weiteren Termin mit der Bürgerinitiative hat er bereits vereinbart, um die komplette Mängelliste besprechen zu können. „Dann müssen wir sehen, was sich davon umsetzen lässt“, so Meyer.

Ähnliches ist aus dem ASV zu hören, dessen Leiter Sebastian Mannl allerdings zunächst den Kontakt zu Neustädter Ortsamt und Beirat sucht. „Denn es ist wichtig, die Punkte auf der Liste herauszufiltern, die dem beiderseitigen Interesse von Beirat und Bürgern entsprechen.“ Allgemein sei Schulwegesicherheit für das ASV ein sehr wichtiges Thema. Warum jedoch beim Ampelthema am Huckelrieder Friedensweg derzeit Stillstand herrscht, kann er spontan nicht abschließend beantworten.

„Früher haben wir uns alleine, jeder an seiner Schule, für Verbesserungen eingesetzt und den Beirat mit ins Boot geholt, doch verändert hat das leider fast nichts“, resümiert Ira Diethelm die vergangenen fünf Jahre Elternengagement für mehr Verkehrssicherheit. „Jetzt reicht es uns, wir müssen jetzt gemeinsam mehr bewegen und umsetzen“, fordert ihre Mitstreiterin Saskia Ehlers.

Die Einführung von Tempo 30 nur vor den Schuleingängen sei nicht genug, sagt Ehlers. "Wir brauchen diese Geschwindigkeit auf allen Wegen der Kinder und fordern daher Tempo 30 für die gesamte Neustadt. "Aus Gründen der Verkehrssicherheit wäre das richtig, nur leider verhindert hier das Bundesrecht momentan noch eine Umsetzung", sagt Staatsrat Meyer dazu. Bremen sei aber bereits mit anderen Bundesländern im Gespräch darüber, daran etwas zu ändern

Für Ramona Seeger (Linke), Sozialausschusssprecherin aus dem Neustädter Beirat, ist es „bildungspolitisch eine der wichtigsten Fähigkeiten, alleine den Schulweg zu bewältigen“. Daher wolle der Beirat die Schulwegsicherheit als ein Schwerpunktthema der laufenden Amtszeit anpacken. Während der kommenden Beiratssitzung am Montag, 21. September, werde über das Thema gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert.

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