„Grüne Damen“ am RKK Bremen sehr engagiert

Patienten Zeit schenken

Seit 35 Jahren arbeiten die „Grünen Damen“ seelsorgerisch im Rotes Kreuz Krankenhaus in Bremen. Ihre Aufmerksamkeit und Zuwendung fördern bei vielen Patienten den Heilungsprozess.
14.10.2019, 20:44
Lesedauer: 4 Min
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Patienten Zeit schenken
Von Ulrike Troue
Patienten Zeit schenken

Die "Grünen Damen" Thea Schmitz (l.) und Christel Menzer (r.) lesen Patentin Irma Reimers vor und hören ihr zu.

Karsten Klama

Woche für Woche verschenken die „Grünen Damen“ ehrenamtlich ihre Zeit an Kranke. „Wir besuchen sie am Krankenbett, reichen ihnen Essen, begleiten sie zu Untersuchungen, gehen mit ihnen spazieren, lesen ihnen vor oder erledigen Besorgungen“, zählt Christel Menzer auf. Sie leitet die Gruppe der „Grünen Damen“ am Rotes Kreuz Krankenhaus (RKK), die derzeit aus 22 Frauen und einem Mann besteht.

Aber gut zuhören sie das Wichtigste, sagt Christel Menzel. Diese Zuwendung fördert den Heilungsprozess, denn die „Grünen Damen“ arbeiten vor allem seelsorgerisch. Sie gehen ruhig auf die Patienten zu, sprechen sie an und unterliegen der Schweigepflicht. „Dieses Ehrenamt erfordert sehr viel Empathie, man muss spüren können, ist da mehr“, erklärt die Oytenerin. „Auch wenn Tränen fließen, haben wir das auszuhalten, Tränen sind so erleichternd.“

Die „Grünen Damen“ sehen ihre Aufgabe darin, durch mitmenschliche Nähe, Zuwendung und Aufmerksamkeit für die Sorgen und Nöte der Patienten da zu sein, beschreibt Barbara ten Haaf diese unentgeltliche Arbeit. „Wir ersetzen keine Pflegekräfte.“

In der Besenkammer gestartet

Sie hat die Gruppe der „Grünen Damen“ 1984 am RKK gegründet. Zu der Zeit war diese Art ehrenamtlicher Tätigkeit in der Klinik noch neu. Außerdem gab es innerbetriebliche Diskussionen und Ängste, ob die Ehrenamtlichen dem Pflegepersonal die Arbeit wegnehmen könnten. Und auch Räumlichkeiten mussten erst frei gemacht werden: Die ersten „Grünen Damen“ trafen sich zunächst in einer ehemaligen Besenkammer.

Vom ersten Tag an ist Thea Schmitz dabei. Die 81-jährige „Grüne Dame“ aus Huchting fährt auch heute noch mit dem Fahrrad 25 Minuten ins RKK, um Patienten Zeit und Hilfe zu schenken. Denn auf dem Rückweg könne sie im wahrsten Sinne des Wortes „abstrampeln“, was sie im Krankenhaus gehört und erlebt hat und für sich verarbeiten muss. „Ich stöhne nie“, beteuert die Seniorin glaubhaft. „Wir waren selbstständig und haben drei sehr gut geratene Söhne, aus denen etwas geworden ist. Es ging und geht uns gut, da wollte ich gerne etwas von meinem Glück weitergeben“, erzählt Thea Schmitz über ihre Beweggründe für dieses Ehrenamt, das sie seit 35 Jahren flexibel und zuverlässig ausfüllt. Und nach wie vor mit großer Freude, beteuert sie, weil die Kranken die Besuche nach ihrer Erfahrung als positiv erleben würden.

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Thea Schmitz hat sich damals sofort auf einen entsprechenden Zeitungsaufruf hin im RKK gemeldet. „Ich habe 25 Jahre im Altenheim gearbeitet, hatte also eine Vorstellung, was auf mich zukommen könnte“, blickt die Huchtinger Helferin zurück.

