Entwicklungsziele für Läden in der Neustadt Pappelstraße kann sich sehen lassen

Die Einkaufsmeile im Bremer Flüsseviertel ist gut aufgestellt, in Huckelriede gibt es hingegen rings um den Friedhof zu wenig Einkaufsmöglichkeiten. Das steht im Nahversorgungskonzept für die Neustadt.
23.02.2020, 23:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel

Die Neustadt ist zwar gut mit Drogerie- und Supermärkten, Bäckereien und weiteren Nahversorgern ausgestattet, aber dennoch gibt es in einigen Ortsteilen noch Luft nach oben. Das ist – stark vereinfacht – die zentrale Aussage der Fachleute, die derzeit an einer Fortschreibung des Bremer Zentren- und Nahversorgungskonzeptes arbeiten.

Wie im Hauptteil dieser Zeitung berichtet, wollen Bau- und Wirtschaftsressort im Einklang mit der Handelskammer in dem überarbeiteten Konzept Bereiche festlegen, in denen sich der Einzelhandel weiterentwickeln kann. Ziel ist, dass die Stadtteilbewohner Lebensmittel und weitere Dinge des täglichen Bedarfs in ihren Quartieren einkaufen können. Gleichzeitig sollen die Läden nicht in den Außenbezirken mit Spezialangeboten der Innenstadt die Kunden abgraben.

In der Neustadt gilt die Einkaufsmeile entlang der Pappelstraße als das Stadtteilzentrum. Der Drogeriemarkt und Lebensmittelmärkte wie Rewe am Delmemarkt sowie der Pennymarkt an der Kreuzung zur Langemarckstraße gelten als „Magneten“, die auch die umliegenden Fachgeschäfte mit Laufkundschaft versorgen. Auch die noch recht neue Stadtteilfiliale der Sparkasse, das hohe gastronomische Angebot sowie den recht gut funktionierenden Wochenmarkt zählen die Fachleute zu den Pluspunkten, die das Stadtteilzentrum zu bieten hat.

Beirat: Falsche Zählung der Geschäfte

Im Vergleich zu Stadtteilen, die mit mehr Leerstand zu kämpfen haben, gibt es noch viele inhabergeführte Fachgeschäfte, die zur Attraktivität beitragen. Dennoch empfehlen die Experten, künftig den Bereich Pappelstraße zusammen mit Teilen der Langemarckstraße und dem Beginn der Gastfeldstraße mit weiteren Angeboten zu ergänzen.

Die Lokalpolitiker der Neustadt begrüßten am Donnerstag in einer gemeinsamen Stellungnahme die Fortschreibung des Zentren- und Nahversorgungskonzepts. Allerdings zeigten sie sich unzufrieden damit, dass künftig der Teil der Pappelstraße zwischen Langemarck- und Hohentorsheerstraße aus dem Stadtteilzentrum herausfallen soll. Auch das sogenannte „Nahversorgungszentrum“ an der nördlichen Kornstraße soll verkleinert werden und künftig nicht mehr bis in die Lahnstraße reichen. „Diese beiden Punkte halten wir für korrekturbedürftig, weil aus unserer Sicht die Zählung der Geschäfte falsch abgelaufen ist“, begründet Beiratssprecher Ingo Mose (Grüne) die Kritik des Beirates.

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Denn die Erhebung habe bereits 2017 stattgefunden. „Seither hat sich sowohl an der Pappelstraße als auch an der Lahnstraße einiges getan“, sagt Mose. Insgesamt etwa 300 Geschäfte haben in der gesamten Neustadt während der letzten Zählung 2017 existiert. Das sind nur 24 und damit sieben Prozent weniger als zehn Jahre zuvor. Angesichts der starken Konkurrenz durch den Online-Handel ist das eine erfreuliche Nachricht. Nun fordert der Beirat, an den beiden genannten Stellen nochmals vor Ort zu gehen und den aktuellen Stand zu erfassen. „Wir wollen nicht, dass ein Teil der Zentren weggenommen wird und dort dann etwas anderes als Einzelhandel gewünscht ist“, sagt der Beiratssprecher.

Geringe Aufenthaltsqualität

Weiterhin als Nahversorgungszentren gelten die Bereiche vom Lucie-Flechtmann-Platz bis zum Leibnizplatz sowie der vordere Buntentorsteinweg vom Rotes-Kreuz-Krankenhaus bis zum Friedhof Buntentor. Dort können sich die Anwohner zwar gut versorgen, die Fachleute bemängeln aber vorrangig die geringe Aufenthaltsqualität an den viel befahrenen Straßen. Handlungsbedarf sehen die Fachleute auch am Sonderstandort Duckwitzstraße. Dort würde das Sortiment immer ­weiter ausgedehnt, das eigentlich der Innenstadt vorbehalten ist. Diese Entwicklung stoppen könnte allerdings nur ein veränderter Bebauungsplan, in dem dann neue Obergrenzen für Verkaufsflächen – beispielsweise für Bekleidungsgeschäfte, Getränkemärkte und ähnliche Angebote – festgeschrieben werden könnten.

Als Sorgenkind gilt außerdem die Gottfried-Menken-Straße, die künftig nicht mehr als Nahversorgungszentrum im Konzept auftauchen wird. Zu viele Geschäfte stehen dort in der kleinen Ladenzeile leer, und der Wochenmarkt hat zu kämpfen. Der aktuelle Zustand reiche jedenfalls nicht aus, um den ­Anspruch an einen zentralen Versorgungsbereich zu rechtfertigen, begründen die Fachleute die Entscheidung. Der Beirat Neustadt fordert deshalb, auch Schnittstellen mit ­anderen Ressorts zu nutzen, um die Infrastruktur und die dortige Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Als komplett unterversorgt mit wohnortnahen Einkaufsmöglichkeiten gilt in der Neustadt nur der Bereich vom Ortsteil Huckelriede rings um den Friedhof. Der in der Gartenstadt Werdersee geplante Supermarkt könnte aus Sicht der Experten diese Lücke in wenigen Jahren schließen.

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