Werder-Fußballerin Doreen Nabwire Omondi besucht Hort Probleme mit dem deutschen Winter

Neustadt. Doreen Nabwire Omondi sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Steinmauer. Soeben hat die Fußballerin Bekanntschaft mit den Steinplatten gemacht, mit denen der Schulhof der Grundschule an der Oderstraße gepflastert ist. 'Das ist nicht so schlimm, das passiert', sagt sie und ist schon wenige Augenblicke später wieder mitten im Spielgeschehen mit den Kindern. Die Fußballerin ist wegen des Projektes '100 Schulen, 100 Vereine' im Hort, der zum Kinder- und Familienzentrum Warturmer Platz gehört.
29.03.2010, 10:20
Lesedauer: 2 Min
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Von Christian Behrens

Neustadt. Doreen Nabwire Omondi sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Steinmauer. Soeben hat die Fußballerin Bekanntschaft mit den Steinplatten gemacht, mit denen der Schulhof der Grundschule an der Oderstraße gepflastert ist. 'Das ist nicht so schlimm, das passiert', sagt sie und ist schon wenige Augenblicke später wieder mitten im Spielgeschehen mit den Kindern. Die Fußballerin ist wegen des Projektes '100 Schulen, 100 Vereine' im Hort, der zum Kinder- und Familienzentrum Warturmer Platz gehört.

Die Kenianerin ist seit September in Deutschland und spielt für Werder Bremen in der zweiten Bundesliga der Frauen. Darüber hinaus arbeitet sie im Bereich Sozialmanagement des Vereins. In dieser Funktion hat sie schon über fünf Schulen besucht - zwei Tage lang auch die an der Oderstraße, um sich den neugierigen Fragen der sechs- bis zwölfjährigen Kinder zu stellen, mit ihnen zu basteln und Fußball zu spielen.

Und die Kinder fragen eifrig, auch wenn sie schon früh drängeln, endlich selber draußen gegen den Ball zu treten. Als sie auf der Karte zeigt, wo ihr Heimatland liegt, drängen sich alle um Doreen Nabwire Omondi. Integrationspädagogin Petra Precht nutzt schließlich einen stillen Moment, um ihrerseits ein paar Dinge zu erfahren: 'Kannst du uns auch etwas über dein Heimatland Kenia erzählen?' Die Afrikanerin berichtet, dass sie in einem der größten Slums des Kontinents aufgewachsen sei und dass der Frauenfußball in Kenia nicht unterstützt werde. Für die Nationalmannschaft ihres Landes spielt die 23-Jährige bereits seit neun Jahren. 'Wir haben international aber keine Chance', bedauert sie.

2006 lernt Doreen Nabwire Omondi bei der Straßenfußball-Weltmeisterschaft in Berlin Herbert Oswald kennen. Der stellt den Kontakt zu Willi Lemke her, und der wiederum holt die Kenianerin schließlich nach Bremen. Mit dem norddeutschen Winter hat die Kickerin aber noch so ihre Probleme. 'Glücklicherweise bin ich nicht krank geworden. In Kenia sind es jetzt schon 38 Grad.' Die Kinder staunen. Nach einer halben Stunde geht es dann endlich nach draußen. Jörk will nicht mitspielen. 'Ich möchte so sein wie Tim Wiese, aber ich kann nicht so gut halten', mault der Siebenjährige. Mittendrin ist hingegen Shemus. Der Elfjährige aus der Neustadt hat heute extra sein signiertes Werdertrikot angezogen. Die Unterschrift von Mesut Özil konnte er sich nur durch einen Trick besorgen. 'Der wollte eigentlich nicht, aber dann habe ich nach dem Training zu ihm gesagt, dass er es mir unter Moslems doch geben soll. Das hat er dann gemacht.'

Einen neuen Fan gewonnen

Während auf dem Schulhof das Leder rollt, haben es sich Sally, Michelle und Tayfur im Inneren bei ein paar Hot Dogs bequem gemacht. Tayfur ist acht Jahre alt und hat sich verletzt abgemeldet. 'Meine Lieblingsspieler sind Mesut Özil und Cristiano Ronaldo', erzählt der Junge, der selbst in der F-Jugend der BTS Neustadt kickt. 'Ich spiele in der Freizeit gerne mit meinem Bruder in der Wohnung Fußball', sagt die zehnjährige Sally. Michelle, sieben Jahre alt, hat nach dem heutigen Treffen mit dem Gast aus Afrika eine völlig neue Sicht auf die Fußballwelt: 'Meine Lieblingsspielerin ist Doreen', betont die junge Neustädterin.

Die Partnerschaft mit Werder Bremen hat für den Hort übrigens noch einen weiteren Vorteil: Am Sonnabend besuchten 15 der Kinder und fünf Betreuer das Heimspiel der Bundesligamannschaft gegen den 1. FC Nürnberg. 'Wir sind unendlich dankbar, denn viele unserer Kinder hätten sonst nicht die Möglichkeit, einmal ein Spiel im Stadion zu sehen', freut sich Pädagogin Petra Precht.

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