Kürzere Verweildauer

Die größte Veränderung in den vergangenen 35 Jahren ist aus ihrer Sicht die deutlich kürzere Verweildauer in der Klinik. „Früher lagen einige Patienten Monate dort“, erzählt Thea Schmitz. Da sei es auch vorgekommen, dass sie etwas aus der Wohnung des Patienten holen sollte. „Dann bin ich zur Polizei gegangen, die haben einen Streifenwagen geschickt“, berichtet sie von ihrem Vorgehen, um kein Risiko einzugehen.

Sie tritt zwar zurzeit etwas kürzer, ans Aufhören denkt die 81-Jährige aber noch nicht. Schmitz steht nicht mehr mit festen Zeiten in der Einsatzplan-Kladde, sondern springt flexibel ein, wenn eine andere freiwillige Person ausfällt. Dass sie beim Geburtstagsempfang im RKK für ihr freiwilliges Engagement über so lange Zeit ausgezeichnet werden würde, wäre der Huchtingerin nie eingefallen.

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„Ich war erstaunt und freudig überrascht“, kommentiert Thea Schmitze diese Ehrung durch den Landesdiakoniepastor der Bremischen Evangelischen Kirche und Vorstand des Diakonischen Werks Bremen. Manfred Meyer hat ihr als Mitglied in der Evangelischen Krankenhaushilfe (EKH) das Kronenkreuz in Gold als Zeichen der Wertschätzung überreicht.

Vor zehn Jahren ist Christel Menzer zu den „Grünen Damen“ gestoßen. Sie hatte vor ihrem Eintritt in den Ruhestand lange Zeit den Betriebsarzt im RKK begleitet. „Ich habe mein Leben lang mit Menschen gearbeitet, das hat mir viel gegeben“, sagt Menzer. Dass dieses Ehrenamt sehr zeitaufwendig sei, gibt sie zu. „Aber ich mache es sehr gerne. Ich bin ein Mensch, der ans Krankenbett gehört.“

Unterstützung bei Demenzkranken

Fünf Jahre später übernahm die Oytenerin, die mit dem Haus und der Geschäftsleitung schon sehr vertraut war, dann die Leitung der „Grünen Damen“. Ein Teil ihres Teams sei speziell fortgebildet und unterstütze die zertifizierte Expertin für Demenz im Krankenhaus, Karen Steixner, bei ihrer täglichen Arbeit mit demenziell erkrankten Patienten, stellt Menzer heraus. Seit zwei Jahren widmen sich fünf Teammitglieder jeden Morgen dieser wichtigen Aufgabe.

„Wir Grünen Damen und Herren ergänzen die pflegerischen, therapeutischen und seelsorgerischen Bemühungen der Fachkräfte. Wir geben den Patienten die Möglichkeit, ihre persönlichen Wünsche zu äußern und das anzusprechen, was sie bewegt, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit“, stellt Christel Menzer heraus. Und sie ist stolz auf ihr Team, in dem ein fröhlicher Geist herrscht und auch mal gefeiert wird.

Der regelmäßige Austausch und auch ebenso die große Unterstützung des RKK seien wichtig für ihre Arbeit, sagt sie. „Wir bekommen Supervision, Fortbildung und jede Unterstützung seitens des RKK, die wir uns für unsere ehrenamtliche Arbeit wünschen können.“

Die „Grünen Damen“ sind nach Ansicht der Pflegerischen Geschäftsführerin des RKK, Barbara Scriba-Hermann, „ein wichtiger, sinnstiftender Baustein in unserem Haus“. Sie würden einen großen humanitären Beitrag zur Gesellschaft leisten.

Weitere Informationen

Wer sich ehrenamtlich als „Grüne Dame“ oder „Grüner Herr“ im RKK engagieren möchte, kann Teamleiterin Christel Menzer telefonisch unter 0 42 07 / 24 53 oder per E-Mail unter
gruenedamen@roteskreuzkrankenhaus.de erreichen.

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