„Umgedrehte Kommode-Umnutzung“ steht aus

Nichts geht voran am Wasserturm in Bremen

Wann kommt endlich neues Leben in den Wasserturm, den die Bremer „umgedrehte Kommode“ nennen? Diese Frage stellen sich viele Menschen – doch die Investoren kommen nicht voran.
11.09.2019, 18:26
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel
Nichts geht voran am Wasserturm in Bremen

Das Mauerwerk des 1873 erbauten Wasserturms ist noch stabil. Aber das fehlende Leben in dem Denkmal wirft Fragen auf.

Christina Kuhaupt

Wer einen historischen Wasserturm kauft, der weithin sichtbar mitten in der Stadt herumsteht, muss damit rechnen, dass die ganze Stadt einem dabei sehr genau auf die Finger schaut. Und eben auch sieht, wenn danach nichts geschieht – so wie seit über zehn Jahren an dem Denkmal, das die Bremer „umgedrehte Kommode“ nennen. Einige Anwohner hegten kürzlich die Hoffnung, dass sich nun doch etwas tut an dem altehrwürdigen Backsteingebäude. Denn immerhin werkeln dort zurzeit direkt davor im verlassenen Pumpenhaus Bauarbeiter herum. „Wir bauen das Haus um und richten dort Büros ein“, erklärt Investor Sven Gless auf Nachfrage. Er hatte 2006 gemeinsam mit drei weiteren Männern den Wasserturm mit seinen Nebengebäuden vom Energieversorger SWB gekauft. Mit der „umgedrehten Kommode“ hätten die aktuellen Arbeiten aber „überhaupt nichts zu tun“, so Gless.

Dies könnte das Ende der Berichterstattung sein. Falscher Alarm, alles bleibt erstmal weiter beim altbekannten Zustand. Der Wasserturm bekommt in absehbarer Zeit keine neue Aufgabe. Er muss einfach nur weiterhin Wind und Wetter trotzen und ein schönes Wahrzeichen der Hansestadt abgeben. Wäre da nicht die drängende Frage, die viele Bremer sich mit Blick auf den Turm an der Weser immerzu stellen: Wann passiert da endlich was?

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Schließlich galt die Umnutzung des Wasserturms noch Anfang der 2000er-Jahre als das Schlüsselprojekt, um das geplante Neubaugebiet auf dem ehemaligen Wasserwerke-Gelände so richtig in Schwung zu bringen. Die Wohnhäuser sind ringsherum mittlerweile in großen Teilen schon fertig und das hat lange genug gedauert. Seit 2010 entstehen dort auf dem Stadtwerder moderne Einfamilienhäuser, Stadtvillen und Mehrfamilienhäuser, 2023 soll laut der beteiligten Baufirmen das letzte fertig sein.

Investor will nichts versprechen

Ob dann eben wenigsten zum krönenden Abschluss neues Leben in die „umgedrehte Kommode“ einziehen kann? „Wir haben das Projekt auf dem Schirm, können aber keine konkreten Versprechungen machen“, bleibt Gless so vage wie schon in den Jahren zuvor. Das war aber nicht immer so. Es gab mal ein Konzept der Eigentümer, das zu Streit mit den Denkmalpflegern führte. Im Kern ging es darum, auf den Turm eine Kuppel aus Glas zu setzen, unter der ein Restaurant Platz gehabt hätte. Der dazu notwendige gläserne Fahrstuhl sollte die Gäste außen an der Fassade hoch und herunter befördern. Dem wollte der Denkmalschutz nicht zustimmen.

Auch aus einem möglichen Umzug des Museums Weserburg wurde nichts und auch nichts aus der Idee, die benachbarte Hochschule für Nautik könnte ein Simulationszentrum für angehende Schiffsoffiziere dort einrichten. Dennoch zeigt sich der Investor optimistisch, dass es noch ein passendes Innenleben für den Wasserturm gibt, mit dem sich auch der Denkmalschutz anfreunden kann. „Mittlerweile arbeiten wir in bester Kooperation, das haben auch die Umbauten am Pumpenhaus gezeigt.“ Denn mit denen war die Landesdenkmalpflege offenbar einverstanden. Ein Probelauf im Kleinen aus Sicht der Investoren. Im Gespräch bleiben, Vertrauen aufbauen. Gless betont, er und die anderen Eigentümer hätten „das Ding nicht gekauft, um es unverändert stehen zu lassen.“

Aus den Bauunternehmen, die Wohnhäuser auf dem Stadtwerder errichten, kommen zurückhaltende Äußerungen zu dem Stillstand am Turm. „Als direkte Nachbarn wären wir froh über Konzepte, die positiv für das Wohngebiet sind“, sagt Bernd Botzenhardt, Vorsitzender der Brebau. Ratschläge will er den Eigentümern aber nicht erteilen. Das Neubaugebiet mache mit dem verlassenen Bauwerk einen „unvollständigen Gesamteindruck“, merkt Gerd Lüken von der „Gesellschaft für wirtschaftliches Bauen“ an.

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Die Neustädter Ortsamtsleiterin stellt fest, dass im Stadtteil bereits zum Teil Resignation eingekehrt sei. „Trotzdem bleibt ein großer Wunsch, dass die Kommode öffentlich zugänglich wird.“ Keinesfalls dürfe zudem das Nichtstun die Bausubstanz gefährden.

Dass die Menschen in der Stadt auf ein Startsignal warten, kann der Investor verstehen. „Es ist mir klar, dass eine Erwartungshaltung da ist, dass dort etwas passiert und es beschämt mich auch ein bisschen, dass wir noch nicht weiter sind“, so Gless. „Wir sind uns der Verantwortung für das Denkmal bewusst, können aber trotzdem noch kein fertiges Konzept präsentieren“, sagt der Investor.

Landesdenkmalpfleger will nichts ausschließen

Das hört Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki gerne. Denn so sehr er sich auch über eine angemessene Pflege des Wasserturms freuen würde, „so hoffe ich doch sehr, dass wir weit vor dem fertigen Konzept mit den Eigentümern ins Gespräch kommen.“ Nur so könnten Ideen frühzeitig daraufhin abgeklopft werden, welche Eingriffe sie für das Denkmal bedeuten. „Ausschließen will ich nichts, aber Wohnungen wäre sicherlich schwierig einzubauen, weil größere Öffnungen im Mauerwerk nicht drin sind“, so Skalecki.

Die Bausubstanz des Wasserturms sei in Ordnung, daher gebe es keinen akuten Handlungsbedarf. Darin sind sich Denkmalpfleger und Eigentümer mittlerweile einig. „Trotzdem wäre es schön, wenn der Zustand, dass das Gebäude nicht gepflegt wird, möglichst bald endet“, sagt Skalecki. Schließlich sei der Turm „als Landmarke an der Weserlinie von wichtiger Bedeutung für das Stadtbild“.

Zwingen könne man die Eigentümer aber nicht dazu, tätig zu werden. „Wir müssen warten, bis uns Pläne vorgelegt werden, über die wir sprechen können.“ Aus der Baubehörde ist ähnliches zu erfahren. Der Stillstand sei unschön. Instrumente, um ihn zu beenden, sehe die Behörde aktuell aber nicht. Sprecherin Gudrun Eiden: „Dass dieses markante, historische Bauwerk mitten in der Stadt brachliegt, ist sehr zu bedauern.“

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