Neues Gewerbegebiet auf 90.000 Quadratmetern

Was am alten Güterbahnhof in der Bremer Neustadt entstehen soll

Wenn es nach dem Flächenentwickler Christoph Peper geht, soll auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs in der Bremer Neustadt ein Gebiet für Betriebe entstehen, das auch abends belebt ist. Er sagt, wie.
11.08.2020, 05:00
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Was am alten Güterbahnhof in der Bremer Neustadt entstehen soll
Von Florian Schwiegershausen
Was am alten Güterbahnhof in der Bremer Neustadt entstehen soll

Der Waggon auf dem alten Güterbahnhof in der Neustadt dient Flächenentwickler Christoph Peper als Besprechungsraum.

Christina Kuhaupt

Der Waggon auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände in der Neustadt ist gerade geöffnet. Er dient Christoph Peper als Besprechungsraum vor Ort. Denn auf 90.000 Quadratmetern will der Geschäftsführer von Peper & Söhne dort ein neues Gewerbegebiet entwickeln. Dass es langsam losgeht, werden Anwohner und die auf der B6 vorbeisausenden Autofahrer spätestens im Oktober erkennen. Dann wird die Aral-Tankstelle abgerissen. Als Peper die Fläche im November 2018 von der Deutsche-Bahn-Tochter Aurelis übernahm, türmte sich hüfthoch der Hausmüll, daneben Skelette von Tieren sowie Spritzen: „Wenn so ein Gelände über Jahrzehnte verwahrlost und die Ordnungsbehörden das so geschehen lassen, dann findet man eben solch eine Situation vor.“

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Fläche auch abends beleben

Das soll sich nun ändern. Und eigentlich will Peper für das, was hier entstehen soll, nicht so recht den Begriff „Gewerbegebiet“ verwenden. Das lasse viele eher an etwas denken, was sie mit Arealen am Stadtrand verbinden: „Also solche Flächen wie Schuhkartons, wo um 18 Uhr nichts mehr los ist, weil alle Feierabend haben und nach Hause gefahren sind.“ Genau das will Peper nicht für dieses Gebiet zwischen der B6 und dem neuen Tabakquartier. „Hier soll kein Angstort entstehen“, betont der 30-Jährige. Deshalb gefällt ihm die Bezeichnung „urbanes Gebiet“ viel besser.

Er könne sich dort zum Beispiel ein Fitnessstudio vorstellen: „Das ergänzt sich ganz gut mit möglichen Handwerksbetrieben. Denn die brauchen die Stellflächen zum Parken eher tagsüber, das Fitnessstudio braucht sie tendenziell eher abends.“ Auch ein kleines Hotel, das am Abend für Belebung sorgen kann, würde aus Pepers Sicht gut passen. Zusätzlich sollte das Gelände mit modernen Lampen ausgeleuchtet werden: „Allein das ändert ja den ganzen Charakter.“

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Der Beirat Neustadt befürwortet auf dem Gelände zudem eine Nahversorgung. Peper kann sich dieser Forderung anschließen: „Ein Supermarkt wäre auch möglich. Eine Studie sagt, dass das hier funktionieren könnte.“ Ein solcher Laden wäre dann nicht nur bis 18 Uhr geöffnet und konnte die Fläche ebenfalls am Abend beleben. „Natürlich wäre das auch wieder etwas für die Menschen, die hier arbeiten. 1000 Arbeitsplätze können hier schon entstehen“, sagt der Unternehmer. Wenn die Beschäftigten außerdem dort einkaufen, wo sie arbeiten, würde das wohl auch die eine oder andere Autofahrt einsparen. Für die Entwicklung des Geländes hat Peper das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) mit einer Studie beauftragt. Nach Ansicht der Experten, so sagt Peper, wären „auch kulturelle Themen hier möglich, wenn die sich finanziell tragen“. Das sei ein weiteres Beispiel, wie sich das Gelände abends beleben ließe.

