Rückbau der Friedrich-Ebert-Straße Neustädter wollen eins werden

Durch Rückbau der Friedrich-Ebert-Straße sollen das Flüsseviertel und die Südervorstadt zusammenwachsen. Eine Arbeitsgruppe aus Bewohnern hat sich zu den notwendigen Veränderungen Gedanken gemacht.
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Neustädter wollen eins werden
Von Justus Randt

Wie lässt sich der Schnitt, den die Friedrich-Ebert-Straße zwischen Südervorstadt und Flüsseviertel darstellt, schließen? Zwei statt vier Fahrspuren, das wäre eine der größten notwendigen Veränderungen, die eine Arbeitsgruppe aus Bewohnern der Neustadt sich ausgedacht hat, um die Lebensqualität entlang und beiderseits der viel befahrenen Ein- und Ausfallstraße verbessern ließe. Manche der Beteiligten sind: Manuel Warrlich (Beiratsmitglied), Wolfgang Köhler-Naumann gehört dem Forum Verkehrswende Neustadt an, und Anne Loschky ist „einfach Neustädterin“. Gemeinsam haben sie am Freitag vorgestellt, was sich ihrer Meinung nach ändern muss. Bei Maike Schaefer (Grüne), Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, rennen sie damit offene Türen ein.

Im Ergebnis sollen die Änderungen zu mehr Sicherheit für Fußgänger, Kinder, Radfahrer und zu „weniger Verkehrslärm und Abgasen“ führen. Und eben zum Zusammenwachsen der Quartiere. Erreichen will die Arbeitsgruppe das alles so: Tempo 30 entlang der gesamten Friedrich-Ebert-Straße, breitere Bürgersteige für Fußgänger, sogenannte geschützte, also baulich abgetrennte Radfahrstreifen und eigene Fahrstreifen für Straßenbahnen, damit Autos die Gleise nicht mehr blockieren können.

Weniger Verkehr, mehr Platz

Außerdem soll es zusätzliche Ampeln geben und „sichere und zügige Querungen für Fuß- und Radverkehr“. Dabei haben die Neustädter Akteure nicht zuletzt die Verkehrssicherheit der Schulwege in Höhe der Gastfeldstraße, der Kornstraße, des Leibnizplatzes und der Wilhelm-Kaisen-Brücke im Blick. Rundum-Grünphasen an einigen Kreuzungen, die Fußgängern gefahrloses Kreuzen und Queren in alle Richtungen ermöglichen, sind aus Sicht der Gruppe empfehlenswert. In den Niederlanden sei diese Ampelvariante bereits im Einsatz, sagt Wolfgang Köhler-Naumann. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde auf der gesamten Strecke zwischen Martinistraße und Neuenlander Straße „erhöht die Sicherheit für alle und sorgt für mehr Gleichberechtigung zwischen den Verkehrsteilnehmern“.

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Vieles dessen, was die Arbeitsgruppe zusammengestellt hat, knüpfe an lange diskutierte Ansätze an, sagt Manuel Warrlich. „Beispielsweise die Ampeln kommen im Verkehrsentwicklungsplan vor.“ Anne Loschky hält den gemeinsamen Plan für eine gute Grundlage, um mit Planern ins Gespräch zu kommen und natürlich Gespräche im Stadtteil anzuregen. 1000 Exemplare der Broschüre „Für eine lebenswerte und sichere Neustadt“ werden seit Freitag verteilt. Handzettel weisen auf die entsprechende Internetadresse hin: friedrich-ebert-str.stadtneudenken.de.

Mobilitätssenatorin Maike Schaefer begrüßt den Impuls aus dem Stadtteil: „Das ist eine tolle Initiative in der Neustadt entstanden. Als Paket ist das sehr zu begrüßen“, sagt sie. Fußgänger hätten mehr Platz, es gäbe keine Einfallschneise mehr, Park and Ride wäre an der Neuenlander Straße denkbar, die Gastronomen könnten ihre Freiluftplätze ausweiten. „Das würde zu einer enormen Aufwertung der Neustadt beitragen, ohne eine Gentrifizierung zu fördern.“ Das Zusammenwachsen des Stadtteils und die Umweltauswirkungen der Neugestaltung hält die Senatorin für wünschenswert.

Auf das Ziel der autofreien Stadt zugehen

Nun müsse im Detail geschaut werden, „was sich kurz-, mittel- und langfristig umsetzen lässt“. Schaefer kündigt an, sich mit den Ideengebern zusammenzusetzen. Mit ihrem Entwurf gehe die Gruppe konsequent auf das für 2030 angestrebte Ziel der autofreien Innenstadt zu. Einziger Vorbehalt seien die Finanzen, so die Senatorin. Kurzfristig und „ohne dass viel Geld in die Hand genommen werden müsste“, ließen sich vermutlich die sicheren Fahrradstreifen und Rundum-Grün-Ampelphasen umsetzen.

Der komplette Rückbau der Straße, an der nach Schätzung Wolfgang Köhler-Naumanns rund 1100 Menschen wohnen und die täglich etwa 25.000 Kraftfahrzeuge und 15.000 Fahrräder befahren, wäre aufwendiger, auch was die Kosten betrifft. Die nächsten Schritte sind noch nicht recht absehbar. "Wir könnten uns vorstellen", so Köhler-Naumann, "dass uns vielleicht der Beirat Neustadt in den Verkehrsausschuss einlädt.

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