Schulstraßen-Gebäude ab Februar Kop-Standort

Polizei dampft Präsenz ein

Neustadt. Im Polizeijargon hat der rote Backsteinbau an der Schulstraße bereits einen Namenswechsel hinter sich. Jetzt kündigt sich der nächste an: Er war einmal 'Revier', jetzt ist er eine 'Station' - und bald wird er nur noch ein 'Kop-Standort' sein. 'Nur noch' deshalb, weil die Präsenz der Beamten zwar nicht zahlenmäßig abnimmt, aber zeitlich.
27.01.2010, 17:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Polizei dampft Präsenz ein
Von Christian Weth
Polizei dampft Präsenz ein

Die Kontaktpolizisten Jürgen Henke (links) und Wolfram Franke vor dem Backsteingebäude an der Schulstraße, das ab Februa

Walter Gerbracht

Neustadt. Im Polizeijargon hat der rote Backsteinbau an der Schulstraße bereits einen Namenswechsel hinter sich. Jetzt kündigt sich der nächste an: Er war einmal 'Revier', jetzt ist er eine 'Station' - und bald wird er nur noch ein 'Kop-Standort' sein. 'Nur noch' deshalb, weil die Präsenz der Beamten zwar nicht zahlenmäßig abnimmt, aber zeitlich. Statt von morgens bis abends sind sie ab Februar für zwei Stunden im Haus mit der Nummer 11 anzutreffen. Der Sonnabend ist aus dem Dienstplan sogar komplett gestrichen.

Böse Zungen könnten behaupten, die Polizei ziehe sich aus der Neustadt zurück. Oder im einwohnerstärksten Stadtteil Bremens gebe es keine Kriminalität mehr. Nein, beides sei falsch, betont Revierleiter Volkmar Sattler. Zumindest so nicht ganz richtig. Schließlich gebe es ja den Standort in der Airport Stadt - nur einen Katzensprung von der Schulstraße entfernt, wie er meint. Auch an Einsätzen in der Neustadt mangele es nicht, aber an Bewohnern, die den Bürgerservice der Polizei an der Schulstraße genutzt hätten.

Die Statistik habe entschieden. Peter Rak sagt es so, wie es nach seinen Worten schlichtweg ist. Der Polizeibeamte, der sich mit Sattler die Leitung für die Neustadt teilt, nennt zwar keine konkreten Zahlen, aber: 'Es gibt so wenig Resonanz, dass der Bürgerservice keinen Sinn mehr macht.' Darum kommt er weg - und sollen die Kops, die Kontaktpolizisten, her. Das macht für ihn eben mehr Sinn, um keine Arbeitskraft zu vergeuden. Und Arbeit gebe es andernorts und in anderen Abteilungen mehr als genug.

Nur eben nicht mehr genügend Beamte. Sattler erwähnt den personellen Mangel beinahe beiläufig, obwohl auch er ihn zu den Hauptgründen für den Wachwechsel an der Schulstraße zählt. Nach seiner Rechnung brauche es 2600 Polizisten, um in Bremen alle Pflichtaufgaben erfüllen zu können. 'Es fehlen aber 120 Einsatzkräfte.' Komme eines zum anderen, träfen zu wenig Beamte auf eine zu geringe Klientel, müsse sich zwangsweise etwas ändern: Aus einer Station wird so ein Standort.

'Neustadt wird nicht unsicherer'

Dass es mehr als nur der Wechsel einer Bezeichnung ist, daraus machen die Beamten keinen Hehl. Ist ein Polizeigebäude werktags nicht mehr von 9 bis 17 Uhr, sondern nur noch von 10 bis 12 Uhr besetzt und am Sonnabend gar nicht mehr geht das zulasten der gefühlten Sicherheit. Das weiß auch Rak: 'Im Kopf wird Schutz immer anders wahrgenommen als er in Wirklichkeit ist.' Doch unsicherer werde die Neustadt eben nicht wirklich. Dafür würden die Kops sorgen, die für zwei Stunden im Büro säßen und wie sonst ihre Runden drehten.

Rein mathematisch ergibt sich nach Sattlers Kalkulation damit eine Ersparnis von sechs Dienststunden pro Beamtem und Tag. Oder genauer: Die Zeitspanne der polizeilichen Präsenz wird an der Schulstraße abgezogen, um sie anderweitig zu verwenden - 'dort, wo sie dringender gebraucht wird.' Und weil bisher drei Beamte im Gebäude an der Schulstraße ganztags im Einsatz waren, kommen für den Revierleiter so viele Stunden zusammen, dass die Entlastung anderer Abteilungen deutlich spürbar ausfallen werde.

Wolfram Franke, Jürgen Henke und Jürgen Linke heißen die Kops, die ab kommenden Monat in den Räumen an der Schulstraße Dienst schieben. Ein Kontaktbeamten-Trio, das die Neustadt kennt. 'Sie sind dort schon seit Jahren im Einsatz', sagt Rak. Wer sie außerhalb der festgelegten Zeiten - 'die beiden Stunden garantieren wir' (Sattler) - sprechen will, muss einen Termin vereinbaren. Entweder mit den Kontaktbeamten persönlich oder mit dem Polizeirevier in der Airport Stadt.

Dorthin muss künftig auch jeder, der vor 10 oder nach 12 Uhr ein Anliegen vorbringen will. Kein großer Akt, wie Peter Rak meint. Schließlich seien es mit der Straßenbahn lediglich vier Minuten von hier nach dort.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+