Derzeit sind dort zur Zwischennutzung ein Baustoffhändler und ein Betrieb untergebracht, der hochwertige Grillgeräte verkauft und Grillseminare anbietet. „Der Grillanbieter nutzt die Halle gut aus – auch als Lagerfläche“, so Peper. Bei einer ersten Gesprächsrunde über die Zukunft des Geländes waren neben Vertretern aus den Ressorts und den Beiräten auch solche aus der Kreishandwerkerschaft, der Handwerkskammer und der Handelskammer dabei. Mit Mitgliedern aus dem Beirat Neustadt/Woltmershausen sei er in ständigem Kontakt, sagt Peper: „Mit ihnen sind wir im Gespräch, dass wir das Verfahren für den Bebauungsplan im unteren Drittel in Richtung Airportstadt abschließen können.“ Für die oberen beiden Drittel gebe es noch keinen Aufstellungsbeschluss.

Urbane Produktion

Die HWWI-Studie beleuchtet das wirtschaftliche Umfeld und berücksichtigt die derzeitigen Megatrends wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Für Peper geht die Entwicklung klar in Richtung urbane Produktion, die weder laut noch dreckig sei: „Man produziert ja wieder lokaler und kleinteiliger mit einer höheren Fertigungstiefe.“ Der Platz dafür könne in der Neustadt entstehen. Gleichzeitig stellt der Flächenentwickler fest, dass die alteingesessenen klassischen Gewerke aus ihren angestammten Stadtteilen vertrieben würden – weil sie dort nicht wachsen könnten und weil der Betrieb womöglich wegen der Geräuschentwicklung bei Nachbarn für Ärger sorge. Um den Ansprüchen einer modernen Arbeitswelt gerecht zu werden, müsse man das Gelände durchmischen. „Das bedeutet ja, dass man etwas für die Aufenthaltsqualität tun muss. Es muss also etwas drumherum geben, wozu auch eine gastronomische Versorgung gehört.“ Dabei schaut Peper zur Dönerbude an der Straße und sagt: „Altun soll bitte bleiben. Wir haben verabredet, dass wir mit ihm gemeinsam etwas Neues machen wollen.“ Das müsse man aber um weitere Gastro-Angebote ergänzen.

Was sich Peper zusätzlich vorstellen kann: „Wir bauen hier einen Mobilitäts-Hub. Denn nehmen wir mal einen Handwerker: Der ist den halben Tag bei sich in der Firma und den halben Tag beim Kunden und montiert. Das bedeutet, dass sein Auto die Hälfte der Zeit ungenutzt herumsteht. Stattdessen könnte er ja theoretisch aus einem Pool an Elektrofahrzeugen eines nehmen, fährt damit für vier Stunden Montage in die Innenstadt und kommt dann zurück.“ Für solche Distanzen machten dann auch E-Lieferfahrzeuge Sinn.

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Wie die Nutzung als urbanes Quartier am Ende aussehen könne, müsse die weitere Planung ergeben. Möglich seien bis zu 90 Prozent Wohnnutzung. „Wie sinnvoll das im Hinblick auf Schallschutz ist, prüfen wir offen. Wir sind aber kein Wohnungsentwickler.“

Als Peper das sagt, quietschen laut die Bremsen eines Güterzugs nebenan auf den Gleisen. Wenn es nach Peper ginge, würde er schon im Winter mit dem Bau der Erschließungsstraßen beginnen. Auch alles andere könnte aus seiner Sicht zügig losgehen – das gelte auch für die Gebiete, für die momentan noch kein Baurecht besteht: „An anderer Stelle haben wir bereits gezeigt, dass wir schnell sein können.“ Nun hänge alles von der Geschwindigkeit der Stadt und ihrer Ressorts ab, sagt der Entwickler. Seine Erfahrung zeige aber, dass dort die Mühlen derzeit alles andere als im Sprintmodus laufen.

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